Finanzierung
11.04.12 11:50

In den vergangenen Wochen ist eine ganze Schwemme an Mini-Bonds in den Handel gegangen: Golfino, Mi-Tec und Royal Beach sind nur drei der Emittenten, deren Anleihen jüngst angeboten wurden. Für Roger Peeters, Vorstand bei Close Brothers Seydler Research ergibt sich ein „heterogenes Bild“. „Je mehr angeboten wird, desto bunter wird die Palette.“ Dies sei solange nicht schlimm, wie die Anleger für das erhöhte Risiko durch einen höheren Kupon entschädigt würden.

Insgesamt sieht er den Markt schon auf einem „vernünftigen Niveau.“ Viele Anleihen notierten nicht unter pari. Die Insolvenz von SIAG Schaaf sieht er als einen „Geburtsfehler“ des neuen Marktsegments, aber nicht als eine Gefährdung. Gleichwohl erwartet der Investmentbanker 2012 noch einen weiteren Ausfall. Welche Unternehmen er für kapitalmarktfähig hält und welche nicht, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.

 

Wenn eine Investmentbank potenzielle Kunden nach Hause schickt und sich potenzielle Provisionen entgehen lässt, ist das, vorsichtig formuliert, ungewöhnlich. Doch obwohl Close Brothers Seydler einige Emittenten, nach Angaben von CEO René Parmantier sogar neun von zehn Emittenten nach Hause schicken, sieht sich das Haus noch als führend an. „Wir achten im Interesse unserer Investoren auf Qualität“, sagt Peeters. Von Energietiteln rät er aufgrund der politischen Abhängigkeiten ab, Markenartikler sieht er dagegen als interessanter an. Die positive Einschätzung von „Konsumartikelherstellern mit bekannten Marken“ sei überdiese sowohl bei Retail- wie auch bei institutionellen Investoren anzutreffen. Dies sei durchaus vernünftig, da die Bekanntheit der Marke oftmals für ein bewährtes Geschäftsmodell bürge. Häufig hätten solche Unternehmen über Jahrzehnte, Kriege oder Währungsunionen hinweg bewiesen, dass ihnen zu trauen sei. Die Seidensticker-Anleihe, bei der der Emittent 7,25 Prozent trotz einer mit nur 13,5 Prozent geringen Eigenkapitalquote zahlt, sei zwar kritisch zu sehen. „Aber der Markt gibt dem Emittenten recht“, formuliert Peeters mit Blick auf den bei rund 107 Prozent notierenden Bond (dazu auch: FINANCE-TV Interview mit Frank-Walter Seidensticker)

Anleihen seien insgesamt ein Thema für „gereifte Geschäftsmodelle“, die regelmäßige Cashflows abwürfen. Wie mit einer Bondemission liebäugelnde CFOs sich in der derzeitigen Marktlage positionieren sollten, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.

Ähnliche Sendungen

Der Passauer Hemdenhersteller Eterna hat gestern innerhalb von nur zwei Stunden 35 Millionen Euro platzieren können. Der mit 8 Prozent verzinste erste Mini-Bond eines Private-Equity-geführten Unternehmens ging zu 57 Prozent an institutionelle Investoren und zu 43 Prozent an Privatanleger. Allerdings muss Eterna deutlich mehr bezahlen als der Bielefelder Hemdenhersteller Seidensticker , dessen im Frühjahr begebene 6-jährige Anleihe (7,25 Prozent-Kupon) bei 106 notiert. Das entspricht einer aktuellen Rendite von 5,8 Prozent. Auch das Rating ist mit BB- (Creditreform) schwächer.

 

„Eterna hat eine hohe Refinanzierungsfähigkeit nachgewiesen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Peter Rentsch im FINANCE-TV-Interview. Und verspricht: „Das Geld bleibt im Unternehmen.“ Durch die Anleiheemission hat der Konzern seine finanzielle Flexibilität deutlich erhöhen können. Wie lange die beiden seit 2006 engagierten Finanzinvestoren Quadriga Capital und Alpha noch im Konzern bleiben wollen und wie Eterna seinen Wertschöpfungsanteil weiter erhöhen will, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.

