Hanse Orga

05.06.18
Software & IT

Hanse Orga heißt jetzt Serrala und forciert Cloud-Geschäft

Zeitenwende bei Hanse Orga: Der Softwarehersteller heißt ab sofort Serrala. Mit der heutigen Ankündigung wollen die Hamburger aber nicht nur ihren Markenauftritt modernisieren. Auch strategisch sollen wichtige Weichen gestellt werden, wie CEO Sven Lindemann gegenüber DerTreasurer verrät.

Ein in der Treasury-Welt bekannter Name wird bald vom Markt verschwinden: Hanse Orga heißt ab sofort „Serrala“, wie der Hamburger Softwarehersteller am heutigen Dienstag verkündet. Der neue Markenname leitet sich von der spanischen Gebirgskette „Sierra de la Serrella“ und dem indischen Wort für „einfach“ („Saral“) ab.  Dadurch soll Robustheit, das Streben nach Komplexitätsreduktion und ein internationaler Anspruch zum Ausdruck gebracht werden.

Hintergrund der Umbenennung ist das durch Zukäufe stark gewachsene Markenportfolio des Zahlungsverkehrsspezialisten. Nach den Übernahmen von Tembit, Soplex, Dolphin und E5 führte Hanse Orga zuletzt sieben Marken – für Außenstehende unübersichtlich und kaum mehr zu durchschauen. Die Beratungssparte Symq sowie die 2012 übernommene Cogon zählten ebenfalls dazu. „Sieben Marken verwirren den Kunden eher, als dass sie Mehrwert stiften“, hatte Strategiechef Christoph Dubies bereits im Januar gegenüber DerTreasurer angedeutet.

Nun sollen alle alten Marken verschwinden und durch den Kunstnamen „Serrala“ ersetzt werden. „Wir wollen moderner und internationaler auftreten, dazu passte keine der bestehenden Brands“, sagt CEO Sven Lindemann, der einräumt, dass es der Gründerfamilie nicht leicht gefallen sei, den Namen „Hanse Orga“ aufzugeben. Lindemanns Vater Hans Herbert hatte den Softwarehersteller 1984 gegründet. Vor zwei Jahren hatte sich das Familienunternehmen den Finanzinvestor Waterland als Anteilseigner mit an Bord geholt, um ehrgeizige Wachstumspläne umzusetzen. 

Hanse Orga bringt FS2-Angebot in die Cloud

Es soll aber nicht bei einem neuen Markenauftritt bleiben, versichert Lindemann im Gespräch mit DerTreasurer. Inhaltlich setzt der Softwarehersteller ebenfalls neue Schwerpunkte. So stellt Serrala am heutigen Dienstag eine umfassende Lösung auf Basis der Cloud-Technologie vor. „Damit können wir künftig sämtliche Services auch über diesen Weg anbieten“, sagt Lindemann. „Von der Rechnungseingangsverarbeitung, über Zahlungsverkehr und Datenarchivierung bis hin zu unseren Cash- und Treasury-Modulen.“

Mit dem Launch schließt Hanse Orga eine wichtige Lücke, denn der Einsatz von Cloud-Anwendungen im Treasury boomt nach anfänglicher Zurückhaltung in Finanzressorts. Unternehmen, die ihren Zahlungsverkehr über internetbasierte Lösungen managen wollten, fanden bei Hanse Orga bislang aber wenig Passendes. Künftig sollen Kunden sich entscheiden können, welche Prozesse sie auf ihrer eigenen IT-Infrastruktur durchführen („on Premise“) und welche sie über die Cloud abwickeln wollen. Auch Hybrid-Lösungen sind Lindemann zufolge denkbar.

Die Basis der neuen Lösung, die unter dem Namen „Alevate“ vermarktet wird, baut auf der Lösung des vor rund einem Jahr übernommenen Cloud-Spezialisten Tembit auf. „Wir haben sie weiterentwickelt und ausgebaut“, erklärt Lindemann. Für bestehende Kunden, die weitermachen wollen wie bisher, ändere sich nichts, beteuert der CEO.

Hanse Orga will Kooperation mit Banken intensivieren

Im Zuge der Cloud-Einführung will der Softwarehersteller künftig zudem stärker die Banken als Absatzkanal für die eigenen Produkte erschließen: „Wir werden den Banken unsere Cloud-Lösung als White-Label anbieten und stellen dafür gerade eine Vertriebsmannschaft zusammen“, berichtet Lindemann. Bislang gab es eine solche Kooperation lediglich mit der Commerzbank – ein Asset, das der E-Banking-Spezialist Cogon damals im Zuge der Übernahme mit ins Hanse-Orga-Universum brachte.

Darüber hinaus wird Serrala seinen Kunden künftig auch sogenannte Managed Services anbieten. „Dazu gehört insbesondere die Konvertierung von Zahlungsverkehrsdateien, das Formathandling und die Banken-Konnektivität, wenn Unternehmen eine neue Bank anbinden“, erklärt Lindemann. Konkurrenten wie TIS und Bellin bieten ihren Kunden solche Dienste bereits an – und auch Hanse Orga will sich damit ein wenig unabhängiger von der Haupteinnahmequelle Lizenzgebühren aufstellen. Der Softwarehersteller hat extra dafür eine neue Gesellschaft gegründet.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Was tut sich in der Treasury-IT-Welt? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite Treasury-Software: Neuigkeiten und Updates.