Bankenregulierung entwertet Emir-Ausnahmen für die Realwirtschaft

10.05.12 15:24

VDT warnt vor überstrenger Regulierung

Von Andreas Knoch

Der Verband Deutscher Treasurer (VDT) warnt vor den Risiken einer überstrengen Bankenregulierung. In der jetzigen Form würden Basel III und die Kapitaladäquanzrichtlinie CRD IV die Emir-Ausnahmen für Nichtbanken entwerten.

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Der VDT befürchtet, dass Banken zu stark an die Kette gelegt werden.

Emir Hans-Jörg Mast

Hans-Jörg Mast

Der Verband Deutscher Treasurer (VDT) warnt eindringlich vor den Risiken einer überstrengen Regulierung außerbörslich gehandelter Derivate. „Es ist widersinnig, dass Banken nach Basel III zusätzlich zu den Risiken eines Komplettausfalls einer industriellen Gegenpartei jetzt auch noch das Risiko einer schwankenden Kreditwürdigkeit mit Eigenkapital unterlegen müssen“, sagt Hans-Jörg Mast, Mitglied des Verwaltungsrats des VDT und Head of Treasury der Claas KGaA. Das sogenannte Credit Valuation Adjustment (CVA) stehe im Widerspruch zur Lösung der europäischen Derivateverordnung Emir, die Absicherungsgeschäfte von Industrieunternehmen grundsätzlich von der Clearingpflicht und der Pflicht zur bilateralen Besicherung der Geschäfte ausnimmt. „OTC-Derivate von Unternehmen der Realwirtschaft, die nicht unter die Regeln der Emir fallen, sollten konsequenterweise auch unter Basel III von der Pflicht zur Unterlegung des CVA-Risikos freigestellt werden, um Schaden von der Realwirtschaft abzuwenden“, fordert Mast.

 

In der jetzigen Form würden Basel III und die Kapitaladäquanzrichtlinie CRD IV die Emir-Ausnahme entwerten, denn die Banken würden die Mehrkosten an ihre Kunden weitergeben, so die Befürchtung Masts. Die Unternehmen könnten damit zwar die von einem Zwang zur bilateralen Besicherung oder einem zentralen Clearing ausgehenden Kosten sparen, sie würden aber umgekehrt mit erheblichen Mehrkosten aus der CRD IV für genau die gleichen Transaktionen belastet. Diese Mehrkosten könnten 200 bis 300 Prozent der heutigen Regulierungskosten ausmachen, wie eine Simulationsrechnung von KPMG zeige.

 

Mast weist darauf hin, dass Absicherungsgeschäfte schon jetzt teurer werden und das Angebot tendenziell zurückgeht. Immerhin 87 Prozent der Unternehmen berichten, dass Banken versuchen, höhere Preise für die Absicherung von Geschäftsrisiken durchzusetzen. Jedes zweite Unternehmen spürt außerdem, dass die Banken auf eine Besicherung der Geschäfte drängen. Eine echte Verknappung gibt es bereits bei langfristigen Absicherungen. Über die Hälfte der befragten Industrieunternehmen gaben an, dass Absicherungen mit einer Laufzeit von mehr als drei Jahren nicht mehr zu bekommen seien.

Knoch[at]derTreasurer.de