Die Containerschiff-Reederei Maersk und der IT-Konzern IBM planen über ein Blockchain-Joint-Venture, den globalen Handel schneller und effizienter zu machen.

Maersk

17.01.18
Software & IT

Neue Blockchain-Initiativen von Maersk, IBM und Swift

Ein Blockchain-Projekt jagt das nächste. So planen die weltgrößte Containerschiff-Reederei Maersk und der IT-Konzern IBM, ein Joint Venture zu gründen, um via Blockchain den globalen Handel zu verbessern. Gleichzeitig wurde bekannt, dass Swift und sieben Zentralverwahrer den Einsatz der Technologie im Post-Trade-Bereich prüfen.

Immer neue Blockchain-Initiativen laufen an. So wollen beispielsweise die weltweit größte Containerschiff-Reederei Maersk und der IT-Konzern IBM ein Joint-Venture gründen, wie jetzt bekannt wurde. Ziel des Gemeinschaftsunternehmens ist es, mit Hilfe der Blockchain-Technologie den globalen Handel zu verbessern und die Lieferketten zu digitalisieren. Das World Economic Forum geht davon aus, dass der Welthandel um fast 15 Prozent wachsen könnte, wenn Hürden in den internationalen Lieferketten beseitigt würden. Das dürfte auch für den Bereich Trade Finance Folgen haben.

Handelsfinanzierung gilt als Paradebeispiel für Blockchain

Die Handelsfinanzierung kann Experten zufolge neben dem Schuldschein und der Wertpapierabwicklung enorm von den Vorteilen der Blockchain-Technologie profitieren. Denn über die Blockchain als dezentrale Datenbank sind Importeur, Exporteur, Transporteure, die involvierten Banken, Zoll- und Steuerbehörden sowie Regulatoren und Kreditversicherer direkt miteinander verbunden.

Die Interaktion findet in Echtzeit statt. Alle Vertragsbestandteile wie die Bestellung, die Rechnungsstellung und die Zollunterlagen können über die Blockchain abgebildet werden. Eine papierbasierte Dokumentation ist nicht mehr notwendig, wodurch sich die Handelsprozesse vereinfachen lassen und deutlich schneller abgewickelt werden können.

Darüber hinaus haben alle beteiligten Parteien über die Blockchain volle Transparenz und Datenintegrität. Die Risiken bei internationalen Handelsgeschäften lassen sich durch die neue Technologie deutlich minimieren. In einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium können auch Akkreditive, Warenkreditversicherungen und andere Supply-Chain-Finance-Instrumente über die Blockchain vertrieben werden, glauben Experten.

IBM und Maersk entwickeln bereits seit 2016 neue Blockchain-Lösung

Diese Vorteile der Blockchain wollen nun auch Maersk und IBM nutzen. Beide Konzerne planen eine gemeinsam entwickelte digitale Plattform für den globalen Handel bereitstellen, die auf offenen Standards basiert und auf das weltweite Schifffahrtsökosystem zugeschnitten ist. Allerdings müssen die Lösungen des Joint Ventures noch regulatorisch genehmigt werden und werden deshalb voraussichtlich erst innerhalb der nächsten sechs Monate verfügbar sein.

Maersk und IBM arbeiten bereits seit Juni 2016 zusammen, um gemeinsam neue Blockchain- und Cloud-basierte Technologien zu entwickeln. Seither haben Unternehmensangaben zufolge verschiedene Parteien die Plattform getestet. Dazu gehören beispielsweise die internationalen Konzerne DuPont, Dow Chemical, Tetra Pak. Auch internationale Häfen und Behörden wie Port Houston, Rotterdam Port Community System Portbase, die Zollbehörden der Niederlande sowie die U.S. Customs and Border Protection sind eingebunden. Unternehmen wie General Motors und Procter and Gamble sowie das Transport- und Logistikunternehmen Agility Logistics haben ebenfalls ihr Interesse an der Plattform bekundet.

Trade Finance: Konkurrenz von Blockchain-Plattformen formiert sich

Diese Initiative mit Maersk ist aber nicht das einzige Blockchain-Projekt von IBM im Bereich Handelsfinanzierungen. Im Herbst vergangenen Jahres teilten bereits die Commerzbank, die österreichische Erste Group, die spanische Caixa Bank sowie die kanadische Bank of Montreal mit, dass sie einer Initiative der Schweizer Bank UBS und IBM beigetreten seien, um gemeinsam eine Blockchain-basierte Plattform für die inländische und grenzüberschreitende Handelsfinanzierung zu entwickeln. Die Plattform mit dem Namen Batavia dient eigenen Angaben zufolge der Finanzierung von Handelsaktivitäten aller Art, beispielsweise bei der Beförderung von Waren auf dem Luft-, Land- oder Seeweg. Anfang 2018 sollten erste Pilottransaktionen mit Kunden stattfinden.

Auch die Plattform Digital Trade Chain, die nun unter dem Markennamen we.trade auftritt, arbeitet mit IBM zusammen, um eine neue Plattform für Handelsfinanzierungen zu entwickeln. Sieben Banken – Deutsche Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit – hatten das Projekt vor einem Jahr initiiert.

Swift und Zentralverwahrer prüfen Blockchain im Post-Trade-Bereich

Auch der Finanznachrichtendienstleister Swift experimentiert weiter mit der innovativen Technologie. Zusammen mit sieben Zentralverwahrer (CSDs) will Swift zeigen, wie die Blockchain in Post-Trade-Szenarien – etwa bei der Abwicklung von Corporate Actions einschließlich Stimmabgabe und Depotstimmrecht – implementiert werden kann. Im Rahmen einer Absichtserklärung haben das die CSDs Abu Dhabi Securities Exchange, Caja de Valores, Depósito Central de Valores, Nasdaq Market Technology AB, National Settlement Depository, SIX Securities Services und Strate Ltd. mit Swift vereinbart.

Schon im Hinblick auf das Korrespondenzbankgeschäft lotet der Finanznachrichtendienstleister aus, welchen Nutzen die Blockchain bringen kann. Einen entsprechenden Test hat Swift im Frühjahr vergangenen Jahres begonnen. Damit will der Finanznachrichtendienstleister untersuchen, ob und unter welchen Umständen Banken mit der Blockchain-Technologie den Abgleich der sogenannten Nostro-Datenbanken, die im Korrespondenzbankengeschäft zum Einsatz kommen, in Echtzeit durchführen können.

Paulus[at]derTreasurer.de

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