Martin Bellin behält die Mehrheit

31.01.17 13:01

Bellin holt PE-Investor LEA an Bord

Von Desiree Backhaus

Bellin beschafft sich frisches Geld für Wachstum: Für einen zweistelligen Millionenbetrag steigt der Private-Equity-Investor LEA Partners bei dem Anbieter von Treasury-Software ein. Auch Zukäufe sind geplant.

Frankfurt Business Media GmbH/A. Varnhorn & A. Hausmanns

Martin Bellin gibt einen Minderheitsanteil an dem vom ihm gegründeten TMS-Anbieter Bellin ab.

Bellin schwingt sich zum aktiven Konsolidierer am Markt für Treasury-Management-Systeme (TMS) auf: Der Softwareanbieter holt sich mit der Karlsruher Private-Equity-Gesellschaft LEA Partners einen Investor an Bord, wie beide Parteien heute Vormittag mitteilten. LEA Partners investiert einen zweistelligen Millionenbetrag und erhält dafür im Gegenzug einen Minderheitsanteil an dem Unternehmen mit Sitz im badischen Ettenheim, das zwischen Offenburg und Freiburg gelegen ist. Die Mehrheit hält weiterhin CEO und Gründer Martin Bellin.

Mit dem frischen Geld will Bellin seinen Marktanteil im deutschsprachigen Raum ausbauen, zugleich aber auch das globale Wachstum insbesondere in den USA und Asien vorantreiben. „Mit der Unterstützung von LEA Partners werden wir unsere Investitionen in innovative Technologien signifikant erhöhen können“, sagt CEO Bellin.

Neben organischem Wachstum sind auch Zukäufe geplant. Sowohl die Übernahme von Wettbewerbern als auch die Akquisition von Lösungsanbietern jenseits des klassischen Betätigungsfeldes seien denkbar, wie DerTreasurer erfuhr. Bislang hat der 1998 gegründete TMS-Anbieter vor allem auf Kooperationen gesetzt, etwa mit dem Finanznachrichtendienstleister Swift, dem Informationsdienstleister Vwd oder dem Analyse-Tool-Anbieter für Bankbeziehungen, Vallstein.

TMS-Markt im Umbruch: Die Konsolisierungswelle rollt

Auf dem Markt für Treasury-Management-Systeme gehört Bellin in Deutschland zu den Marktführern: Einer Umfrage von DerTreasurer aus dem vergangenen Frühjahr zufolge liegen Bellin, SAP und Reval hierzulande nahezu gleichauf: Von den befragten exakt 100 Treasurern nutzen jeweils etwa ein Viertel der Befragten, die ein TMS im Einsatz hat, ihre Angebote. Im Ausland ist Bellin seit vielen Jahren aktiv, allerdings bislang weniger stark vertreten.

Der Einstieg des Investors kommt nicht ganz unerwartet. Auf dem Markt für Treasury-Software rollt derzeit eine Konsolidierungswelle, viele Anbieter haben sich in den vergangenen Monaten ebenfalls frisches Kapital beschafft: Bei dem Hamburger Softwarehaus Hanse Orga ist im September der niederländischen Private-Equity-Investor Waterland eingestiegen, die US-amerikanische Ion Investment Group hat im Oktober den Softwareanbieter Reval übernommen und der französisch-amerikanische TMS-Anbieter Kyriba sicherte sich wenig später umgerechnet 20,5 Millionen Euro frisches neues Kapital.

Neuer Bellin-Minderheitseigner LEA Partners ist Branchenspezialist

Wie auch das Familienunternehmen Hanse Orga öffnet sich Bellin mit der heute verkündeten Transaktion erstmals für externe Investoren. Die strukturellen Voraussetzungen dafür hat Gründer Martin Bellin, selbst ehemaliger Treasurer, zuletzt getroffen. So verteilte er etwa die Managementverantwortung in den vergangenen Jahren zunehmend auf mehrere Schultern: Anfang 2016 rückte mit Michael Juen ein drittes Mitglied in die Geschäftsführung um Martin Bellin und Roland Person auf. Der frühere Partner von Schwabe, Ley und Greiner verantwortet mittlerweile das operative Geschäft in den Bereichen Beratung und Vertrieb.

Mit LEA Partners holt sich Bellin nun einen Private-Equity-Investor an Bord, der sich auf die Technologiebranche fokussiert. Einer der beiden Geschäftsführer, Christian Roth, ist ebenfalls ehemaliger Softwareunternehmer. Das Geld für das Bellin-Investment kommt aus dem im vergangenen Frühjahr geschlossenen LEA Mittelstandspartner Fonds, der ein Investitionsvolumen von 100 bis 150 Millionen Euro umfasst. Der Finanzinvestor ist derzeit an über 40 Unternehmen beteiligt, in die 300 Millionen Euro investiert sind. Zu den Geldgebern von LEA gehören neben dem baden-württembergischen Förderinstitut L-Bank weitere institutionelle Investoren wie Banken, Versicherer und Family Offices. Einen festen Anlagehorizont hat der PE-Investor nach eigenen Angaben nicht.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Erfahren Sie mehr zur Konsolidierung am Treasury-Softwaremarkt auf unserer Themenseite Treasury-Software: Neuheiten und Updates.