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26.10.18
Software & IT

Wie visionär sind Treasurer?

Spezialisten diskutieren bei einer KPMG-Veranstaltung über die Zukunft des Treasury. Neue Technologien wie Robotic Process Automation und künstliche Intelligenz sind Teil der Vision.

Digitalisierung ist derzeit das Megathema: Viele Treasurer spüren den Druck des Managements, ihre Abteilung weiter zu automatisieren und dabei neue Technologien einzusetzen. Manch ein Treasury-Chef sieht darin auch eine Chance, sich im Konzern als innovativer Vorreiter zu positionieren. Strategische Vision und operative Umsetzung klaffen dabei aber zum Teil weit auseinander. Das zeigte auch der Digital Treasury Summit, den die Beratung KPMG vergangene Woche am Frankfurter Flughafen veranstaltete.

„Im Fokus der heutigen Projekte steht die Weiterentwicklung traditioneller Prozesse“, meint Martin Bellin, Chef des gleichnamigen Systemhauses, und fragt: „Warum sind viele nicht in der Lage, außerhalb bestehender Systeme zu denken?“

Bellin nennt drei Gründe: Erstens müsse das Management bereit sein, sich von der nachfolgenden Generation – den vielzitierten Digital Natives – unterrichten zu lassen. Zweitens überwiege in Deutschland oft die Angst vor dem Missbrauch einer Technologie gegenüber den Chancen eines neuen Ansatzes. Als Beispiel nennt Bellin Apps zur Autorisierung von Zahlungen. Drittens ließen Prozesse und Compliance-Vorgaben in Unternehmen häufig kein Ausprobieren zu: „Das muss sich ändern: besser Fehler machen als nichts machen“, lautete der Appell des Softwarespezialisten an die anwesenden Treasurer.

Heraeus-Treasury nutzt schon Robotic Process Automation

Ein Unternehmen, das etwas unternimmt, ist Heraeus: Rainer Hofmann, der bei dem Hanauer Familienunternehmen für das Thema Robotic Process Automation (RPA) zuständig ist, präsentierte im Rahmen der Veranstaltung, wie Heraeus die neue Technologie einsetzt. Der Edelmetall- und Technologiekonzern hat zehn Finanzprozesse definiert, die er nun mit Hilfe von Robotics automatisiert. Einige Anwendungen sind schon im Live-Betrieb.

Einer dieser Prozesse ist die im Treasury angesiedelte Finanzdisposition: So hat Heraeus mit Hilfe eines externen Dienstleisters einen Software-Roboter programmiert, der innerhalb von einer Stunde aus allen relevanten Systemen Daten einsammelt, verarbeitet und den Tagesfinanzstatus anzeigt. Die Disposition übernimmt am Ende zwar noch ein Treasury-Mitarbeiter, alle Vorarbeiten erledigt aber die Maschine.

„Roboter liefern vor allem dann einen Mehrwert, wenn es um Schnittstellen geht“, glaubt Hofmann. „Wenn nur ein System betroffen ist, dann sollte man innerhalb des Systems automatisieren.“ Im nächsten Schritt will Heraeus nun mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auch unstrukturierte Daten – also etwa E-Mail-Texte – verarbeiten können.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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