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09.05.12 11:50

Die sinkende Bonität zahlreicher Banken hat die Risikopuffer der Covered-Bond-Ratings zusammenschmelzen lassen, warnt Ratinganalystin Sabrina Miehs von S&P bei FINANCE-TV. „Die Covered-Bond-Ratings dürfen maximal sieben Ratingstufen über den Ratings der emittierenden Banken liegen. Die AAA-Covered-Bonds haben jetzt im Schnitt nur noch zwei Ratingstufen Puffer. Das wird nur genügen, wenn der Stress im Bankensystem moderat bleibt.“ Doch Miehs mahnt auch dazu, die wachsenden Länderrisiken nicht außer Acht zu lassen. Ihre detaillierte Marktanlayse – hier im FINANCE-Talk.

Covered Bonds: Damoklesschwert Bankenkrise

Besicherte Anleihen („Covered Bonds“) zählen zu den sichersten und solidesten Anlageklassen, sind sie doch mit einer großen Anzahl von Sicherheiten hinterlegt, die einen starken Risikopuffer bilden. Doch die Investoren sind in den vergangenen Jahren skeptisch geworden, Covered Bonds sind längst nicht mehr Anlegers Liebling. Das liegt vor allem an den Schwierigkeiten der Banken, denn die meisten Covered Bonds werden von Kreditinstituten und Versicherungen begeben. Leidet die Bonität der Banken, trifft das indirekt auch die von ihnen emittierten Papiere. Noch ist der Zusammenhang aber nicht eklatant: „Wir haben in den vergangenen Monaten das Rating fast jeder zweiten Bank abgestuft, aber nur 16 Prozent der von den Banken begebenen Covered-Bond-Programme“, sagt Ratinganalystin Sabrina Miehs von Standard & Poor’s. 93 Prozent der von S&P beobachteten Covered Bonds haben immer noch ein AAA- oder AA-Rating.

Aber das droht sich jetzt zu ändern: „Die Covered-Bond-Ratings dürfen maximal sieben Ratingstufen über den Ratings der emittierenden Banken liegen. Die AAA-Covered-Bonds haben jetzt im Schnitt nur noch zwei Ratingstufen Puffer. Das wird nur genügen, wenn der Stress im Bankensystem moderat bleibt.“

Ein Wegbrechen der AAA-Ratings würde einen riesigen Markt betreffen. Weltweit stehen Covered Bonds mit einem Nennwert von rund 2,5 Billionen Euro aus. Und obwohl die Emissionstätigkeit in den vergangenen Jahren tendenziell zurückgegangen ist, werden Jahr für Jahr immer noch rund 600 Milliarden Euro in Form von Covered Bonds aufgenommen, rund ein Sechstel davon in Deutschland.

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Kampfansage an die drei großen Ratingagenturen: „Wir wollen die europäische Alternative zu Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch werden, der europäische Player in diesem Oligopol“, kündigte Scope-Chef Torsten Hinrichs im Interview mit FINANCE-TV an. Mittelfristig strebt Scope im deutschen Corporate-Rating-Markt einen zweistelligen Marktanteil an. Wie genau Scope-Chef Hinrichs den großen Drei das Fürchten lehren will und was für CFOs dabei herausspringt – die Antworten nur hier im heutigen Talk von FINANCE-TV.

Die Ausgabe ungerateter Bonds dürfte im Mittelstandssegment bald der Vergangenheit angehören, prognostiziert Lutz Weiler, Vorstandschef der Investmentbank Equinet. Eine gute Alternative für Mittelständler seien nach wie vor Mezzanine-Finanzierungen – wenn die Unternehmen denn attraktive Kupons finanzieren können. Bankkredite dürften laut Weiler hingegen deutlich knapper vergeben werden. Welche Rolle die Ratingagenturen bei der Mittelstandsfinanzierung spielen und wie sich die Kupons entwickeln werden – erfahren Sie hier bei FINANCE-TV.

