Michael Hannig, CEO von Voith Finance, über den Renminbi-Kredit

15.03.12 15:18

Voith mit SynLoan in China

Von Markus Dentz

Die Wachstumspläne von Voith im chinesischen Markt haben starke Auswirkungen auf die Finanzierung vor Ort: Während die chinesischen Landesgesellschaften früher „cashrich“ waren, wird jetzt neues Fremdkapital gebraucht. Das Unternehmen hat erstmals in China einen syndizierten Kredit aufgelegt.

Voith hat erstmals in China einen syndizierten Kredit aufgelegt.

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Voith hat erstmals in China einen syndizierten Kredit aufgelegt.

China Renminbi Michael Hannig

Michael Hannig

Bereits seit vielen Jahren ist das Familienunternehmen Voith im chinesischen Markt aktiv. Jetzt wollen die Heidenheimer (Umsatz 2010/11: 5,6 Mrd. Euro) ihre lokale Verwurzelung und ihr Engagement mit Investitionen in Höhe von 400 Millionen Euro deutlich erhöhen, beispielsweise durch den weiteren Ausbau der Voith Paper City in Kunshan nahe Schanghai.

 

Erstmals hat das Familienunternehmen im Reich der Mitte einen syndizierten Kredit aufgelegt. „Vor dem Hintergrund dessen, was wir weiterhin dort vorhaben, wollten wir uns auch im lokalen Finanzmarkt zeigen“, sagt Michael Hannig, Geschäftsführer der Voith Finance GmbH, in der das Treasury des Konzerns verortet ist. Man entschied sich deshalb für einen syndizierten Kredit über 2,25 Milliarden Renminbi (umgerechnet rund 270 Millionen Euro) mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Neben dem Koordinator Citibank waren als weitere Mandated Lead Arrangers die Commerzbank sowie HSBC eingebunden. Als Orginal Lenders waren die Standard Chartered Bank, ANZ und ganz bewußt mit der ICBC auch ein chinesisches Institut. Eine andere Finanzierungsart, die in jüngster Zeit einige Konzerne genutzt haben, ist der sogenannte „Dim-Sum- Bond“. „Gegen eine Offshore-Anleihe sprachen aber mehrere Punkte“, sagt Hannig. „Ein Bond erhöht unmittelbar die Bruttoverschuldung, was zu einem erhöhten Cost of Carry führt.“ Die unmittelbare Belastung des Zinsergebnisses wollte Voith unbedingt vermeiden: Die Projekte werden über einen Zeitraum von mehreren Jahren errichtet, das Geld wird also erst nach und nach benötigt. Doch die Umsetzung barg Herausforderungen. „Es war komplettes Neuland, wir haben das Thema selbst entwickelt und vorangetrieben“, sagt Hannig. „Besonders für die in diesem Marktsegment lange Laufzeit von fünf Jahren mussten wir bei den lokalen Banken Überzeugungsarbeit leisten. Normalerweise gibt es bestätigte Kreditlinien nur für drei Jahre.“ Außerdem existieren umfangreiche Regularien, die man bereits in einem sehr frühen Stadium prüfen sollte: „Allein die vertragliche Umsetzung des Term Sheets kann Monate in Anspruch nehmen. Einige hierzulande marktübliche Vertragsbestandteile müssen zum Teil erst sehr umfangreich erläutert und dann verhandelt werden. Dies wird auch dadurch weiter erschwert, dass lokale Banken in aller Regel auf chinesischem Recht in Bezug auf den Kreditvertrag bestehen.“ Der Aufwand lohnt sich für Unternehmen, die eine gute Bonität mitbringen und für China relevante Technologien herstellen.

dentz[at]dertreasurer.de