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12.11.19
Software & IT

Blockchain soll Geldwäschechecks erleichtern

Die Zahl der Geldwäschemeldungen steigt, Zahlungen werden immer häufiger angehalten. Zur Klärung dieser Vorfälle setzt JP Morgan auf ein Blockchain-Netzwerk. Doch noch ist die Reichweite gering.

Mit dem Interbank Information Network (IIN) will JP Morgan die Prüfung von Zahlungen auf Finanzkriminalität beschleunigen. Über das Blockchain-Netzwerk können Banken miteinander kommunizieren, um zu klären, ob eine vom Sanktions- und Geldwäschefilter beanstandete Zahlung tatsächlich nicht ausgeführt werden darf - oder ob es sich um falschen Alarm handelt. Letzteres komme recht häufig vor, berichtet Andreas Windmeier, Leiter Treasury Services bei JP Morgan in Deutschland: „Es reicht beispielsweise, wenn der Begünstigte den gleichen Nachnamen trägt wie jemand, der auf einer Sanktionsliste steht.“

Das Problem: Es gibt immer mehr Geldwäschemeldungen. Die rechtlichen Anforderungen an die Banken steigen, zudem werden Banken nach den zahlreichen Skandalen – zuletzt bei der Danske Bank – vorsichtiger. Zugleich zieht sich die Prüfung der beanstandeten Zahlungen hin: „Je nachdem, an welcher Stelle in der Korrespondenzbankkette die Meldung aufpoppt, kann die Prüfung bis zu zwei Wochen dauern, weil bei jeder involvierten Bank nachgefragt werden muss“, erklärt Windmeier. Diesen Kommunikationsprozess will JP Morgan mit dem Netzwerk IIN verkürzen – und so dafür sorgen, dass fälschlicherweise angehaltene Zahlungen schneller beim Empfänger ankommen. „Über die dezentrale Blockchain-Datenbank können alle Banken der Kette in Echtzeit miteinander kommunizieren“, erklärt Windmeier.

Deutsche Bank schließt sich Blockchain-Netz an

IIN ist nun seit zwölf Monaten im Livebetrieb. Seit kurzem ist auch die Deutsche Bank, nach eigenen Angaben die weltweite Nummer 1 bei der Abwicklung von Euro-Zahlungen, Teil des Netzwerks. Für JP Morgan – selbst größter US-Dollar-Clearer – ist das ein wichtiger Erfolg. Derzeit nutzen 69 Banken das Netzwerk. Insgesamt hätten mehr als 350 Banken ihre Absicht angekündigt, IIN beizutreten, teilt JP Morgan mit. Für den Zugang zu IIN verlangt die Bank keine Gebühr.

Als Konkurrenz zu Swift will JP Morgan das neue Netzwerk nicht verstanden wissen. „IIN ist vielmehr ein ergänzender Service, welcher die Kommunikation zwischen den Teilnehmern in Echtzeit unterstützt“, so Windmeier. Gleichwohl gebe es in der Bank auch erste Überlegungen, KYC-Informationen über IIN auszutauschen sowie in ferner Zukunft womöglich sogar Finanztransaktionen darüber abzuwickeln. Mit der JP Morgan Coin entwickelt die Bank auch eine dollarbasierte Digitalwährung. „Im ersten Schritt hat nun aber Vorrang, weitere Banken zur Beschleunigung der Geldwäschechecks auf das Netzwerk zu heben.“

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