Devisenbehörde Safe verhängt Positionslimits für Fremdwährungskredite

08.05.13 13:59

China strafft die Währungszügel

Von Andreas Knoch

Banken dürfen ab dem 1. Juni in China nur noch begrenzt Fremdwährungskredite ausreichen. Das kündigte die chinesischen Devisenbehörde Safe an. Für Treasurer könnten die Geldbeschaffungskosten erheblich steigen.

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Treasurer dürften in China künftig deutlich schwieriger an Fremdwährungskredite kommen. Das geht aus der Ankündigung der chinesischen Devisenbehörde Safe vom vergangenen Sonntag hervor. In dem Versuch, die für chinesische Verhältnisse zuletzt deutliche Aufwertung des Renminbi zu stoppen, dürfen Banken ab dem 1. Juni nur noch begrenzt Fremdwährungskredite ausreichen. Maßgeblich dafür ist das Verhältnis zwischen Fremdwährungskrediten und -einlagen, das für chinesische Banken auf 75 Prozent und für ausländische Banken auf 100 Prozent festgesetzt wurde. Instituten, die diese Positionslimits überschreiten, wird es künftig untersagt, Fremdwährungskredite zu vergeben. Offiziellen Zahlen zufolge lag das Verhältnis für den gesamten Bankensektor in China Ende März bei 171 Prozent.

 

Um die geforderten Limits zu erreichen, müssen die Banken entweder ihr Kreditportfolio abschmelzen oder aber die Einlagen erhöhen. „Das heißt im Umkehrschluss, dass die Geldbeschaffungskosten für Treasurer wegen der zum Teil exorbitanten Zinsdifferenzen steigen“, prognostiziert Bernhard Esser, Direktor Treasury Research bei HSBC. So liegt der festgelegte Eckzins für Einjahreskredite aktuell bei 6 Prozent. Abzüglich des Anpassungsfaktors von 0,7 dürfen Banken für Renminbi- Darlehen mit zwölfmonatiger Laufzeit nie weniger als 4,2 Prozent Zinsen berechnen. „Bei Dollar-Krediten liegen die Zinsen zum Teil 350 Basispunkte darunter“, sagt Esser. Hinzu komme das Wechselkursrisiko, wenn sich Unternehmen in Renminbi finanzieren müssten, ihre Zahlungen aber in Euro oder US-Dollar abwickeln würden.

 

„Die Entscheidung der Devisenbehörde ist etwas verstörend“, meint Esser. So propagiere China zwar die Liberalisierung seiner Währung, greife mit dieser Maßnahme aber wieder stark in die Kursfindung ein. Die Motive der Safe sind für ihn denn auch nicht ganz klar. Tatsache ist, dass der Anteil der Fremdwährungskredite zuletzt stark gestiegen ist. Unternehmen greifen gern darauf zurück, weil sie in Erwartung eines steigenden Renminbi so ihre Verschuldung drücken können. Allerdings bedingt die Kreditvergabe zwingend ein physisches Grundgeschäft. Und in diesem Punkt wächst das Misstrauen der Safe. Angesichts der zuletzt deutlich gestiegenen Handelsbilanzüberschusses vermutet die Behörde als Ex- oder Importe getarnte Kapitalbewegungen. Verdächtigen Akteuren wird künftig eine Frist von zehn Tagen eingeräumt, die angegebenen Grundgeschäfte für Kapitalbewegungen nachzuweisen.

knoch[at]dertreasurer.de