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19.02.20

Die virtuelle Zukunft

Virtuelle Konten bieten dem Treasury viele Vorteile. Unternehmen sollten einige Aspekte beachten, bevor sie diese einführen.

Das Konzept der virtuellen Konten gewinnt bei Unternehmen an Relevanz, denn sie passen gut zu den aktuellen Bestrebungen vieler Treasury-Abteilungen, ihr globales Cash Management weiter zu zentralisieren und zu rationalisieren. Der Ansatz ermöglicht es Unternehmen, jeder Tochtergesellschaft oder jedem Geschäftspartner eine virtuelle IBAN zuzuweisen und diese dann alle mit einem realen Bankkonto zu verknüpfen. In der Konsequenz bedeutet das: Treasurer können von nur einem Konto aus Eingangs- und Ausgangszahlungen in verschiedenen Währungen und über verschiedene Länder hinweg tätigen. Das gilt für sämtliche Zahlarten, also sowohl für Massen- als auch für Großbetragszahlungen, für inländische aber auch für grenzüberschreitende Zahlungen.

Damit können Unternehmen die Zahl ihrer physischen Bankkonten drastisch reduzieren. Das hat viele finanzielle und auch nichtfinanzielle Vorteile: Erstens fallen weniger Kosten im Zahlungsverkehr an. Zweitens kann der Aufwand, der mit der Kontoführung verbunden ist, deutlich reduziert werden, wenn Zahlungsströme über eine geringere Anzahl von Bankkonten als vorher abgewickelt werden. Drittens adressieren Firmen das Betrugsrisiko: Da das Treasury einen besseren Überblick über die Liquiditätsströme hat, wird es für Betrüger schwieriger, eine Angriffsfläche zu finden.

Darüber hinaus gibt es auch strategische Argumente, die für virtuelle Konten sprechen: So ist absehbar, dass Unternehmen als Folge der zunehmenden Verbreitung von Instant Payments, ihr Treasury mittelfristig in Echtzeit betreiben werden. Virtuelle Konten ermöglichen eine erhöhte Transparenz über die weltweite Liquidität und das Fremdwährungsrisiko des Unternehmens. Das zeigt: Die Vorteile der virtuellen Konten gehen über das ursprüngliche Ziel des Konzepts, das einst vornehmlich die bessere Zuordnung von eingehenden Zahlungen zu offenen Rechnungen („Reconciliation“) war, längst hinaus.

Einheitliche IT ist nötig

Zu berücksichtigen ist, dass virtuelle Konten nicht unmittelbar für jedes Unternehmen nutzbar sind. Denn bevor Treasury-Abteilungen sich mit der Implementierung dieses Konzepts befassen, sollten zwei wesentliche Aspekte beleuchtet werden: Eine homogene IT-Landschaft sowie standardisierte Prozesse und Abläufe senken den Implementierungs- und Integrationsaufwand erheblich. Bei einigen Firmen ist das bereits der Fall, andere haben noch Anpassungsbedarf.

Solche Standardisierungsprojekte sind aufwendig und zeitintensiv. Das gilt vor allem dann, wenn das Unternehmen weltweit tätig ist. Die gute Nachricht ist aber: Die Implementierung von virtuellen Konten erfordert nur fallweise zusätzliche IT-Investitionen: Zahlreiche Treasury-Management- sowie ERP-Systeme können diese Konzepte abbilden, es braucht daher häufig keine neuen Tools.

Regulatorik beachten

Beachten müssen Treasurer zudem mögliche regulatorische Einschränkungen beim Einsatz von virtuellen Konten. So ist es etwa in bestimmten Ländern oder für bestimmte Arten von Zahlungen erforderlich, ein Konto in dem Land zu unterhalten. Eine virtuelle IBAN reicht in dem Fall nicht aus. Hinzu kommt, dass es auch aus steuerlicher Sicht unattraktiv sein kann, virtuelle Konten einzusetzen. In weiten Teilen Asiens sind beispielsweise gewisse konzerninterne Darlehensstrukturen verboten, beziehungsweise unterliegen regulatorischen und steuerlichen Einschränkungen. Hier müssen Unternehmen die Vorteile von erhöhter Transparenz im Cash Management gegen steuerliche Nachteile abwägen. In Europa steht dem Einsatz von virtuellen Konten aber grundsätzlich nichts im Wege. Das gilt für Euro-Zahlungen ebenso wie für Transaktionen in anderen Währungen.