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15.10.18
Software & IT

Serrala steigt in Open-Banking-Wettlauf ein

Serrala bietet eine neue Softwarelösung für Banken und deren Firmenkunden an. Die digitale Plattform solle den Geldhäusern helfen, sich dank der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 als Plattformbetreiber zu positionieren.

Der Softwareanbieter Serrala, bis zum Frühsommer als Hanse Orga bekannt, will künftig Banken als Absatzkanal für ein neues Produkt nutzen. Wie die Hamburger am heutigen Montag mitteilten, startet der Softwareanbieter eine neue cloud-basierte Plattform namens BCrest. Die Kreditinstitute können BCrest ihren Firmenkunden als sogenannte White-Label-Lösung, also unter eigenem Namen, anbieten. Bankkunden können damit ihre Finanzprozesse – wie Steuerung von aus- und eingehenden Zahlungen sowie die Bearbeitung von eingehenden Rechnungen – automatisieren und optimieren.

Serrala will PSD2 für sich nutzen

Bislang hatte Serrala eine solche Kooperation lediglich mit der Commerzbank – ein Asset, das der E-Banking-Spezialist Cogon im Zuge der Übernahme 2012 mit zu Serrala brachte. Serrala-CEO Sven Lindemann meint, der richtige Zeitpunkt sei nun gekommen, das Geschäft mit den Banken zu forcieren: „Banken müssen ihren Firmenkunden umfassendere und innovative Lösungen anbieten, die über ihr Kerngeschäft hinausgehen. Sonst riskieren sie Beeinträchtigungen und den Verlust wichtiger Firmenkunden an aufstrebende Fintech-Firmen.“

Durch die seit Jahresbeginn geltende europäische Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 verlieren die Banken ihr Monopol auf Kundenkonten und -daten und müssen Wettbewerbern, Drittanbietern und Fintechs über eine offene Programmierschnittstelle (API) einen direkten Zugang zu ihren Systemen und den Kundenkonten und -daten geben, sofern die Kunden das wünschen.

Die Cloud-Plattform von Serrala unterstütze die Banken nun darin, mit einer sicheren und skalierbaren White-Label-Lösung ihr Angebot an Firmenkunden strategisch zu erweitern, sagt Lindemann weiter. Denn dank PSD2 können die Banken gleichzeitig auch selbst auf Kundendaten ihrer Konkurrenten zugreifen und diese proaktiv für sich nutzen. Manches Kreditinstitut hat diese Chance schon erkannt und versucht gerade, sich als digitaler Plattformbetreiber für seine Kunden zu positionieren.

Firmenkunden sollen auch profitieren

Aber nicht nur für die Banken soll die neue automatisierte Lösung Vorteile bringen. Auch Unternehmen sollen im zweiten Schritt davon profitieren können, wirbt Serrala. Denn die Firmenkunden – egal ob Mittelständler oder Großunternehmen – könnten diese digitalisierte Plattform wiederum nutzen, um selbst eine optimale Anbindung an ihre eigenen Kunden und Lieferanten zu schaffen und sämtliche Prozesse rund um ein- und ausgehende Zahlungen automatisiert zu steuern.

Die Plattform soll dank offener Programmierschnittstellen (API) „einfach an bestehende Systeme sowie Drittanbieterlösungen der Firmenkunden“ angebunden werden können, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die Plattform unterstütze unterschiedlichste Zahlungsformate, sei flexibel und könne als private oder multi-mandantenfähige Cloud-Lösung oder als Managed Service genutzt werden. „Cloud ist die Zukunft“, ist Lindemann überzeugt und so verwundert es nicht, dass die Cloud eines der Fokusthemen von Serrala ist.

Serrala in Konkurrenz mit Bottomline und Sia

Mit dieser neuen Lösung setzt Serrala den in diesem Sommer verkündeten Plan in die Tat um. Im vergangenen Juni hatte der Softwarehersteller gegenüber DerTreasurer erklärt, die Banken als Absatzkanal für die eigenen Produkte erschließen zu wollen: „Wir werden den Banken unsere Cloud-Lösung als White-Label anbieten und stellen dafür gerade eine Vertriebsmannschaft zusammen“, sagte der Serrala-CEO damals.

Zudem konkurriert Serrala mit seiner neuesten Lösung stärker mit dem US-amerikanischen Zahlungsserviceprovider Bottomline Technologies und Sia, einem italienischen Spezialisten für Lösungen rund um die Zahlungsverkehrs-IT. Beide Anbieter hatten kürzlich jeweils eine neue Open-Banking-Lösung an den Markt gebracht, um die Banken beim digitalen Wandel des Zahlungsverkehrs zu unterstützen.

Paulus[at]derTreausrer.de

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