Ekosem, Stauder, MS Deutschland: Seit Wochen rollt eine gewaltige Emissionswelle über den Markt für Mittelstandsanleihen, am Jahresende werden noch mehr Mini-Bonds platziert worden sein als im bisherigen Rekordjahr 2011. Viele Beobachter argwöhnen jedoch, dass die Kreditqualität immer schlechter wird, sowohl bei den bestehenden als auch bei den neuen Emittenten – eine These, die Michael Munsch, Chef von Creditreform Rating, klar zurückweist: „Wir sehen keine geravierende Verschlechterung der Kreditqualität“, sagt er bei FINANCE-TV. Trotz erster Ausfälle hält der Chef des Ratingsmarktführers bei Mini-Bonds Vergleiche mit dem Neuen Markt für unangebracht: „Wir rechnen mit keiner unnormalen Entwicklung bei den Ausfallraten. Wenn in zwei, drei Jahren die ersten Refinanzierungen gelingen, gebe ich diesem Marktsegment eine große Chance.“

 

Wieso er die Kritik an den Creditreform-Ratings als überzogen zurückweist, wie die Ratingagentur zu ihren Einschätzungen kommt und was er von der Qualität der Ratings des Erzrivalen Scope hält – das ganze Interview nur hier bei FINANCE-TV.

Die Ratingagentur Scope nimmt unaufgefordert alle Emittenten von Mittelstandsanleihen unter die Lupe. Nach den ersten 17 Bewertungen ist die Richtung schon klar: Die Scope-Ratings liegen zum Teil viele Notches schlechter als die bestehenden Ratings: „Qualitative Aspekte wie ein gutes Controlling oder funktionierende Prozesse können über wenig Eigenkapital und schwankende Liquidität nicht hinwegtäuschen“, verteidigt Scope-Chef Thomas Morgenstern bei FINANCE-TV seinen quantitativen Ratingansatz und seine schlechteren Bewertungen. „Insofern muss man auch nicht überrascht sein, dass wir bei Mittelstandsanleihen auch schon erste Ausfälle gesehen haben.“ Was er mit seinem Massen-Rating bezweckt und was er zu dem Vorwurf sagt, er wolle die Emittenten nur erpressen – hier bei FINANCE-TV.

Die Zinswende in den USA trifft auch deutsche CFOs: Die Finanzierung in US-Dollar wird teurer, gleichzeitig drängen immer mehr amerikanische Unternehmen auf den vergleichsweise günstigen Euro-Anleihemarkt: „US-Unternehmen arrangieren sich schneller mit der neuen Situation, europäische Finanzchefs sind preissensibler“, sagt Jörg Sautter, Leiter des Debt Capital Markets Geschäfts der Citibank in der DACH-Region. Was er deutschen CFOs im Hinblick auf Euro-Emissionen rät, warum es sich lohnen kann, am US-Dollar-Bondmarkt schnell zu sein, und wie er die weiteren Schritte der US-Notenbank Fed einschätzt – Sautters Antworten hier bei FINANCE-TV.

In den vergangenen Wochen ist eine ganze Schwemme an Mini-Bonds in den Handel gegangen: Golfino, Mi-Tec und Royal Beach sind nur drei der Emittenten, deren Anleihen jüngst angeboten wurden. Für Roger Peeters, Vorstand bei Close Brothers Seydler Research ergibt sich ein „heterogenes Bild“. „Je mehr angeboten wird, desto bunter wird die Palette.“ Dies sei solange nicht schlimm, wie die Anleger für das erhöhte Risiko durch einen höheren Kupon entschädigt würden.

Insgesamt sieht er den Markt schon auf einem „vernünftigen Niveau.“ Viele Anleihen notierten nicht unter pari. Die Insolvenz von SIAG Schaaf sieht er als einen „Geburtsfehler“ des neuen Marktsegments, aber nicht als eine Gefährdung. Gleichwohl erwartet der Investmentbanker 2012 noch einen weiteren Ausfall. Welche Unternehmen er für kapitalmarktfähig hält und welche nicht, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.