China startet neues Onshore-Renminbi Projekt

06.09.13 09:14

Freihandelszone in Shanghai: Renminbi soll frei handelbar werden

Von Desiree Backhaus

China probt den Ernstfall: Die Eröffnung einer Freihandelszone in Shanghai rückt offenbar näher. Schon Ende September sollen die Vorbereitungen getroffen werden. Der Renminbi könnte damit bald auch auf dem Festland handelbar werden.

Testlabor auf dem chinesischen Festland: In Shanghai soll der Renminbi bald frei handelbar werden. Nur so kann die Stadt bis 2020 als Finanzzentrum mit London und New York mithalten.

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Testlabor auf dem chinesischen Festland: In Shanghai soll der Renminbi bald frei handelbar werden. Nur so kann die Stadt bis 2020 als Finanzzentrum mit London und New York mithalten.

Bald könnte es soweit sein: Der Renminbi soll auch auf dem chinesischen Festland frei konvertierbar werden. Die Einrichtung einer Freihandelszone in Shanghai stand bereits seit dem Frühjahr im Raum, nun hat die chinesische Regierung offenbar Nägel mit Köpfen gemacht. Damit wagt sie erstmals ein Onshore-Experiment – ein tiefgreifender Einschnitt: Bisher ist der Renminbi nur in den Offshore-Sonderwirtschaftszonen Hongkong und Macao frei handelbar.

Wie die staatliche, chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, soll das Pilotprogramm bereits am 27. September eingeführt werden. Mit dem tatsächlichen Beginn des Freihandels ist jedoch frühestens im kommenden Jahr zu rechnen. Innerhalb dieser Zone sollen die Banken mit dem freien Kapitalmarkt experimentieren können, dazu gehören explizit auch ausländische Institute.

Shanghai: Bald freier Wechselkurs und freie Zinsen?

Die Freigabe des Renminbi-Wechselkurses ist ein wichtiger Baustein des Projekts: „Wir gehen davon aus, dass es eine Reform der Kapitalbilanz geben wird, so dass Mittel freier in und aus der Zone fließen können“, sagt Lian Ping, Chefökonom der Bank of Communications. „Der Wechselkurs sollte vom Markt bestimmt werden. Bleiben diese Reformen aus, hätte das negative Konsequenzen für die Freihandelszone.“

Experten erwarten auch, dass die Zinsen freigegeben werden.  Im  Juli hatte die chinesische Zentralbank (PBoC) bereits die fixe Untergrenze für Renminbi-Kreditzinsen aufgehoben.  Damit haben chinesische Geschäftsbanken nun die Möglichkeit, ihre Ausleihzinsen selbst festzulegen und miteinander zu konkurrieren. Bisher herrschen prohibitiv teure Kreditzinsen auf dem Markt für Renminbi-Kredite, die nun sinken könnten. Die Anlagezinsen sind dagegen bisher noch gedeckelt.

Erst einmal ist das Projekt nur auf Shanghai begrenzt und folgt damit der üblichen Logik der chinesischen Regulierer. Sollte es sich als erfolgreich erweisen, könnte es auf das gesamte Land ausgeweitet werden. Bis dahin dürfte allerdings noch etwas Zeit vergehen.

Backhaus[at]derTreasurer.de