Technologie ist für Treasurer unerlässlich. SAP, ION und Coupa werden am häufigsten eingesetzt.

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01.12.23
Software & IT

Treasury-Tech: SAP setzt sich an der Spitze fest

Das Walldorfer Softwareanbieter wird im neuesten Treasurer-Panel am häufigsten als Treasury-Software-Anbieter genannt. Die Befragung ist zwar nicht repräsentativ, bestätigt aber einen längeren Trend.

Im Treasury-Softwaremarkt machen weiter Fusionen und Übernahmen von sich reden. Lucanet ist kürzlich beim Zahlungsanbieter Ementexx eingestiegen und positioniert sich damit neu im Treasury-Bereich. Vor zwei Jahren hat Nomentia bereits den Anbieter Tipco gekauft. Und der ehemalige TMS-Platzhirsch Bellin wurde 2021 vom US-Anbieter Coupa übernommen. Inzwischen gibt es kaum mehr einen Anbieter, der nicht einen oder mehrere M&A-Deals hinter sich hat.

Diese Entwicklungen sind für die Treasury-Abteilungen hochrelevant: Wie das aktuelle Treasurer-Panel von DerTreasurer unter 55 Treasurern zeigt, nutzen immerhin 90 Prozent der Befragten inzwischen ein Treasury Management System. Viele Unternehmen aus dem gehobenen Mittelstand,- die Konzerne sowieso, haben sich in den vergangenen Jahren weiter digitalisiert und setzen explizit auf ein TMS. Potential sehen Anbieter deshalb vor allem im kleineren Mittelstand. Dort ist vielfach noch Excel das beliebteste Treasury Tool. Diese Zielgruppe war aber nicht Teil der DerTreasurer-Umfrage.

SAP, ION und Coupa auf dem Treppchen

Bei der Frage, welcher Softwareanbieter genutzt wird, liegt im Panel SAP  vorne. Die Befragung hat zwar keinen repräsentativen Charakter, entspricht aber dem Trend der vergangenen Jahre: Bereits 2022 hatte sich SAP im Treasurer-Panel an die Spitze der Tech-Anbieter im Treasury gesetzt. An zweiter Stelle steht diesmal die Ion Group, die viele verschiedene Treasury-Systeme für Unternehmen in petto hat – von Wallstreet Systems, das zahlreiche Dax-Unternehmen nutzen, über ITS des ehemaligen österreichischen Platzhirsches Ecofinance bis hin zu IT2. 

Auf Platz 3 rangiert Coupa, das vor zwei Jahren Bellin, den damaligen lokalen Platzhirschen im TMS-Bereich, übernommen hat. Coupa bleibt also im Spiel, die Kunden sind jedoch vorsichtig. „Die Entwicklungen bei Coupa muss man beobachten“, schreibt ein Befragter und verweist auf die schwierige Situation durch die „verpflichtende Migration in die AWS Cloud“. Weitere Anbieter, die genutzt werden, sind Omikron, TIS, Nomentia, FIS oder Technosis.

SAP deutlich beliebter geworden

SAP war lange bei Treasurern wenig beliebt. „Look and Feel“ war dafür früher ein häufig genannter Grund. Das hat sich inzwischen geändert, weil die Walldorfer nachgebessert haben und weil Unternehmen – speziell die größeren – gern auf eine einheitliche Plattform im Finanzbereich setzen und nicht für jeden Bereich eigene Lösungen implementieren wollen. „Nach der Migration zu S/4 Hana ist ein Wechsel des Treasury-Systems zu SAP geplant“, schreibt einer der Befragten etwa. Ein anderer gibt zu Protokoll: „Mittelfristig ist eine Umstellung auf SAP Treasury in Kombination mit TIP geplant.“ TIP ist ein System, das inzwischen zu Nomentia gehört.

Außerdem dürften den Walldorfern die zahlreichen Fusionen unter den spezialisierten TMS-Anbietern in die Karten spielen. "Bei dem ganzen Durcheinander auf dem TMS-Anbietermarkt kann man es den Unternehmen doch nicht verdenken, wenn sie den scheinbar sicheren Player SAP nehmen", kommentiert ein langjähriger Treasury-Spezialist.

„Bei dem Durcheinander auf dem TMS-Markt verwundert es nicht, dass Unternehmen auf SAP setzen.“

SAP plant Kosten-Coup

Nach Informationen von DerTreasurer plant SAP dabei einen besonderen Coup. Die Walldorfer wollen das eigene Cash Management Tool im Rahmen des Rise Premium Plus Paket (Cloud-Version) zu „sehr attraktiven Konditionen“ anbieten. Damit greift das Softwareunternehmen noch mal intensiver im TMS-Markt an, der sich auch deshalb in den vergangenen 30 Jahren herausgebildet hat, weil große IT-Provider dieses Nischensegment nicht besetzen wollten.

Doch auch die unabhängigen Anbieter können Neukunden locken: Immerhin acht der Befragten, also fast 15 Prozent, wollen ihr System in den kommenden zwölf Monaten wechseln. Dabei wählen jeweils zwei Befragte die Lösungen von SAP, Coupa oder Cops. Je einmal genannt werden TIS, Nomentia und Reval (Ion Group).

Den Artikel finden Sie auch im E-Magazin 21/2023.

Dentz[at]derTreasurer.de

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