KPMG

25.11.19
Software & IT

Was BASF und die Telekom über Digitalisierung im Treasury denken

Das BASF-Treasury will Entscheidungen automatisieren, bei der Telekom glaubt man derweil nicht an eine Disruption im Treasury. Beide Dax-Konzerne suchen aber neue Mitarbeitertypen für das Treasury.

Wie verändert die Digitalisierung das Arbeiten im Treasury? Über diese Frage wurde beim Digital Treasury Summit von KPMG im Oktober leidenschaftlich debattiert. Werden neuen Technologien in den kommenden Jahren zu einer echten Disruption führen oder schreibt das Treasury vielmehr die vor Jahren begonnene Automatisierung fort? David Hoeren aus dem Treasury der Deutschen Telekom glaubt an Letzteres: „80 Prozent dessen, was wir heute als Digitalisierung bezeichnen, haben wir früher Automatisierung genannt“, erklärt der Treasury Manager auf dem Podium. „Wir haben es mit einer evolutionären Entwicklung zu tun.“

Josef Lüth, Digital Transformation Manager im BASF-Treasury, sieht das anders: „Wir werden in 10 Jahren substanziell anders arbeiten als heute“, ist der Wirtschaftsingenieur überzeugt. Lüth hat bereits einige Digitalisierungsprojekte in der Finanzabteilung des Chemiekonzerns begleitet. Dazu gehört etwa die automatisierte Ermittlung von Kundenkreditrisiken sowie die Einführung von Predictive Analytics in der Liquiditätsplanung.

„In beiden Bereichen greifen Mitarbeiter heute deutlich weniger ein als früher. Es geht dort vor allem noch um konzeptionelle Gestaltung des strategischen Ansatzes sowie der Methoden und Systeme.“ Daher ist Lüth überzeugt: „Die Arbeitsplätze im Treasury werden in Zukunft noch produktiver und spannender sein.“

„Wir werden in 10 Jahren substanziell anders arbeiten als heute.“

Josef Lüth, Digital Transformation Manager im BASF-Treasury

Braucht Digitalisierung einen Business Case?

Bei BASF treibt man das Ziel der „Entscheidungsautomatisierung“, wie Lüth es nennt, konsequent voran. Im Fokus stehen dabei sowohl Effizienz- als auch Effektivitätsgewinne: „Wenn weniger als drei Mitarbeiter ein Tool nutzen würden, lohnt sich der finanzielle Aufwand für eine Lösungsentwicklung und -einführung oft nicht.“ Daher sei es bei dem BASF-Treasury beispielsweise nicht zielführend, große finanzielle Aufwände in die Automatisierung des Treasury-Reporting zu stecken, da dort nur sehr wenige Personentage pro Monat aufgewendet würden. „Wir brauchen immer einen Business Case – und auch bessere Entscheidungsfindungen kann man quantifizieren“, meint Lüth.

Bei der Telekom klingt das zurückhaltender: „Jedes Digitalisierungsprojekt braucht einen Case, aber ein Business Case muss es nicht sein“, sagt David Hoeren und nennt ein Beispiel: „Es ist schwierig, die finanziellen Vorteile von mehr Sicherheit im Zahlungsverkehr zu quantifizieren. Wir glauben aber, dass Sicherheit und Compliance einen Wert an sich darstellen.“

Der Bonner Dax-Konzern wird nach Angaben von David Hoeren noch etwa „ein, zwei Jahre damit befasst sein, eine nahezu vollständige Backend-Automatisierung im Treasury“ herbeizuführen. Sobald diese abgeschlossen und eine einheitliche Datenbasis geschaffen sei, könne die bereits begonnene Einführung von Analytics-Strukturen ihren vollen Nutzen entfalten, so der Treasurer. „Diese werden uns helfen, bessere Entscheidungen zu treffen.“

Informatikkenntnisse im Treasury werden wichtiger

Einig sind sich die Vertreter der beiden Großkonzerne in einer anderen Frage: Es wird künftig neue Mitarbeitertypen im Treasury brauchen, vor allem Informatikkenntnisse werden wichtiger. So hat etwa die Telekom jüngst eine Mathematikerin eingestellt, die bei der Programmierung von Systemen helfen soll.

Allerdings ist es nicht einfach, Mitarbeiter mit IT-Fähigkeiten für Finanzthemen zu begeistern und sie im Team zu halten. Schließlich werden solche Mitarbeiter auch in anderen Bereichen händeringend gesucht. „Oft sind Wirtschaftsinformatiker oder -ingenieure attraktive Kandidaten“, berichtet Lüth. Diese brächten in der Regel neben Technik- auch eine Finanzaffinität mit.

backhaus[at]derTreasurer.de

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