SAP ist für immer mehr Treasurer relevant geworden.

photon_photo - stock.adobe.com

12.12.23
Software & IT

SAP: „Wir wollen die Einstiegshürden senken“

SAP spielt ganz vorne mit bei Treasury-Systemen. Das war nicht immer so. Christian Mnich verrät, was der Softwarekonzern im Treasury-Bereich plant.

SAP ist für Treasurer laut Umfragen dieser Publikation zuletzt deutlich attraktiver geworden. Während früher spezialisierte TMS-Anbieter beliebter waren, hat sich inzwischen der Wind gedreht. Zuletzt hätten sich viele neuere Unternehmen aus dem Tech-Bereich und dem E-Commerce für SAP entschieden, wie zum Beispiel der Essenlieferdienst Delivery Hero oder der Modehändler Zalando, berichtet Christian Mnich, Head of Solution Management Treasury and Working Capital Management von SAP.

Was sind die Hauptgründe? „Letztlich liegen sehr viele Daten in ERP-Systemen, die auch Treasurer benötigen“, sagt er. Er glaubt, dass die Anforderungen an das Cash- und Treasury-Management in den vergangenen fünf Jahren „breiter“ geworden seien. Deshalb seien viele Treasurer, deren Unternehmen bereits ein SAP-ERP im Einsatz haben, offener für eine Nutzung von SAPs Treasury-Modul. Besonders aus CFO-Sicht biete die Einbindung einen Mehrwert, gerade mit Blick auf die Liquiditätsplanung und das Working Capital, weil der direkte Zugriff auf Rechnungsinformationen auch der Cashflow-Betrachtung nutzen.

Unternehmen entscheiden sich für eine SAP-Strategie

Besonders im Vergleich zu früheren Versionen des ERP-Systems, wie R3 und ECC 6.0 b, hat sich bei SAP S/4 Hana Look & Feel des Frontends verbessert, bestätigen Nutzer gegenüber DerTreasurer. Die Wege zum SAP-Treasury sind aber unterschiedlich. „Viele Unternehmen haben sich schon vor Jahren generell für eine SAP-Strategie entschieden“, so Mnich. „Die wollen wir von den Cash- und Treasury-Modulen überzeugen.“ Manche Unternehmen würden zweigleisig fahren und Treasury als „isoliertes Projekt“ neben dem allgemeinen ERP behandeln, damit die Treasury-Abteilung in gewisser Weise die Kontrolle behalte. Bei wiederum anderen führe der Treasury-Bereich zuerst das Treasury- und Cash-Modul ein, wie zum Beispiel bei Alphabet/Google.

Allerdings ist SAP nicht in allen Treasury-Bereichen aktiv. Andere für Treasurer relevante Systeme könnten beispielsweise über APIs angedockt werden. „Wir sind sehr daran interessiert, Verbindungen mit den Ökosystemen herzustellen, die komplementär zu unserem sind“, sagt Mnich. In Frage kämen FX- und Geldmarkthandelsplattformen, Supply-Chain-Finance-Anbieter (hier hat SAP mit Taulia seit Anfang 2022 ein eigenes Angebot) oder auch Datenanbieter. Hinzu kommen auch Banken, das Finanzdatennetzwerk Swift oder Payment Service Provider.

Vergleichbare Anbieter ähnlich teuer

„Eine Payment Factory auf einem anderen System macht meines Erachtens keinen Sinn. So kann man nicht den ganzen Mehrwert von SAP heben, dann wird es holprig“, so Mnich. Zum Beispiel weil Prozesse dupliziert werden müssten, die ohnehin auf dem ERP-System laufen (zum Beispiel Kontoauszüge und Stammdaten). Auch Reporting, wo Unternehmen teils andere Systeme im Einsatz haben, hat  SAP mit der SAP Analytics Cloud nachgelegt. „Hier sind wir nicht mehr so starr wie früher“, betont Mnich.

Ein Punkt, weshalb Unternehmen vor SAP zurückschrecken, sind die relativ hohen Kosten. Mnich argumentiert, dass vergleichbare Angebote ähnlich teuer seien. Speziell beim Cloud-ERP-System „Rise Premium“ bietet SAP kostenlose Nutzungsmöglichkeiten an. „Wir wollen damit die Einstiegshürden senken“, sagt Mnich.

Dentz[at]derTreasurer.de