Interview mit Jean-Baptiste Pons, Treasurer der Airbus Group

10.04.14 09:06

„Wir fakturieren mehr in Euro“

Von Andreas Knoch

In der Luftfahrtindustrie ist der US-Dollar traditionell die dominierende Handelswährung. Wegen des hohen Wechselkursrisikos hat man bei der Airbus Group nun begonnen, mehr Verträge in Euro zu fakturieren.

Airbus Group

In der Luftfahrtindustrie ist traditionell der US-Dollar die dominierende Handelswährung.

>>Herr Pons, viele Unternehmen in der Eurozone leiden zurzeit unter Währungseffekten. Wie geht Airbus mit dem starken Euro um?

In der Luftfahrtindustrie ist traditionell der US-Dollar die dominierende Handelswährung. Über die gesamte Produktpalette von Airbus hinweg haben wir aktuell einen Dollaranteil von 37 Prozent. In einzelnen Produkten liegt diese Quote sogar deutlich darüber: Beim Großraumflieger A350 beispielsweise beträgt sie 75 Prozent. Als ein Unternehmen, das in Euro bilanziert, bleiben wir deshalb von Wechselkurseffekten nicht verschont. Unsere FX-Strategie zielt darauf ab, das Nettorisiko im US-Dollar zu minimieren. Das geschieht, indem wir, wo möglich, auch die Kosten in den Dollar-Währungsraum verlagern – quasi ein Natural-Hedge. Unsere neue Montagelinie für den Mittelstreckenflieger A320 in Alabama ist dafür ein Beispiel. Auch die Finanzierung über in Dollar denominierte Anleihen zielt in diese Richtung. Darüber hinaus sind wir mit den Fluggesellschaften in Gespräche eingestiegen, die Fakturierungswährung von Dollar in Euro umzustellen.

Jean-Baptiste Pons

>>Wie reagieren die Airlines auf diesen Vorstoß?

Die Gespräche laufen vielversprechend, nicht nur, aber vor allem mit den europäischen Fluggesellschaften. Das verwundert nicht, schließlich sind diese gleichfalls von den Währungseffekten betroffen, da sie ihre Flugzeugflotte in Dollar finanzieren müssen. Eine Umstellung der Faktura auf Euro nutzt also nicht nur uns, sondern auch ihnen, indem Währungsrisiken reduziert und Sicherungskosten eingespart werden können. Inzwischen fakturieren wir mehr als früher in Euro, auch wenn der Anteil an der Gesamtfaktura noch überschaubar ist. Doch die Entwicklung geht in die richtige Richtung.

>>Wird die Airbus Group langfristig ganz auf Finanzinstrumente zum FX-Hedging verzichten können?

Nein, das sicherlich nicht. Das ist auch nicht unsere Intention. Die teilweise Umstellung der Faktura auf Euro ist nur eine von vielen möglichen Maßnahmen. Unser Wechselkursrisiko sichern wir nach wie vor mit Finanzinstrumenten ab – überwiegend mit FX-Forwards und zu einem kleinen Teil mit FX-Optionen. Per Ende 2013 hatten wir ein Hedgeportfolio im US-Dollar von 75,9 Milliarden Euro – immerhin 7,7 Milliarden Euro weniger als im Jahr zuvor.

>>Welche Strategie fährt die Treasury-Abteilung der Airbus Group bei der Wechselkurssicherung?

Bei der Airbus Group haben wir einen Sicherungshorizont von acht Jahren. Dabei sichern wir das erwartete FX-Exposure für die ersten beiden Jahre komplett ab, für die Jahre danach mit sukzessive abnehmenden Quoten. Im Rahmen dieser Strategie haben wir 2013 neue Kontrakte im Volumen von 15,8 Milliarden US-Dollar zu einem durchschnittlichen Sicherungskurs von 1,33 US-Dollar abgeschlossen, während alte Verträge im Volumen von 23,5 Milliarden US-Dollar zu einem durchschnittlichen Sicherungskurs von 1,37 US-Dollar ausliefen. Der durchschnittliche Kurs über den gesamten Sicherungshorizont hinweg liegt aktuell bei 1,34 US-Dollar.

>>Viele Unternehmen klagen im Zuge der verschärften Kapitalanforderungen bei Banken über höhere Sicherungskosten. Wie sieht das bei der Airbus Group aus?

In den Jahren 2009 und 2010, also mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise, mussten wir tatsächlich deutlich höhere Sicherungskosten in Kauf nehmen. Seitdem hat sich unser Kreditstatus jedoch verbessert, was sich positiv auf die Sicherungskosten auswirkt. Diese sind seitdem deutlich gesunken. Hinzu kommt, dass wir auf Forderungen einer Besicherung von Derivategeschäften prinzipiell nicht eingehen – zumal die Bonität der Airbus Group mit einem Single-A-Rating vielfach sogar besser ist als die unserer Kontrahenten. Alle unserer rund 50 Geschäftsbanken akzeptieren diese Firmenpolitik.

>>Seit Februar muss auch die Airbus Group ihre Derivategeschäfte an ein Transaktionsregister melden. Wie setzen Sie das im Treasury um?


Die Umsetzung der Emir-Anforderungen war im vergangenen Jahr eines der größten Projekte im Treasury der Airbus Group, das erhebliche Kapazitäten gebunden hat. Trotz des herausfordernden Zeitplans waren wir rechtzeitig Emir-konform. Was das Reporting anbelangt so melden wir den Großteil unserer externen und internen Geschäfte selbst an DTCC. Lediglich bei Aktien- und Rohstoffderivaten haben wir die Meldepflicht an Banken delegiert.

Knoch[at]derTreasurer.de