Im Kampf gegen Finanzkriminalität nehmen die KYC-Anforderungen an die Banken zu.

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16.12.19
Software & IT

Swift öffnet KYC-Plattform für Firmenkunden

Es ist soweit: Der Finanznachrichtendienstleister Swift schaltet sein KYC-Register für Firmenkunden scharf. Als Pilotkunden sind unter anderem Siemens, BMW und die Deutsche Post dabei – und die bisher noch offene Frage des Pricings ist geklärt.

Im Bereich Know-Your-Customer gibt es Bewegung: Die Bankgenossenschaft Swift will ihr Register für KYC-relevante Firmenkundendaten noch in diesem Jahr offiziell an den Start bringen. Ab dem 27. Dezember werden alle Unternehmen, die über einen Swift-Anschluss in ihrer Gruppe verfügen, grundsätzlich Zugang zu dem webbasierten Register haben. Das erklärten Swift-Vertreter im Gespräch mit DerTreasurer.

Derzeit läuft die sogenannte Early-Adopter-Phase: „Wir haben bereits 35 Unternehmensgruppen auf der Plattform, die damit begonnen haben, die standardisierten Datenfelder zu befüllen“, berichtet Sebastian Niemeyer, der bei Swift für das Partnermanagement zuständig ist. Zu den Unternehmen, die als Piloten agieren, zählten etwa Siemens, BMW und die Deutsche Post.

KYC-Plattform: Im Korrespondenzbankgeschäft bewährt

Swift hatte bereits im Februar dieses Jahres angekündigt, ein zentrales Register für KYC-relevante Firmenkundendaten aufbauen zu wollen. Grundlage dafür ist eine Plattform, über die Banken die Profile ihrer Korrespondenzbanken abrufen können, die Swift schon seit 2014 betreibt. Diese Datenbank wird nun auf das Firmenkundengeschäft erweitert. Das erklärte Ziel: Der KYC- und Kontoeröffnungsprozess soll für Banken und Unternehmen deutlich effizienter werden.

Swift hat bereits 2018 damit begonnen, ein Dokumentenset zu definieren, das als gemeinsame Basis für den KYC-Prozess dienen soll. An der Entwicklung dieses Mindeststandards waren zunächst 16 globale Transaktionsbanken beteiligt – darunter die Deutsche Bank, HSBC, BNP Paribas, Citi, die Commerzbank und Société Générale. Im Laufe dieses Jahres kamen mit dem Start der offiziellen KYC for Corporates Working Group dann 19 Corporates dazu.

Das nach zähem Ringen definierte Datenset decke nun etwa 80 Prozent der KYC-Anforderungen der Banken ab, berichtet Swift-Spezialist Niemeyer: „Es wird aber stetig weiterentwickelt.“ Die darüber hinaus notwendigen Informationen müssen die Unternehmen ihren Banken weiterhin bilateral zur Verfügung stellen. Ab dem zweiten Quartal 2020 soll dieser Datenaustausch allerdings ebenfalls elektronisch über die Plattform möglich sein, erklärt Niemeyer: „Dann kann der KYC-Prozess komplett über die Plattform erfolgen.“

Unternehmen können KYC-Register kostenfrei nutzen

Parallel zu den Verhandlungen über die für den KYC-Prozess notwendigen Daten, hat Swift in den vergangenen Monaten auch die heikle Frage des Pricings gelöst. Die gute Nachricht für Unternehmen: „Für sie ist die Basis-Leistung, also der Upload ihrer Daten, kostenfrei“, berichtet Niemeyer. „Die Bank zahlt für die Abrufe der Profile.“

„Für die Unternehmen ist der Upload der Daten kostenfrei.“

Sebastian Niemeyer, Swift

Allerdings ist geplant, dass Swift künftig Zusatzdienste für Unternehmen anbieten wird. So könnte der Dienstleister Daten für die Treasury-Abteilungen vorausausfüllen, etwa auf Basis offizieller Register.

Für solche Angebote werde man auch Gebühren von den Unternehmen berechnen, erklärt Ralf Klein, der als Senior Account Director Corporate bei Swift die deutschen Firmenkunden des Finanznachrichtendienstleisters betreut. Er betont allerdings: „Als Genossenschaft müssen wir nur kostendeckend arbeiten, Gewinnmaximierung streben wir nicht an.“

Swift will Reichweite der Plattform ausbauen

Bevor solche Mehrwertdienstleistungen angeboten werden, haben andere Pläne jedoch Vorrang. So will Swift nun zunächst die Reichweite der Plattform ausbauen und Corporate Treasurer vom Mehrwert der Lösung überzeugen. Ein entscheidendes Argument dabei: „Wir haben bereits 5.000 Banken auf der Plattform, die das Register für ihr Korrespondentbankgeschäft nutzen“, sagt Niemeyer. „Diese Kreditinstitute – und perspektivisch andere Unternehmen im Rahmen der Lieferantenbeziehung – haben auch Zugriff auf Corporate-Profile, sofern die Unternehmen das freigeben.“

Zunächst werden nur Unternehmen, die über mindestens einen Swift-Zugang in der Gruppe verfügen, Zugriff auf die Plattform haben. Doch geplant ist, dass künftig auch andere Firmen das Register nutzen können.

Zudem will Swift die Lösung auch unter den Regulierungsbehörden bekanntmachen. Im kommenden Jahr soll deshalb die Ansprache der Regulatoren in den wichtigsten Märkten der Plattform beginnen – dazu zählen neben Deutschland auch Frankreich, die Benelux-Staaten, Schweiz, USA und Singapur.

Ebenfalls geplant ist, das Dokumentenset mit Blick auf die Unternehmensprofile zu „modularisieren“, denn für Kapitalgesellschaften gelten beispielsweise andere KYC-Vorgaben als für Stiftungs- oder Personengesellschaften. Die Pläne der Genossenschaft sind also ehrgeizig. Entscheidend dürfte nun sein, wie Unternehmen auf den Start der Plattform reagieren, und ob sie den KYC-Prozess wirklich erleichtert.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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