Niedrigzinsphase soll bei Marktstart helfen

13.08.15 08:46

Supply Chain Finance: Taulia greift in Deutschland an

Von Desiree Backhaus

In den USA und Großbritannien zählt der Supply-Chain-Finance-Anbieter Taulia nach eigenen Angaben bereits 75 Großkonzerne zu seinen Kunden. Jetzt will das US-Start-up bei deutschen Treasurern reüssieren – und stößt dabei auf Konkurrenz.

Setzt auf Supply Chain Finance und Taulia: der US-Konzern CocaCola.

CocaCola

Setzt auf Supply Chain Finance und Taulia: der US-Konzern CocaCola.

Lieferanten früher bezahlen – dieses Konzept widerspricht jedem Lehrbuch zum Working Capital Management. Dennoch ist der Supply-Chain-Finance-Anbieter Taulia mit dieser Herangehensweise durchaus erfolgreich: „Rund 30 der insgesamt 75 Kunden, die unsere Plattform nutzen, verwenden ihr eigenes Cash, um Rechnungen früher zu begleichen“, sagt Mitgründer und Produktchef Markus Ament. Die anhaltende Niedrigzinsphase und mangelnde Alternativen machen es möglich, dass Unternehmen wie Coca Cola, Kellogg’s oder Vodafone ihre Lieferanten lieber früher bezahlen, um die Beziehung zu pflegen, Lieferketten zu sichern und Skonti auszunutzen.

Ament hat Taulia 2009 mit zwei weiteren Deutschen – Bertram Meyer und Philip Stehlik – im Silicon Valley gegründet. Nun geht es zurück zu den Wurzeln: Seit Anfang dieses Jahres wirbt der Supply-Chain-Finance-Anbieter in Deutschland um die Gunst von Treasurern. 15  Mitarbeiter sind derzeit in der deutschen Niederlassung in Düsseldorf beschäftigt, weitere Neueinstellungen sollen folgen. „Mit zwei großen deutschen Einzelhändlern führen wir bereits gute Gesprächen“, sagt Ament. Namen kann er allerdings noch nicht nennen.

Taulia will deutschen Treasurern Dynamic Discounting verkaufen

Grundlage der Taulia-Idee ist das sogenannten Dynamic Discounting: Je früher Coca Cola und Co. ihre Lieferanten bezahlen, desto höher fällt das ihnen eingeräumte Skonto aus, abzüglich einer Vermittlungsgebühr für Taulia. Die Lieferanten wiederum profitieren davon, dass ihre Rechnungen weniger lange offen bleiben und sie so ihr Working Capital optimieren. Die Transaktion erfolgt über eine Cloud-Plattform, die sowohl beim Kunden als auch bei den Lieferanten in das ERP-System integriert wird und damit laut Taulia einen vollautomatisierten Prozess ermöglicht.

Mit dieser auf Eigenmittel basierten Lieferantenfinanzierung ist Taulia 2009 an den Start gegangen. Seit rund drei Jahren bietet das US-Unternehmen aber auch eine Fremdkapitallösung an, bei man selbst als Zwischenfinanzierer auftritt: „Fragt ein Lieferant eine frühere Bezahlung zu einem bestimmten Termin an, kalkulieren wir einen Discount und zahlen den geminderten Betrag an den Lieferanten“, sagt Ament. Am Ende des Zahlungsziels – 60, 90 oder auch 120 Tage – zahlt der Kunde dann den Betrag an Taulia zuzüglich des eigenen Kreditrisikos über den Zeitraum, zu dem sich die Plattform das Geld leihen konnte, und einer Marge. Der kleine Lieferant finanziert die Forderungen also unter Zuhilfenahme der meist besseren Bonität des Großkonzerns.


In Zeiten steigender Zinsen, in denen das frühere Bezahlen aus Eigenmitteln wieder an Attraktivität verliert, soll diese Lösung das Geschäftsmodell von Taulia sichern.

Supply Chain Finance: Taulia konkurriert mit CRX Markets

Taulia ist nicht der einzige Supply-Chain-Finance-Anbieter, der derzeit um deutsche Kunden buhlt. Mit CRX Markets ist kürzlich eine weitere Handelsplattform zur Finanzierung von Lieferantenforderungen an Start gegangen und kann mit der Lufthansa bereits den ersten Referenzkunden vorweisen.

Welche Vorteile sieht Ament gegenüber dem deutschen Wettbewerber? „Unsere Lösung ist bereits seit sechs Jahren am Markt erprobt – damit haben wir sowohl IT-seitig als auch bei der Regulatorik einen Vorsprung“, sagt Mitgründer. Die (steuer)rechtlichen Anforderungen an Discounting-Lösungen seien komplex. Zudem habe Taulia für US- und UK-Konzerne auch in Deutschland bereits mehrere tausend Lieferanten auf die Plattform aufgesetzt. „Das hilft uns nun in den Gesprächen mit deutschen Kunden.“

Weniger hilfreich dürfte dagegen der US-Sitz von Taulia sein. Das Thema Datensicherheit spielt hierzulande eine große Rolle. Insbesondere nach der die NSA-Affäre ist die Verunsicherung gegenüber US-Anbietern gewachsen. Ament betont deshalb, dass die Taulia-Server für deutsche Kunden auch in Deutschland stehen.

Backhaus[at]derTreasurer.de