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19.02.20

Taktieren reicht nicht mehr

Treasurer optimieren ihr Cash Management derzeit vor allem taktisch. Das liegt am negativen Zinsumfeld. Nun wird es Zeit, wieder stärker auf die strategischen Aspekte zu achten.

Seit exakt fünf Jahren müssen Banken und Unternehmen nun mit dem negativen Zinsumfeld leben: Im Juni 2014 forderte die EZB erstmals Negativzinsen von den Banken, die bei ihr Geld parken. Während sich Firmen mit Finanzierungsbedarf über die günstigen Konditionen freuen, haben Unternehmen mit Anlagebedarf zu kämpfen. Die taktische Optimierung des Liquiditätsmanagements zählt seither zur täglichen Arbeit vieler Treasury-Abteilungen. Mit dem Umschichten von Cash zwischen den einzelnen Bankpartnern versuchen die Unternehmen, Negativzinsen auf Einlagen so gut es geht zu vermeiden. Einige Unternehmen setzen zwar auch verstärkt auf Geldmarktfonds oder Termingelder, doch täglich verfügbare Bankeinlagen bleiben oftmals das Mittel der Wahl.

Cash ist nicht gleich Cash

Nicht immer gelingt es, Negativzinsen komplett zu vermeiden. In vielen Fällen können Unternehmen die negative Cost of Carry aber immerhin gering halten und zugleich das Kontrahentenrisiko im Blick behalten. Denn Banken und Treasurer haben sich auf das neue Umfeld eingestellt: So gibt es oftmals bilateral festgelegte Schwellenwerte, bis zu denen Banken keine Einlagengebühr in Rechnung stellen. Bei der Verhandlung der Höhe dieser Grenzwerte schaut die Bank auf die gesamte Kundenbeziehung, daher gibt es keine pauschalen Summen. Verstärkt wird dieser Trend durch die Regulatorik: Aufsichtsbehörden achten heute viel stärker auf das kurzfristige Liquiditätsrisiko von Banken. Entsprechend bewerten Banken die Einlagen ihrer Kunden nicht mehr nur nach Volumen und Preis, sondern auch nach ihrer Qualität: Die Institute schätzen die sogenannte operative Liquidität. Darunter versteht man das Geld, das ein Unternehmen für sein tägliches Geschäft benötigt. Nichtoperative Liquidität hat dagegen nur begrenzten beziehungsweise keinen regulatorischen Wert für die Banken.

Diese Differenzierung der Kundeneinlagen hat sich inzwischen etabliert. Banken werden sie auch in einem positiven Zinsumfeld beibehalten, auch wenn es dann etwas weniger Druck gibt. Insofern profitieren Unternehmen, die diese Unterscheidung heute schon vornehmen und ihr Cash Management entsprechend angepasst haben.

Doch Treasurer sollten bei der Optimierung ihres Liquiditätsmanagements nicht nur taktisch agieren und auf die Anlageseite achten. Es wird wichtiger, das Thema Cash Management ganzheitlich anzugehen - und sich mit Fragen der Transparenz und des Zugangs zu Liquidität zu befassen. Denn das wirtschaftliche Umfeld trübt sich ein: Die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China sind unberechenbar, der Brexit-Streit schwelt weiter, und einzelne Branchen wie etwa der Automobilsektor haben bereits zu kämpfen. Angesichts dieser makroökonomischen Risiken dürfte die Bedeutung des Liquiditätsmanagements in den kommenden Monaten und Jahren wieder steigen.

Technologie nutzen

Finanzabteilungen sollten die Ruhe vor dem Sturm dafür nutzen, sich bestmöglich vorzubereiten. Es gilt, die Innenfinanzierung zu optimieren und die Transparenz und Kontrolle über das konzernweite Cash herzustellen. Die technologischen Möglichkeiten - ob mit Hilfe von Inhouse-Banken oder virtuellen Konten - sind da. Viele Unternehmen haben diese Notwendigkeit auch erkannt, davon zeugt der Trend zur Zentralisierung im Zahlungsverkehr. Vor allem große Konzerne sind hier schon recht weit, gerade im Mittelstand gibt es aber noch Nachholbedarf. Unternehmen sollten dabei auch neue Trends wie "Push Payments", Swift GPI oder Echtzeitzahlungen bedenken.