Nur wenige deutsche Finanzdienstleister wollen Vorreiter in der Nutzung der Blockchain-Technologie sein.

iStock/Thinkstock/Getty Images

16.07.18
Software & IT

Banken halten sich mit Blockchain-Tests zurück

Die Blockchain-Technologie könnte das Banking revolutionieren, glauben Berater. Viele deutsche Banken bezweifeln das. Sie warten, was die Konkurrenz macht.

Die Blockchain-Technologie genießt bei den allermeisten deutschen Finanzdienstleistern keine Priorität. Das ist das Ergebnis einer am heutigen Montag veröffentlichten Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter  300 deutschen Banken, Versicherern und Vermögensverwaltern. Demnach ist bei mehr als zwei Dritteln der deutschen Finanzdienstleister die Blockchain „noch nicht Teil der strategischen Planung“. Gerade einmal 3 Prozent der Befragten setzen die neue Technologie bereits ein oder wollen dies zeitnah tun.

Viele der Banken, Versicherer und Asset Manager wollen nach eigener Aussage erst einmal abwarten, was die Konkurrenz macht. Denn lediglich 2 Prozent der befragten Finanzdienstleister wollen „die ersten im Markt […] sein, die die Blockchain-Technologie produktiv einsetzen“. Immerhin 14 Prozent möchten zumindest „unter den ersten sein“.

LBBW und Commerzbank sind Blockchain-Pioniere

Zu den Voreitern gehört beispielsweise die LBBW, die das Thema Blockchain bei Schuldscheintransaktionen vorantreibt. Mit dem Autobauer Daimler hatte die süddeutsche Landesbank vor rund einem Jahr erstmals einen Schuldschein via Blockchain platziert. Auch die neue digitale Plattform zur Emission von Schuldscheinen, die die LBBW vor einigen Wochen zusammen mit der Börse Stuttgart gestartet hat, soll noch in diesem Jahr mit der Blockchain verbunden werden.

Die Commerzbank experimentiert ebenfalls öffentlichkeitswirksam mit der neuen Technologie: Sie hat kürzlich für den Essener Industriekonzern Thyssenkrupp zum ersten Mal ein FX-Forward auf Basis der Blockchain gehandelt. Auch beim Testlauf für eine Commercial-Paper-Platzierung war die Commerzbank gemeinsam mit der Staatsbank KfW und dem Vermögensverwalter Meag involviert. Zudem ist die gelbe Bank gleich an zwei Bankkonsortien beteiligt, die blockchain-basierte Plattformen für die Handelsfinanzierung baut. Das papierbasierte Trade-Finance-Geschäft gilt als Paradebeispiel für die Vorteile der Blockchain-Technologie. Auch die Deutsche Bank und die Unicredit beteiligen sich hier an Tests.

Viele Banken warten ab, was die Konkurrenz macht

Insgesamt scheinen solche Beispiele aber die Ausnahme zu sein – zumindest der PwC-Umfrage zufolge: Fast die Hälfte der Befragten erklärte, es reiche ihnen, wenn sie die Blockchain ungefähr zur gleichen Zeit wie die wichtigsten Wettbewerber einführten. 27 Prozent der Umfrageteilnehmer sagte sogar, sie würden die neue Technologie erst dann einsetzen, wenn sie bereits eine Zeitlang im Markt erprobt sei.

„Bei der Blockchain klafft eine merkliche Lücke zwischen dem öffentlichen Hype und der Frage, wie weit die Finanzindustrie tatsächlich schon mit den Plänen für eine reale Anwendung ist“, sagt Thomas Schönfeld, Blockchain Leader Financial Services bei PwC in Deutschland. Der Berater warnt die Finanzdienstleister allerdings davor, zu lange zu zögern: „Die Blockchain wird die Finanzindustrie verändern – daran kann es wenig Zweifel geben.  Insofern sind die Unternehmen gefordert, allmählich die strategischen Weichen für das Blockchain-Zeitalter zu stellen.“ Wer in fünf Jahren mit dabei sein möchte, müsse jetzt beginnen, seine Ziele zu bestimmen.

Ist Blockchain die Technologie der Zukunft?

Die meisten Befragten sehen aber offenbar keinen Grund zur Eile:  Nur 5 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, dass die Blockchain ihr Geschäftsmodell in den kommenden zwei Jahren sehr oder extrem stark verändern werde. Mit Blick auf die kommenden fünf Jahre unterschreiben diese Aussage immerhin 19 Prozent, auf Sicht von zehn Jahren ist es jeder dritte Befragte.

Allerdings sind längst nicht alle Banker von der Relevanz der Blockchain-Technologie überzeugt: Die Zahl derer, die glauben, die Blockchain habe „wenig“ oder „gar keinen“ Einfluss auf ihr Geschäftsmodell, liegt der Umfrage zufolge auf lange Sicht bei rund einem Viertel.

Einige Blockchain-Skeptiker setzen PwC zufolge auf alternative Konzepte, das heißt „auf Techniken, die auch ohne Blockchain eine dezentrale und zumindest teilautonome Lagerung von Daten versprechen“. Auf Sicht von zwei Jahren trauen 11 Prozent der befragten Unternehmen diesen Technologien einen markanten Einfluss auf ihre Geschäftsmodelle zu. Bei einem Fünf-Jahres-Horizont sind es 17 Prozent und bis 2028 sogar 24 Prozent. „Man darf gespannt sein zu sehen, inwieweit sich solche Modelle – die den Anspruch haben, Vorteile der Blockchain mit besserer Effizienz zu vereinen – tatsächlich am Markt durchsetzen können“, sagt Schönfeld.

Paulus[at]derTreasurer.de

Newsletter abonnieren
Keine Neuigkeiten aus dem Treasury mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos den DerTreasurer-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.