Der Sportwagenhersteller Porsche treibt die Entwicklung seiner digitalen Zahlungsarten voran.

Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

04.02.20
Software & IT

Porsche steigt bei Finanz-Startup ein

Digitale Geschäftsmodelle verändern den Zahlungsverkehr und die Finanzprozesse. Autobauer trifft das besonders hart. Porsche will den neuen Herausforderungen nun mit Hilfe eines Start-ups begegnen.

Der Sportwagenhersteller Porsche steigt bei Nitrobox ein. Das Hamburger Start-up hat eigenen Angaben zufolge eine Cloud-Plattform entwickelt, auf deren Basis digitale Geschäftsmodelle automatisiert abgerechnet werden können. Von der Rechnungsstellung über die Bezahlung, bis hin zum Debitorenmanagement und zu Compliance-Prozessen unterstütze die Plattform sämtliche Teile des Order-to-Cash-Prozesses, so Nitrobox.

Neben Porsche Ventures, der Wagniskapitaleinheit des Stuttgarter Sportwagenherstellers, investiert auch der Fonds „Neue Capital Partners“ aus dem Silicon Valley in Nitrobox. Die beiden Investoren stellen dem Software-Start-up im Rahmen einer Finanzierungsrunde insgesamt einen einstelligen Millionenbetrag zur Verfügung. 

Porsche reagiert auf Wandel im Zahlungsverkehr

Die Beteiligung von Porsche an dem Start-up unterstreicht, wie wichtig es für den Sportwagenhersteller ist, seinen Kunden künftig neue Zahlarten anzubieten und diese intern effizient abzuwickeln. Im Zuge der Digitalisierung, der steigenden Bedeutung des E-Commerce auch für B2B-Unternehmen und dem Internet der Dinge verändern sich auch die Anforderungen an den Zahlungsverkehr.

Die Automobilindustrie trifft dies besonders stark. Um Dienstleistungen wie Carsharing, On-Demand-Angebote oder digitales Parken angemessen anbieten zu können, müssen die Hersteller auf neue Lösungen setzen. Sie werden künftig zum Beispiel immer mehr kleinteilige Zahlungen verarbeiten müssen, die beispielsweise über Smartphones ausgelöst und in den Kaufprozess integriert werden. Das erfordert ein Umdenken der bisherigen Prozesse.

„Wir entwickeln gemeinsam mit Nitrobox die notwendige Finanzarchitektur, um verschiedene Abrechnungsmodelle für Porsche Connect und Smart-Mobility-Dienste anbieten zu können: von zeit- oder volumenbasierten Ansätzen bis hin zu Abonnements“, sagt Stefan Zerweck, COO von Porsche Digital. Bereits vor der Finanzierungsrunde hatte Nitrobox mit Porsche zusammengearbeitet und den Sportwagenhersteller beim Order-to-Cash-Prozess seiner Mobilitätsangebote unterstützt.

Nitrobox will mit frischem Kapital wachsen

Auch das Start-up erhofft sich Synergien von der Zusammenarbeit: „Mit Neue Capital Partners und Porsche als starke Partner wollen wir das Wachstum von Nitrobox beschleunigen“, sagt Henner Heistermann, Gründer und Geschäftsführer des Hamburger Softwareunternehmen. Das Unternehmen will die Mittel der Finanzierungsrunde vor allem dafür nutzen, seine Marktposition in Deutschland weiter auszubauen und den Eintritt in den US-Markt vorzubereiten. Neben Porsche arbeitet das Start-up eigenen Angaben zufolge auch schon mit mehreren anderen Automobilherstellern zusammen.

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Daimler und Volkswagen bauen interne Expertise auf

Doch nicht nur mit Hilfe von Fintechs wollen die Autobauer die digitale Transformation ihrer Geschäftsmodelle forcieren. Auch intern wird einiges getan, um neue Lösungen im Zahlungsverkehr zu entwickeln. So hat der Stuttgarter Autobauer Daimler bereits im Herbst vergangenen Jahres sein digitales Angebot Mercedes Pay, über das Fahrer kostenpflichtige Dienste wie etwa Navigation oder digitales Radio in Anspruch nehmen können, ausgerollt.

Der Wolfsburger Autokonzern Volkswagen hatte im Herbst 2017 sogar eine eigene Bezahldienst-Gesellschaft in Luxemburg gegründet, um seine globalen Payment-Aktivitäten auszubauen. Als Leiter der Sparte holte VW damals den ehemaligen Top-Transaktionsbanker Ernst Ohmayer von der Unicredit an Bord.

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