Talk
07.05.12 11:50

Um fast die Hälfte ist der Markt für Konsortialkredite in Europa im ersten Quartal eingebrochen, in Deutschland hielt sich der Rückgang mit 8 Prozent in Grenzen: „Der Markt wird sich im Laufe des Jahres wieder erholen“, gibt sich Arne Mühlholm, Leiter des Structured-Finance-Geschäfts der SEB, im Gespräch mit FINANCE-TV überzeugt. Grund: „Die Preise für Konsortialkredite sind absolut wettbewerbsfähig, und es gibt kein Finanzierungsinstrument, das flexibler ist.“ Wie stabil die Bankkonsortien im Moment sind, worauf die Kreditgeber am meisten achten und was CFOs liefern müssen – die Antworten hier im FINANCE-Talk.

Konsortialkredite: Nur Schaeffler hält den SynLoans-Markt über Wasser

Der Trend ist eindeutig: Die Unternehmensfinanzierung verlagert sich immer stärker auf den Kapitalmarkt. Während die Volumina am Bondmarkt ständig ansteigen, ist der weltweite Markt für Konsortialkredite im ersten Quartal 2011 um 21 Prozent auf 546,5 Milliarden Dollar eingebrochen. In der EMEA-Region waren es sogar 47 Prozent, das Marktvolumen fiel auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren. Der deutsche Markt hielt sich mit einem Rückgang von lediglich 8 Prozent dafür aber noch ziemlich gut. Gestützt wurde er von dem Mega-Kredit an Schaeffler über mehr als 10 Milliarden Dollar, den der hoch verschuldete Autozulieferer zur Umschuldung der Kredite nutzte, die ursprünglich für den Angriff auf Continental aufgenommen worden waren.

„Der Markt wird sich im Laufe des Jahres wieder erholen“, gibt sich Arne Mühlholm, Leiter des Structured-Finance-Geschäfts der SEB, im Gespräch mit FINANCE-TV überzeugt. Grund: „Die Preise für Konsortialkredite sind absolut wettbewerbsfähig, und es gibt kein Finanzierungsinstrument, das flexibler ist.“

Doch nicht alle Unternehmen haben Zugang zu diesem Instrument. Wichtig ist, dass Unternehmen bereit sind, Transparenz zu zeigen, sich zu öffnen und den Konsortialbanken auch nennenswertes Zusatzgeschäft anbieten können. Großen, international tätigen und kapitalmarktaffinen Konzernen fällt dies alles naturgemäß leichter als Mittelständlern. Doch auch bei Debt-Volumina von unter 100 Millionen Euro gibt es Möglichkeiten, wie Mühlholm verrät. Allerdings erwartet er einen Preisanstieg: „Die Preise für Konsortialkredite müssen im Zuge von Basel 3 anziehen“, glaubt Mühlholm. Eine grundlegende Gefahr für den Markt sieht er darin aber nicht.

Ähnliche Sendungen

PE-Investor Marc Thiery: „Verschuldungshöhe im deutschen Markt ist unverantwortlich“

Bis auf 6x Ebitda ist das Ausmaß des Leverages im europäischen Private-Equity-Markt bereits angestiegen – in den Augen des deutschen Mittelstandsinvestors Marc Thiery viel zu hoch. „Das Ausmaß der Verschuldung im Private-Equity-Markt ist unverantwortlich. Die Investoren haben vielen Unternehmen eine viel zu hohe Kreditlast auferlegt“, warnte der Gründer und Chef der Deutschen Private Equity (DPE) gegenüber FINANCE-TV. Wie hoch die Verschuldung im aktuellen DPE-Portfolio liegt und wie Thiery seine Unternehmen für die in seinen Augen nahende Rezession rüstet, erfahren Sie im FINANCE-TV-Talk.

