Aber kein Ersatz für Intermediäre

27.12.17 08:26

State Street: „Blockchain verändert Geschäftsmodelle“

Von Desiree Backhaus

Der Finanzdienstleister State Street ist an vielen Blockchain-Projekten beteiligt. Für den Durchbruch der Technologie müssen aber zunächst rechtliche Fragestellungen geklärt werden, glaubt der Technologieexperte Jörn Tobias.

iStock/Thinkstock/Getty Images

Vernetzung in Echtzeit - die Blockchain-Technologie macht es möglich.

Diverse Plattformen auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) stehen nach Angaben ihrer Betreiber kurz vor dem Start. Doch Experten bremsen: „Bis zu einer breiten kommerziellen Nutzung der Blockchain-Technologie im Finanzsektor werden noch drei bis fünf Jahre vergehen“, prognostiziert Jörn Tobias, Blockchain-Experte bei State Street in Deutschland. Dessen Stimme hat Gewicht, gehört State Street doch zu den sieben Finanzdienstleistern, die eine DLT-Plattform für Konsortialkredite aufbauen.

Tobias nennt zwei Gründe: „Zum einen sind viele regulatorische und rechtliche Rahmenbedingungen noch ungeklärt.“ Zum anderen würden derzeit zwar viele Prototypen gebaut. „Bis eine Plattform nach ihrer Live-Schaltung eine Durchdringung erreicht, die sie kommerziell relevant macht, vergehen aber Jahre“, glaubt der Experte.

Eigentumsübertragung in der Blockchain ungeklärt

Vor allem die Frage der rechtlichen Eigentumsübertragung ist entscheidend. Denn so lange unklar ist, ob und wie Wertpapiere über die Blockchain gehandelt werden können, ist der Vorteil DLT-basierter Plattformen begrenzt: „Dann wird lediglich der Informationsaustausch effizienter“, erklärt Tobias. Für die Abwicklung der Transaktion wird aber weiterhin die herkömmliche Infrastruktur benötigt, so wie etwa beim Blockchain-Schuldschein von Daimler und der Commercial-Paper-Transaktion von Commerzbank, KfW und Meag. 

Um das zu ändern, arbeiten Konsortien daran, Währungen und Wertpapiere in die digitale Welt zu übertragen. Ein Beispiel ist die Utility Settlement Coin (USC), die Ende 2018 auf den Markt kommen soll.

State Street nutzt Blockchain für interne Prozesse

Dieses Problem erklärt auch die Skepsis einiger Treasurer gegenüber der neuen Technologie. Das häufig gehörte Argument, dass die Blockchain lediglich Prozessverbesserungen mit sich brächte, die auch in der heutigen IT-Welt darstellbar seien, will Tobias aber nicht gelten lassen: „Das ist die falsche Einstellung, wenn man Fortschritte erzielen will.“

Zugleich glaubt er nicht daran, dass die neue Technologie Banken als Intermediäre ersetzen wird: „Auch künftig braucht es etwa Wertpapierdepots und Finanzdienstleister, die die Knotenpunkte der Infrastruktur betreiben“, meint Tobias, räumt aber ein: „Die Blockchain wird die Geschäftsmodelle der Finanzdienstleister verändern.“

State Street nutzt die Technologie zunächst intern - etwa um den Datenaustausch bei der Wertpapierleihe und -verwahrung („enhanced Custody“) zu verbessern. Ob Kostenvorteile entstehen, die man an Kunden weitergeben kann, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu beurteilen, sagt Tobias: „Für uns steht jetzt im Mittelpunkt, die Technologie zu verstehen.“

Backhaus[at]derTreasurer.de

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