SAP etabliert sich immer mehr im Markt für TMS.

mariakray – stock.adobe.com

14.02.23
Software & IT

Warum SAP jetzt im Treasury durchstartet

SAP S/4 Hana bringt Unternehmen vermehrt dazu, ihre Systemlandschaft zu überdenken. Das hat auch Christian Million von Convista beobachtet.

SAP hat laut dem vergangenen Treasurer-Panel aus dem Herbst 2022 deutlich an Marktanteilen bei Treasurern gewonnen. Immerhin gaben 23 von 58 Antwortgebern (39,7 Prozent) in der Umfrage an, das SAP-System auch für ihr Treasury zu nutzen. In der vorhergehenden Umfrage aus 2020 waren es lediglich 22 Prozent gewesen.

Auch wenn die Zahlen wegen der geringen Fallzahl mit Vorsicht zu genießen sind, zeigen sie, dass die Walldorfer inzwischen eine gewichtige Rolle im Reigen der Treasury-System-Anbieter spielen - und das obwohl sich Treasurer lange wegen des als nicht ideal empfundenen „Look & Feel“ dagegen gewehrt haben. Außerdem schreckten einige die vergleichsweise hohen Kosten von SAP ab. Was führt zum Umdenken in der Treasury-Community?

Unternehmen wollen Systemwildwuchs verringern

„Gerade wegen der SAP S/4 Hana-Umstellung überlegen viele Unternehmen, wie sie sich im Treasury-Bereich aufstellen“, sagt Christian Million, Managing Partner bei der Beratung Convista. Bis 2027 sollen alle SAP-Kunden auf die neue Plattform S/4 Hana umstellen. Mit S/4 Hana habe SAP speziell auch die Treasury-Funktionalitäten gestärkt.

„Die Unternehmen wollen dabei den Wildwuchs an Systemen verringern“, hat Million beobachtet. Viele nutzten SAP ECC für die Buchhaltung, bezögen Daten von Refinitiv, nutzten 360T für das FX Management und SAP-Add-ons von Serrala bis hin zu Coupa für das Invoice-Matching. „Deshalb stellen sich Treasurer vermehrt die Frage: Wie soll das Zielbild im Systembereich aussehen?“, sagt Million.

SAP hat Treasury-Standard verbessert

Er glaubt, dass es inzwischen weniger Gründe für Spezialsoftware gebe, viele kämen mit dem SAP-Standard gut zurecht. „Das war in der Vergangenheit nicht so – da hatten andere Tools eine stärkere Berechtigung“, meint Million. Zudem habe sich SAP in den vergangenen Jahren für andere Systeme stärker geöffnet. „Der Kern ist stabil, aber man kann weitere Systeme anflanschen“, sagt Million. Dazu zähle auch Multi Bank Connectivity (früher: Financial Service Network).

Allerdings ist die Hana-Einführung ein Mammutprojekt. „Vor dem Projekt muss man Respekt haben. Es lässt sich nicht von heute auf morgen umsetzen“, sagt Million. Zudem seien die Kosten weiterhin ein wichtiger Faktor, weswegen sich Unternehmen gegen die Software entschieden.

Convista selbst war bei Gründung stark auf SAP-Projekte spezialisiert – inzwischen arbeitet die Beratung, die gerade ein Rebranding vollzogen hat, auch mit anderen Tech-Häusern wie Coupa, Serrala, Cloudshore oder Finlync zusammen.

Dentz[at]derTreasurer.de