Beginn der Meldepflicht für OTC-Derivate

14.02.14 10:49

Emir-Reportingstart: Chaos bleibt aus

Von Andreas Knoch und Desirée Backhaus

Der Beginn der Meldepflicht für OTC-Derivate ist bei den meisten Corporate Treasurern geglückt – auch wenn der Upload der Daten häufig nur manuell funktioniert. Darauf lassen erste Reaktionen aus den Treasury-Abteilungen schließen.

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Nicht alle Unternehmen sind beim Beginn der Emir-Meldepflicht gut aus den Startblöcken gekommen. Das befürchtete Chaos blieb jedoch aus.

Der mit Spannung erwartete Start der Meldepflicht für OTC-Derivate ist bei den meisten Corporate Treasurern geglückt. Darauf lassen erste Reaktionen aus den Treasury-Abteilungen von Unternehmen, aus Banken und von Beratungshäusern schließen. Das befürchtete IT-Chaos aufgrund enger Deadlines, kurzer Projektlaufzeiten, eingeschränkter Testphasen und unfertiger Softwarepatches ist damit größtenteils ausgeblieben. Zwar gibt es Unternehmen, die von Schwierigkeiten mit ihren Registerzugängen berichten und zum Teil gar nicht meldefähig waren. Andere klagen darüber, dass Banken die Übernahme des Reportings wegen Überlastung zuletzt ablehnten. Inwieweit es sich dabei lediglich um Einzelfälle gehandelt hat oder nicht, bleibt für den Moment aber offen.

Häufig noch manueller Upload der Daten

Bei dem Spezialchemieunternehmen Altana liefen die ersten Derivatemeldungen an das Transaktionsregister DTCC reibungslos ab, sagt Klaus Gerdes, Leiter Corporate Finance und Treasury: „Ich habe am Dienstag mit den Zinsderivaten die erste Assetklasse hochgeladen, gestern folgten dann die FX-Derivate.“ Das Altana-Treasury lädt derzeit die Datensätze aus Excel bei DTCC hoch. Diese manuelle Lösung soll aber so schnell wie möglich durch eine automatisierte Schnittstelle im Treasury- Management-System ersetzt werden. Hier war der Systemanbieter allerdings nicht rechtzeitig fertig geworden: „Im Frühjahr wollen wir unser Projekt beenden“, sagt Gerdes.

 

Auch in der Finanzabteilung eines großen DAX-Konzerns ist man zufrieden. „Da Regis-TR schon im Vorfeld betriebsbereit war, verlief der Meldestart problemlos. Wir haben unser Treasury-System über eine interne Schnittstelle an das Transaktionsregister angebunden. Noch funktioniert der Upload der Daten zwar nur manuell, er soll aber definitiv automatisiert werden“, erklärt der Treasurer gegenüber der Redaktion.

Esma-Update bringt Klarheit bei UTIs

Neben den oftmals noch unfertigen automatischen Reportinglösungen war in vielen Treasury- Abteilungen bis zuletzt noch offen, ob die LEIs rechtzeitig geliefert werden können und wer den Unique Trade Identifier (UTI) generiert. „Wir mussten dafür mit jeder Bank individuelle Absprachen treffen. Da wir viele interne Geschäfte haben, waren wir zudem gezwungen, einen eigenen UTI-Generator aufzusetzen. Mit manchen Banken haben wir daher auch vereinbart, dass wir alle Nummern generieren“, sagt der Treasurer eines DAX-Konzerns.

 

In dem am Dienstag veröffentlichten Q&AUpdate gibt die europäische Wertpapieraufsicht Esma in diesem Punkt – zumindest bei Trades zwischen Banken und Nichtbanken – aber endlich eine Guidance: Bei bilateralen Geschäften sollten die Banken den UTI generieren, bei Geschäften über Plattformen der Plattformbetreiber. Von vielen Marktteilnehmern war diese Lösung zwar antizipiert worden, für einen einheitlichen Standard hat es in der Kürze der Zeit aber trotzdem nicht gereicht. Das Resultat: Vielerorts melden die Kontrahenten ein und dasselbe Geschäft mit unterschiedlichen UTIs an das Transaktionsregister. Ein Matching ist damit (noch) unmöglich.

Viele Treasurer müssen nachmelden

„Wir haben unsere Geschäfte gestern mit einem Pre-UTI gemeldet, der von unserem Treasury-System erzeugt wurde. Sobald wir von den Banken die richtigen UTIs bekommen, werden wir die gesamten Geschäfte noch einmal nachmelden müssen“, sagt der Treasurer eines global agierenden Mittelständlers, der damit nicht alleine ist. Auch bei Altana war die Problematik bis zuletzt offen. „Eine unserer sieben Banken hat uns erst gestern die UTIs für die FX-Derivate geliefert“, sagt Gerdes. Falls sie nicht rechtzeitig gekommen wären, hatte Altana schon vorgesorgt und die UTIs selbst generiert: „Wir wollten lieber von Anfang an alles sauber machen.“ Gleichwohl gilt: Für viele Treasury- Abteilungen ist das Emir-Projekt noch nicht abgehakt.

 

Knoch[at]derTreasurer.de