Kapitalverkehrskontrollen könnten bald fallen

23.06.16 11:45

Wieder Zugang zu EZB-Krediten für Hellas-Banken

Von Sabine Paulus

Die Europäische Zentralbank ebnet den griechischen Banken den Weg zu günstigen EZB-Krediten. Ab 29. Juni sollen sie sich wieder normal refinanzieren können. Auch für Treasurer ein Schritt zur Normalisierung.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will den griechischen Banken wieder den Zugang zu normalen Krediten gewähren.

Marian Vejcik/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Europäische Zentralbank (EZB) will den griechischen Banken wieder den Zugang zu normalen Krediten gewähren.

Die griechischen Banken können sich bald wieder preiswerter refinanzieren. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat beschlossen, griechische Staatsanleihen trotz Ramschstatus wieder als Kreditsicherheiten zu akzeptieren. Die dafür notwendige Ausnahmeregelung soll ab 29. Juni erneut in Kraft treten, teilte die Europäische Zentralbank mit. Der EZB-Rat erkennt mit diesem Schritt den Reformwillen der griechischen Regierung an und geht davon aus, dass diese weiterhin alles daran setzen wird, die Auflagen der internationalen Geldgeber zu erfüllen.

Für die griechischen Banken ist dieses Zugeständnis eine große Erleichterung, da sie viel Geld werden sparen können. Zuletzt mussten sie sich über ELA-Notkredite refinanzieren. Diese sind mit 1,55 Prozent deutlich teurer verzinst als die EZB-Kredite mit 0,05 Prozent, wie aus Kreisen der Athener Notenbank zu hören ist. Die Kosten für die griechischen Banken durch den Ausschluss von den normalen EZB-Krediten seit Februar 2015 werden auf knapp über eine Milliarde Euro geschätzt.

Treasurer können auf Ende der Kapitalverkehrskontrollen hoffen

Für die Treasurer deutscher Unternehmen, die mit Griechenland Geschäfte machen, bedeutet diese Nachricht ein weiterer Schritt zur Normalisierung. Ihre Einlagen bei griechischen Banken hatten viele bereits seit Beginn der Krise so weit wie möglich reduziert. Allerdings dürfte es aufgrund der bestehenden Kapitalverkehrskontrollen nach wie vor Einschränkungen im Zahlungsverkehr und beim Cash Pooling mit griechischen Tochtergesellschaften geben.

Vor rund einem Jahr hatte die griechische Regierung Kapitalverkehrskontrollen verhängt. Davon waren auch deutsche Unternehmen betroffen, die mit griechischen Kunden oder Lieferanten Geschäftsbeziehungen haben. Sie hatten es deutlich schwerer an ihr Geld zukommen, da erst eine Kommission innerhalb des griechischen Finanzministeriums Überweisungen auf ausländische Konten genehmigen musste. Unternehmen mussten erfinderisch werden, um an das Geld ihrer Kunden zu kommen. Entweder der griechische Kunde zahlt von einem ausländischen Konto aus – oder das deutsche Unternehmen nutzt griechische Konten.

Seither wurden die Kontrollen sukzessive gelockert: Aktuell benötigen griechische Unternehmen für Überweisungen von mehr als 10.000 Euro die Genehmigung ihrer Hausbank.

Nun können die Treasurer hoffen, dass die Kapitalverkehrskontrollen in einigen Monaten komplett fallen werden. „Persönlich glaube ich, dass der größte Teil der Beschränkungen, wenn nicht sogar alle, ab diesem Herbst bis zum Ende des Jahres aufgehoben werden könnten“, sagte die Chefin des griechischen Bankenverbandes, Louka Katseli, vor einigen Tagen im staatlichen Fernsehen. Das griechische Finanzministerium könnte die Kapitalkontrollen für Privatpersonen schon bald abschaffen, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Regierungskreisen erfuhr.

Paulus[at]derTreasurer.de