Stéphanie Kliner ist die neue starke Frau beim TMS-Anbieter Litreca.

Litreca

05.05.22
Software & IT

„Die Verträge bleiben eins zu eins bestehen“

Litreca-Vorständin Stéphanie Kliner spricht mit DerTreasurer über den neuen Großaktionär Main Capital Partners und die künftige Aufstellung des TMS-Anbieters.

Frau Kliner, Sie sind seit kurzem Vorständin von Litreca und sollen nun nach der Übernahme durch Main Capital Partners die Integration in die Enventa Group verantworten. Wie kam es zu dem Deal?
Es handelt sich ganz klassisch um eine Nachfolgeregelung. Unsere bisherigen Hauptaktionäre waren als Gründer von Anfang an im Unternehmen engagiert und auch lange im Management. Das hat sich mit der Zeit dezimiert, zuletzt war nur noch Jürgen Hamann als Vorstandsvorsitzender dabei, der sich auch zurückziehen wollte und Anfang des Jahres aus dem Vorstand ausgeschieden ist. Im Dezember vergangenen Jahres haben wir deswegen einen ausgiebigen Investorenprozess eingeleitet.

Main soll eher strategisch denken

Der Zuschlag ging letztlich an Main Capital Partners und somit an einen Finanzinvestor. Warum?
Auch wenn es ein Finanzinvestor ist, sehen wir Main Capital Partners ein Stück weit als strategischen Investor. Gerade in einem eigentümergeführten Prozess macht das Bauchgefühl sehr viel aus. Die Gespräche mit Main Capital Partners waren immer auf Augenhöhe, vor allem kulturell passen wir gut zueinander.

Wie meinen Sie das?
Es geht natürlich um viel Geld, aber es ging unseren bisherigen Gesellschaftern auch darum, Litreca in gute Hände zu geben. Die Litreca-Gründer haben das Unternehmen lange aufgebaut, für sie ist es kein Finanzinvestment. Es geht auch um die Menschen, die hier arbeiten und auch in Zukunft bleiben sollen. Main Capital Partners war im Umgang sehr respektvoll und hatte anderen Investoren in dieser Hinsicht einiges voraus. Dazu gehört, dass unsere Standorte in Neumünster und Norderstedt erhalten bleiben.

Bellin gehört seit einiger Zeit zu dem US-Konzern Coupa, die ebenfalls aus den Vereinigten Staaten kommenden Anbieter Kyriba und FIS drängen auf den deutschen Markt. Auch die Hamburger Serrala gehört zu einem Finanzinvestor. Wäre es für Litreca aufgrund der finanziellen Firepower der Konkurrenz ohne diesen Deal schwieriger geworden?
Ja, das spielt natürlich auch eine Rolle. Unser Geschäft lief zuletzt trotz der Pandemie zwar gut. Das hat auch die interessierten Investoren überzeugt. Ab einer gewissen Größe muss man jedoch überlegen, was mache ich? Kaufe ich selbst dazu, werde ich gekauft, oder fusioniere ich mit anderen Unternehmen? Meine Beobachtung ist: Der Markt verlangt eine gewisse Größe und ein gewisses Standing. Dafür braucht man auch Kapital. Durch den Deal haben wir einfach mehr Möglichkeiten.

Was ändert sich für Litreca-Kunden?

Können Sie die gute Entwicklung des Geschäfts exemplarisch mit ein paar Zahlen belegen?
Nein, Geschäftszahlen möchten wir aktuell nicht nennen.

Die Integration von Litreca mit den drei weiteren deutschen Softwarehäusern Aruba, Nissen & Velten und Texdata in die Enventa-Gruppe wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich.

Main hat über diese Vision von Beginn an offen mit uns kommuniziert. Auch mit Aruba, Nissen & Velten und Texdata scheint die Chemie zu stimmen. Litreca-Kunden profitieren nun von einer größeren Entwicklungskraft, wir haben zum Beispiel ein Business Intelligence Tool in der Gruppe und müssen Know-how nicht mehr extern einkaufen. Für ein neues BI-Modul in unserer Software soll es bald schon einen Prototyp geben.

Was ändert sich denn durch die Integration für Litreca-Kunden? Bleibt die Marke und das Unternehmen eigenständig?
Wir als Litreca AG bleiben in unseren Entscheidungen im Wesentlichen eigenständig, müssen uns aber künftig natürlich mit unseren Schwesterunternehmen abstimmen. Wir hoffen zudem auf Synergieeffekte. Der eine Teil der Enventa Group kann besser Cloud, der andere BI, wir können Treasury. Wir sind als Gruppe heterogen aufgestellt, können aber trotzdem gut voneinander profitieren.

Werden sich die Preise für Kunden von Litreca durch den M&A-Deal ändern?
Nein, die vorhandenen Verträge bleiben eins zu eins bestehen, ebenso wie die Preise. Wir sind preislich von SAP getrieben, davon können wir uns nicht einfach lösen. Für unsere Kunden ändert sich nichts.

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