Zinsswap-Sätze steigen

10.06.15 08:20

Zinsrisiken: Absichern oder offen lassen?

Von Desiree Backhaus

Mit der Diskussion um eine Zinswende am langen Ende gewinnt auch das Thema Zinssicherung wieder an Relevanz. Noch nicht alle Treasurer haben das erkannt, warnt die HypoVereinsbank.

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Am langen Ende sind die Renditen der Staatsanleihen zuletzt wieder etwas gestiegen.

Die Renditewende auf den Märkten für Staatsanleihen rückt auch das Thema Zinssicherung wieder ins Blickfeld der Marktteilnehmer. Nicht nur die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist im April und Mai zwischenzeitlich um 70 Basispunkte angestiegen und notiert nun bei 0,54. Auch die Swapsätze im Zehnjahresbereich haben zuletzt kräftig zugelegt: Der Zehn-Jahres Euro-Zinsswap hatte Mitte April seinen Tiefstwert von 0,45 Prozent erreicht, heute liegt er bei 0,91 Prozent. Die Zinssicherung langlaufender Euro-Finanzierungen ist damit für Unternehmen teurer geworden.

Ein Risiko, das einige Unternehmen offenbar noch nicht auf der Agenda haben: „Im Moment erleben wir, dass viele Mittelständler den niedrigen Euribor mitnehmen wollen und deshalb teilweise bis zu 90 Prozent variabel verzinste Finanzierungen abschließen und diese offen lassen“, sagt Stefan Karg, Leiter Corporate Treasury Sales Bayern Süd bei der HypoVereinsbank.

3-Monats-Euribor bleibt negativ

Anders als bei den Renditen für Staatsanleihen ist beim 3-Monats-Euribor keine Trendwende in Sicht: Seit April notiert der Referenzzinssatz kontinuierlich im negativen Bereich. Laut einer aktuellen Umfrage der Treasury-Beratung Schwabe, Ley & Greiner rechnen 36 Prozent der befragten 100 Treasurer damit, dass der 3-Monats-Euribor auch Ende 2016 noch im negativen Bereich liegen wird. Auch das Bankhaus Lampe geht für die kommenden zwölf Monate von einem negativen 3-Monats-Euribor aus. Das scheint einige Treasurer dazu zu verleiten, Positionen offenzulassen statt abzusichern. „Der Trend wird aber auch wieder in die andere Richtung gehen“, sagt ein erfahrener Treasurer, und warnt davort, die Positionen offen zu lassen.

Denn die Strategie, Zinsänderungsrisiken erst dann abzusichern, wenn die Zinsen wieder steigen, ist riskant. „Dann kann es teuer werden“, warnt Banker Karg. Der jüngste Anstieg der Swapsätze bestätigt dies. Dennoch: Die meisten Ökonomen halten den Renditeanstieg am langen Ende eher für eine Korrektur des zuvor extremen Sinkflugs, denn für die Anzeichen einer Zinswende: „Dazu fehlt der Impuls: Die EZB setzt ihr Anleihekaufprogramm fort, die Weltwirtschaft wächst nach wie vor nur verhalten, bei den Inflationsraten gibt es auf dem niedrigen Niveau vorerst kaum Aufwärtspotenzial, zudem bringt die Grexit-Gefahr sichere Häfen nicht aus der Mode“, sagt Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe.

Backhaus[at]derTreasurer.de