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02.07.12 11:55

Die Angst vor dem Euro-Crash treibt die Investoren in Bundesanleihen. „Das zeigt, wie viel Wert die Investoren im Moment darauf legen, dass ihnen das Geld überhaupt zurückgezahlt wird“, beschreibt Maxence Mormède, leitender Rentenfondsmanager bei Allianz Global Investors, bei FINANCE-TV die Hintergründe des Runs auf deutsche Staatsanleihen. Auch aus Mangel an Alternativen: „Die anderen sicheren Häfen in Europa sind fast genauso teuer wie Bundesanleihen. Damit sind und bleiben Bundesanleihen der sicherste Hafen für institutionelles Geld in Europa.“ Ob die Renditen mittelfristig wieder steigen und was passiert, wenn Eurobonds kommen – das ganze Interview hier bei FINANCE-TV.

Run auf Bundesanleihen: Investoren strömen in den sicheren Hafen

Es ist eine erstaunliche Situation: Obwohl die Euro-Krise mit jeder Woche stärker schwelt und die absehbaren Milliardenbelastungen für den Bundeshaushalt von Tag zu Tag steigen, strömt das Geld der Investoren nach Deutschland. Bundesanleihen haben in den vergangenen Jahren eine nie da gewesene Rallye erlebt, die sich in den vergangenen Monaten mit jeder Zuspitzung der Euro-Krise sogar noch beschleunigt hat. Zeitweise fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen Anfang Juni auf 1,1 Prozent. In den vergangenen Wochen sanken die Kurse wieder ein wenig, und die Rendite erholte sich auf über 1,6 Prozent. Kurzläufer mit ein- bis dreijähriger Laufzeit notieren gar mit negativen Nominalrenditen, zuletzt hat der Bund sogar einige Neuemissionen mit Zinssätzen knapp über oder sogar unter der 0-Prozent-Marke platziert. „Das zeigt, wie viel Wert die Investoren im Moment darauf legen, dass ihnen das Geld überhaupt zurückgezahlt wird“, meint Maxence Mormède, leitender Rentenfondsmanager bei Allianz Global Investors, im Interview bei FINANCE-TV. Der Boom verdeutlicht auch das Dilemma, in das die Euro-Krise viele institutionelle Großinvestoren gebracht hat: „Viele Großinvestoren haben in den vergangenen Wochen ihre Anlagepolitik geändert. In manche Länder der Euro-Zone dürfen bzw. wollen sie nicht mehr investieren. Nichtsdestotrotz sind sie gezwungen, ein bestimmtes Maß ihrer Gelder in Europa zu investieren. Und so strömt das Geld nach Deutschland.“

Dass die Investoren ungeachtet der rekordniedrigen Renditen nach wie vor auf Deutschland setzen und nicht in anderen vermeintlich sichereren Häfen im Umfeld Schutz suchen, liegt auch an den fehlenden Alternativen. AAA-Anleihen aus Großbritannien oder Skandinavien werfen nur unwesentlich höhere Zinsen ab, doch die zusätzlich anfallenden Hedging-Kosten zehren das kleine Plus an Rendite weitgehend auf, wie Mormède vorrechnet.

Wie lange der Run auf Bundesanleihen noch anhält, ob sich die Renditen in den nächsten Monaten weiter erholen und was am deutschen Bondmarkt passieren würde, wenn sich Europas Politiker auf die Einführung von Euro-Bonds einigen würden, sehen Sie hier bei FINANCE-TV.

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