Finanzierung
09.02.12 11:55

Eine Woche nach dem starken Debüt von Schaeffler am Anleihemarkt sieht Anleihenexperte Christian Reusch von der UniCredit für deutsche Unternehmen alle Ampeln auf Grün geschaltet: „Unternehmensanleihen werden von den Investoren gesucht, die Kupons sind nach unten gekommen, und das Momentum wird durch die Bank stark bleiben.“ Wo der Hunger der Investoren am größten ist und wie Unternehmen ihre Bondemission timen sollten – Reuschs Einschätzung hier bei FINANCE-TV.

Schaeffler und Haniel begeistern den Bondmarkt


Die deutschen Unternehmen haben in den vergangenen Jahren den Kapitalmarkt so richtig für sich entdeckt. Nach Ausbruch der Bankenkrise 2008 explodierte das Emissionsvolumen bei Unternehmensanleihen regelrecht – auch deutsche Unternehmen wichen im großen Stil auf den Anleihemarkt aus, um bei ihrer Finanzierung ein Stück weit unabhängiger von den Banken zu werden.

Seit dem Sonderjahr 2009, als deutsche Unternehmen sich mehr als 73 Milliarden Euro am Bondmarkt holten, hat sich die Emissionstätigkeit wieder normalisiert. Im Jahr 2011 erreichte das Emissionsvolumen nur noch 21,7 Milliarden Euro – auch weil die Unternehmen ihre Liquidität im Zuge der Krise stark erhöht und in den vergangenen Jahren wenig investiert haben, wie Anleihenexperte Christian Reusch von der UniCredit bei FINANCE-TV erklärte.
Jetzt aber könnte die Zurückhaltung ein Ende haben, der Jahresauftakt war stark. In den ersten Wochen haben gleich mehrere Großunternehmen die Gunst der Stunde genutzt. Der Autozulieferer Schaeffler feierte ein extrem erfolgreiches Kapitalmarktdebüt. Weil die Nachfrage der Investoren so groß war, verdoppelten die Franken ihre beiden geplanten Anleihen kurzerhand und nahmen so langfristiges Fremdkapital in Höhe von 1,2 Milliarden Euro und 1,1 Milliarden US-Dollar auf. Mit dem Geld kann Schaeffler-CFO Klaus Rosenfeld teurere Bankkredite ablösen und die Laufzeiten der Schaeffler-Schulden verlängern. Auch der Familienholding Haniel rannten die Investoren die Bude ein. Haniel platzierte eine Anleihe über 400 Millionen Euro, hätte aber mehr als zehnmal so viel erlösen können. „Es besteht eine immense Nachfrage nach Unternehmensanleihen“, lautet Reuschs frohe Botschaft.


Die Unternehmen, insbesondere solche mit Ratings im Non-Investment-Grade-Bereich wie Schaeffler und Haniel, profitieren laut Reusch davon, dass das Angebot an neuen Anleihen gegen Ende des vergangenen Jahres mau war und den Investoren die Alternativen ausgehen. Viele Staatsanleihen sind renditestark, aber sehr riskant – wie beispielsweise Anleihen aus der Peripherie der Eurozone. Die sicheren Häfen wie Bundesanleihen, US-Treasuries oder die Bonds der BRIC-Staaten hingegen werfen nur noch mickrige Zinsen ab. „Der Zeitpunkt für die Begebung von Unternehmensanleihen ist ideal“, findet Reusch. Viel besser werde es nicht mehr werden, glaubt der Bondexperte. Unternehmen sollten nicht mehr lange warten.

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