Bis 2014 sollen die Sepa-Formate eingeführt sein – Probleme bei der Anwendung

19.01.12 15:14

Der lange Weg zu Sepa

Von Sabine Reifenberger

Nach langem Ringen steht die Marschroute für das Projekt Sepa: Bis zum 1. Februar 2014 sollen Überweisungen und Lastschriften umgestellt sein. Doch ohne Ausnahmen ging es nicht. Das elektronische Lastschriftverfahren (ELV), eine deutsche Zahlungsverkehrsspezialität, darf bis zum 1. Februar 2016 weiter benutzt werden.

Das Elektronische Lastschriftverfahren bleibt trotz Sepa bis 2016 erhalten.

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Das Elektronische Lastschriftverfahren bleibt trotz Sepa bis 2016 erhalten.

Noch gut 12 Prozent der Handelsumsätze werden in Deutschland über das per Unterschrift autorisierte ELV abgewickelt. Die Banken drängen auf eine Umstellung der Buchungen auf das PIN-gestützte Lastschriftverfahren. „Das ist allerdings für den Handel mit deutlich höheren Gebühren verbunden“, sagt Ulrich Binnebößel, Experte für Zahlungssysteme beim Handelsverband Deutschland. Der Handel wünsche sich daher auch nach 2016 eine Lösung, die zum PIN-gestützten Verfahren in Wettbewerb treten kann. „Wir wünschen uns, dass die Banken Konkurrenz bekommen, etwa durch Drittanbieter wie Google oder Paypal“, sagt Binnebößel. Zwar ist die Sepa-Verordnung, deren Annahme in den Gremien als reine Formsache gilt, letztlich ein Kompromiss – „aber einer, mit dem man zufrieden sein kann“, sagt Michael Steinbach, CEO des Zahlungsverkehrsabwicklers Equens.

In der Praxis läuft allerdings noch nicht alles rund: „Es gibt zwar Standards für Sepa-Überweisungen und Sepa-Lastschriften, allerdings ist deren Detailtiefe nicht ausreichend, um eine Zahlung auch auszuführen“, sagt er. In den Feinheiten, zwei bis drei Ebenen unter den definierten Standards, gibt es etwa bei verschiedenen Banken Unterschiede in den Codierungen der Datensätze. Das erzeugt technischen Aufwand: „Entweder der Corporate muss kleine Änderungen in den Datensätzen vornehmen, oder die Bank muss die Details abwandeln“, sagt Steinbach. In einem nächsten Großprojekt erwartet er eine weitere Regulierung der Kartenzahlungen. Zu denen rechnet er auch den Sonderfall ELV als kartenindiziertes Lastschriftverfahren.

Unternehmen mit Massenzahlungsverkehr wird die Umstellung auf Sepa erleichtert: Für Lastschriften dürfen sie bestehende Mandate weiter nutzen, wenn der Kunde nicht ausdrücklich widerspricht. Dennoch steht viel Arbeit an. 43 Prozent der deutschen Unternehmen wollen das Thema Sepa- Umstellung der jüngsten Umfrage von Der Treasurer zufolge in diesem Jahr angehen (mehr dazu hier). Doch auch wenn die Umstellungsfrist komfortabel scheint: „Ich rechne damit, dass bis Februar 2014 nicht alle deutschen Unternehmen Sepa-fähig sein werden“, sagt Steinbach. Wer die Umstellung nicht rechtzeitig hinbekommt, muss dann auf die Kulanz seiner Bank bei der Konvertierung hoffen.


Reifenberger[at]derTreasurer.de