Brexit und Fintechs: „Luxemburg ist kein Finanzplatz zweiter Klasse“

Während der Brexit die Londoner Banken nach Frankfurt und Paris treibt und die Fintechs sich in den hippen Metropolen wie Dublin oder Berlin niederlassen, ist es um Luxemburg ruhig geworden. Droht Luxemburg als Finanzplatz ins Hintertreffen zu geraten? „Nein“, behauptet Nicolas Mackel, Chef der Standortagentur Luxembourg for Finance. Die Banken schätzten nach wie vor das besondere Ökosystem und die Internationalität Luxemburgs. „Und für die Fintechs gibt es einen großen Markt und viele potentielle Kunden in Luxemburg.“ Wie Luxemburg sich behaupten will, erzählt Mackel im Talk mit FINANCE-TV.

Ökostrom-Investments: „Politik muss Geschäftsmodelle belohnen, nicht Stromerzeugung“

Umweltminister Peter Altmaier will die Ökostromsubventionen schon in fünf Jahren komplett auslaufen lassen. Der Ökonom und Energiemarktforscher Ulf Moslener von der Frankfurt School of Finance & Management glaubt, dass das zu einem großen Umbruch im Ökostrombereich führen wird – für die dort tätigen Unternehmen und für die Investoren. „Die Politik muss Geschäftsmodelle belohnen, die Flexibilität in den Strommarkt bringen. Bei der Förderung geht es künftig nicht mehr um Subventionen, sondern um das Marktdesign“, sagte Moslener gegenüber FINANCE-TV. Wie Investoren nach diesem Regimewechsel noch langfristig Geld mit der Erzeugung von Ökostromanlagen verdienen können, beleuchtet er im Gespräch mit FINANCE-TV.

IPO-Veteran Kirchhoff: „CFOs begeben sich beim IPO zu sehr in die Hände der Banken“

In diesem Jahr sind schon zahlreiche Mittelständler an die Börse gegangen, viele weitere stehen in den Startlöchern. Nicht alle von ihnen werden am Kapitalmarkt reüssieren – und meistens liegt das an den Managementteams selbst, findet der IPO-Veteran Klaus Rainer Kirchhoff, der schon fast 70 Börsengänge begleitet hat: „Die Unternehmen begeben sich beim IPO viel zu sehr in die Hände der Banken“, kritisiert er im Interview mit FINANCE-TV. „Viele Manager unterschätzen einfach den Kapitalmarkt, und das wird auch nicht besser“, so der Inhaber der gleichnamigen Kommunikationsagentur. Was die Kardinalfehler beim Going und Being Public sind und welchen zentralen Tipp er jedem seiner Kunden gibt, verrät Klaus Rainer Kirchhoff bei FINANCE-TV.

Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum erleben als Spekulationsobjekt einen Hype, im realen Wirtschaftsleben und Zahlungsverkehr spielen sie dagegen kaum eine Rolle. Der Finanzkriminalist Seyfi Günay von der Unternehmensberatung Lexis Nexis Risk Solutions glaubt auch nicht, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird: „Verglichen etwa mit Kreditkarten ist das Transaktionsvolumen, das die Bitcoin-Technologie zur Verfügung stellen kann, viel zu gering.“ Weiteres Problem: Bitcoin & Co. sind die Währungen des Darknets und kaum zu kontrollieren: „Die Technologie verändert sich schneller, als die Regulatorik und die Behörden reagieren können“, so Günay. Wie Unternehmen, Banken und Börsen trotzdem einen Fuß in die Bitcoin-Welt setzen können, erklärt er bei FINANCE-TV.

DVFA-Chef Bielmeier: „Aufsichtsrat wird immer mächtiger“

Der Deutschen Bank steht wieder eine chaotische Hauptversammlung bevor. Drei CEO-Wechsel binnen sechs Jahren und die aktuelle Diskussion um die Entlastung des Aufsichtsratschefs Paul Achleitner zeigen einen Trend, der sich auch bei anderen Aktiengesellschaften abzeichnet: „Die Gewichte haben sich in Richtung Aufsichtsratsvorsitzender verschoben, er mischt sich immer stärker in das operative Geschäft des Unternehmens ein“, glaubt Stefan Bielmeier, Chef des Berufsverband der Investment Professionals, DVFA. Muss der Aufsichtsrat selbst stärker kontrolliert werden? Und wie kann das aussehen? Antworten darauf gibt Bielmeier heute im Talk mit FINANCE-TV.