Talk
06.09.12 11:50

Auf fast 900 Milliarden Euro schätzt das Beratungshaus REL die Summen, die Europas Firmen ungenutzt in ihrem Working Capital gebunden haben. Vor allem die deutschen CFOs hätten beim Working Capital Management nachgelassen: „Bei deutschen CFOs ist Cash nicht mehr King“, kritisiert REL-Direktor Daniel Windaus. Wieso seine Berechnungen valide sind und was die Top-Unternehmen aus dem Ausland den deutschen Nachzüglern voraus haben – Windaus' Antworten hier bei FINANCE-TV.

Beratungshaus REL kritisiert Working Capital Management europäischer CFOs

Europäische Finanzvorstände schieben gewaltige Summen an überflüssigem Working Capital vor sich her, kritisiert das US-Beratungshaus REL. Nach Durchsicht von 925 Geschäftsberichten für 2011 haben die Amerikaner ein theoretisches Potential zur Verbesserung des Working Capitals von 886 Milliarden Euro identifiziert. Das entspricht satten 12 Prozent der kumulierten Umsätze der untersuchten Unternehmen.

Die Zahlen haben es in sich: Die CFOs der Top-Unternehmen häufen nur halb so viel Working Capital an wie der Durchschnitt. Ihre Kundenforderungen treiben sie 16 Tage schneller ein, ihre Lieferanten bezahlen sie ebenfalls 16 Tage später, und ihre Vorratsbestände liegen nur halb so hoch wie im Schnitt. Die größte Lücke tut sich beim Lagerumschlag auf: Bei den Days Inventory Outstanding (DIO) schneidet das beste Viertel der Unternehmen um 67 Prozent besser ab als der Median, wie REL berechnet hat. Vor allem deutsche Unternehmen haben nach ihren Bemühungen in der Krise 2009/2010 nachgelassen, kritisiert Daniel Windaus, Managing Director des Beratungshauses REL, bei FINANCE-TV.

Erstaunlicherweise tun sich auch innerhalb der einzelnen Branchen gewaltige Unterschiede auf. So musste Portugal Telecom per Jahresultimo Working Capital für 45 Tage bilanzieren, während die britische BT Group auf ein negatives Working Capital von 25 Tagen kam. Im Automobilsektor gehörte Volvo mit einer Reichweite des Working Capitals von 18 Tagen zur Spitze, während die Industriesparte von Fiat zum Jahreswechsel Working Capital für 229 Tage angehäuft hatte.

Dass das kein typisches Phänomen bei italienischen Unternehmen ist, zeigt der Stromnetzbetreiber Rete, der es schaffte, innerhalb eines Jahres sein Working Capital von minus 7 auf minus 72 Tage zu kürzen. Zu den Under-Performern im Versorgerbereich gehört mit der französischen EdF einer der größten Anbieter weltweit: Dem Staatskonzern aus Paris attestiert REL ein Verbesserungspotential von 26 Milliarden Euro, das die Franzosen durch eine Optimierung ihres Working Capitals theoretisch freisetzen könnten. Auch im Telekombereich schlummern offenbar noch erhebliche Reserven, die REL bei der Deutschen Telekom und der spanischen Telefónica auf jeweils 4 Milliarden Euro beziffert.

Ähnliche Sendungen

Die Venture-Investoren pumpen immer mehr Gelder in den Fintech-Sektor – jetzt auch in Deutschland. Rund 400 Millionen US-Dollar sind es jetzt schon, mehr als doppelt so viel wie im gesamten Vorjahr. Für Banken könnte das existenzbedrohend sein, glaubt der Fintech-Investor Christian Nagel vom Venture-Fonds Earlybird: „Alle Geschäftsbereiche der Banken werden von den Fintechs angegriffen – vielleicht mit Ausnahme des Investmentbankings und der Vermögensverwaltung für sehr reiche Kunden“, erklärte er gegenüber FINANCE-TV. Welche Grundfunktionen die Fintechs den Banken als erstes wegnehmen wollen und welche die heißesten Fintechs in Deutschland sind – die Antworten gibt Nagel hier im aktuellen FINANCE-TV-Talk.

Mit einer Inhouse Bank, die konzerninterne Finanzdienstleistungen erbringt, wollen Unternehmen Prozesse im Treasury optimieren und Abläufe zentralisieren. Doch den Aufwand sollte man nicht unterschätzen: „Der Aufbau einer Inhouse Bank kann bis zu vier Jahre dauern“, sagt Manfred Fleckenstein, der bei der SEB als Head of Working Capital Management auch das Cash Management verantwortet. Welches die klassischen Schritte auf dem Weg zur Inhouse Bank sind und welche regulatorischen Hürden die Unternehmen bewältigen müssen, erklärt er im Talk bei FINANCE-TV.

Seit der Finanzkrise nutzen Firmen verstärkt Supply-Chain-Finance-Programme, um ihr Working Capital zu optimieren. „Viele Unternehmen haben schmerzhaft erfahren, welche Folgen Unterbrechungen der Lieferketten haben“, sagt Markus Wohlgeschaffen, Head of Global Trade Finance & Services der UniCredit, im Interview mit FINANCE-TV. Wie die einzelnen Abteilungen innerhalb eines Unternehmens bei diesen Programmen zusammenarbeiten sollten und welche Auswirkungen er durch die Basel-III-Regularien auf Supply Chain Finance erwartet, verrät Wohlgeschaffen im Talk bei FINANCE-TV.

Das Modelabel Tom Tailor expandiert mit neuen Retail-Stores und Produktlinien. Dafür muss der Konzern aber erst einmal Working Capital aufbauen und Anfangsinvestitionen stemmen – das geht an die Substanz. Doch das soll sich von diesem Jahr an ändern, verspricht Finanzchef Dr. Axel Rebien im Talk mit FINANCE-TV. Der operative Cashflow soll die Investitionen von voraussichtlich 23 bis 25 Millionen Euro übersteigen. In welchen Märkten die Modekette wachsen will und wie sie ihre Kontrollmechanismen aufbaut, sehen Sie im Talk bei FINANCE-TV.

Der Markt für Hybridanleihen boomt: Über 7 Milliarden Euro Hybridkapital haben deutsche Unternehmen in diesem Jahr schon aufgenommen, rechnet die Société Générale vor. „Dafür zahlen die Unternehmen Kupons, die vor zwei Jahren noch bei einer normalen Anleihe üblich gewesen wären“, sagt Martin Wagenknecht, der bei der Bank den Bereich Debt Capital Markets in der DACH-Region leitet. Worauf CFOs bei Hybridanleihen achten müssen, und ob aus der Nischenfinanzierungsform ein Trend werden kann – die Antworten von Martin Wagenknecht sehen Sie hier im Interview bei FINANCE-TV.

Das Bankhaus Lampe hat einen neuen Mezzanine-Fonds aufgelegt. 100 Millionen Euro will die Bank bei institutionellen Anlegern einsammeln und an deutsche Mittelständler ausgeben. Dass Unternehmen mit guter Bonität sich vor Finanzierungsalternativen derzeit kaum retten können, sieht Lampe nicht als Problem: „Als Eigenkapital-Surrogat brauchen viele Unternehmen Mezzanine“, sagt Ole Klose, Geschäftsführer von Lampe Capital Finance im Interview mit FINANCE-TV. Welche Unternehmen auf Geld aus dem Fonds hoffen dürfen und wie man sich von den wenig erfolgreichen Standard-Mezzanine-Programm abgrenzen will, verrät Klose hier bei mit FINANCE-TV.