Convista

17.04.20
Software & IT

Coronakrise: Was bringen die TMS-Aktionen?

Bellin, Trinity und Co. stellen ihre Cash-Management-Tools wegen der Coronakrise teils kostenlos zur Verfügung. Das sei „gut gemeint“, sagt Treasury-Berater Christian Million. Doch profitieren dürften nur wenige Unternehmen.

Zahlreiche TMS-Anbieter haben angekündigt, ihre Cash-Management-Anwendungen wegen der Coronakrise für eine gewisse Zeit kostenlos anzubieten. Die Softwarehersteller überbieten sich geradezu, wenn es darum geht, wie schnell solche Tools aus der Ferne implementiert werden können. Doch hilft das den von der Coronakrise betroffenen Firmen tatsächlich, um ihr Cash Management kurzfristig zu verbessern und um mehr Transparenz über die künftig benötigte Liquidität zu erhalten?

Eher nicht, meint Christian Million, Treasury-Experte und Partner bei der IT-Beratung Convista: „Die Ankündigungen sind gut gemeint. Allerdings dürften nur die Unternehmen davon profitieren, die ohnehin geplant hatten, ein Liquiditätstool einzuführen.“ Denn das Unternehmen muss auch intern Mitarbeiter für die Einführung der Systeme abstellen.

Bei vielen von der Coronakrise betroffenen Firmen liegen die Prioritäten allerdings woanders: Während sich die Finanzabteilungen darum kümmern, frische Mittel zu beschaffen, haben IT-Abteilungen mit der Umsetzung von Home-Office-Vorgaben zu kämpfen. Hinzu kommt laut Berater Million: „Einige Unternehmen wollen derzeit auch aus Sicherheitsgründen keine Änderungen an ihren Systemen vornehmen.“

Zudem bilde ein „solides Cash-Management-System“ die Basis für jede Planungssoftware, so der Berater. Zwar bieten einige Anbieter auch Systeme zur Erfassung des Tagesfinanzstatus auf der Basis von Kontoständen kostenlos an. Doch auch hier gilt: Die Anwendungen müssten mit allen Bankkonten verknüpft werden, was ebenfalls Zeit koste. „Nun rächt sich, dass einige Unternehmen ihre Hausaufgaben nach der Finanzkrise nicht erledigt haben", meint Million. „Es gibt immer noch zu viele Firmen, die keinen Überblick über das globale Cash Management haben."

Das liege auch daran, dass Liquidität bis vor kurzem in vielen Firmen noch „en masse" vorhanden war. Die Vermeidung von Negativzinsen war für viele Unternehmen allerdings kein Anlass, um in Systeme zur verbesserten Liquiditätssteuerung zu investieren. Diese Versäumnisse könne man nun nicht innerhalb weniger Tage aufholen, so Million: „Ein paar Wochen Vorlauf braucht es für IT-Projekte schon." Wichtig sei allerdings anzufangen: „Mehrmonatige Konzeptionsphasen sind nicht sinnvoll."

Dennoch sind die Angebote von Bellin, Trinity und Co. für einige Unternehmen hilfreich. Andere sollten sich spätestens dann mit der Anschaffung eines Systems auseinandersetzen, wenn die heftigste Krisenphase überstanden ist.

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