 

Die Ratingagentur Scope nimmt unaufgefordert alle Emittenten von Mittelstandsanleihen unter die Lupe. Nach den ersten 17 Bewertungen ist die Richtung schon klar: Die Scope-Ratings liegen zum Teil viele Notches schlechter als die bestehenden Ratings: „Qualitative Aspekte wie ein gutes Controlling oder funktionierende Prozesse können über wenig Eigenkapital und schwankende Liquidität nicht hinwegtäuschen“, verteidigt Scope-Chef Thomas Morgenstern bei FINANCE-TV seinen quantitativen Ratingansatz und seine schlechteren Bewertungen. „Insofern muss man auch nicht überrascht sein, dass wir bei Mittelstandsanleihen auch schon erste Ausfälle gesehen haben.“ Was er mit seinem Massen-Rating bezweckt und was er zu dem Vorwurf sagt, er wolle die Emittenten nur erpressen – hier bei FINANCE-TV.

Nach zahllosen Pleiten und Skandalen herrscht seit einem Jahr Flaute am Mini-Bondmarkt, es finden kaum noch neue Emissionen ihren Weg an den Markt. Im Interview mit FINANCE-TV deutet Eric Leupold von der Deutschen Börse erstmals öffentlich an, dass der zentrale Handelsplatz der Mini-Bonds sich bald stärker engagieren wird, um die Schwächen des Segments auszumerzen, und den Mini-Bonds als Finanzierungsinstrument eine Zukunft zu sichern: „Irgendwann müssen wir auch Standards setzen. Mittelfristig wird sicher etwas passieren.“ Wo genau die Deutsche Börse ansetzen will und welche Verschärfung bereits auf dem Weg ist, erfahren Sie hier in der aktuellen Sendung von FINANCE-TV.

Ekosem, Stauder, MS Deutschland: Seit Wochen rollt eine gewaltige Emissionswelle über den Markt für Mittelstandsanleihen, am Jahresende werden noch mehr Mini-Bonds platziert worden sein als im bisherigen Rekordjahr 2011. Viele Beobachter argwöhnen jedoch, dass die Kreditqualität immer schlechter wird, sowohl bei den bestehenden als auch bei den neuen Emittenten – eine These, die Michael Munsch, Chef von Creditreform Rating, klar zurückweist: „Wir sehen keine geravierende Verschlechterung der Kreditqualität“, sagt er bei FINANCE-TV. Trotz erster Ausfälle hält der Chef des Ratingsmarktführers bei Mini-Bonds Vergleiche mit dem Neuen Markt für unangebracht: „Wir rechnen mit keiner unnormalen Entwicklung bei den Ausfallraten. Wenn in zwei, drei Jahren die ersten Refinanzierungen gelingen, gebe ich diesem Marktsegment eine große Chance.“

 

Wieso er die Kritik an den Creditreform-Ratings als überzogen zurückweist, wie die Ratingagentur zu ihren Einschätzungen kommt und was er von der Qualität der Ratings des Erzrivalen Scope hält – das ganze Interview nur hier bei FINANCE-TV.

Das Bankhaus Lampe hat einen neuen Mezzanine-Fonds aufgelegt. 100 Millionen Euro will die Bank bei institutionellen Anlegern einsammeln und an deutsche Mittelständler ausgeben. Dass Unternehmen mit guter Bonität sich vor Finanzierungsalternativen derzeit kaum retten können, sieht Lampe nicht als Problem: „Als Eigenkapital-Surrogat brauchen viele Unternehmen Mezzanine“, sagt Ole Klose, Geschäftsführer von Lampe Capital Finance im Interview mit FINANCE-TV. Welche Unternehmen auf Geld aus dem Fonds hoffen dürfen und wie man sich von den wenig erfolgreichen Standard-Mezzanine-Programm abgrenzen will, verrät Klose hier bei mit FINANCE-TV.

Der Immobilienentwickler Eyemaxx Real Estate begibt die erste Mittelstandsanleihe mit Inflationsschutz. Liegt die Inflationsrate während der Laufzeit von sechs Jahren im Schnitt über 10 Prozent, bekommen die Anleiheinvestoren bis zu 110 Prozent des Nennwerts zurückgezahlt. „Ehrlich gesagt rechne ich damit, dass der Inflationsschutz greifen wird“, sagt Eyemaxx-CEO Dr. Michael Müller bei FINANCE-TV. Was das für die Finanzplanung des Unternehmens bedeutet und wie es um die Besicherung der Anleihe und das Geschäftsmodell bestellt ist – Müllers Antworten hier bei FINANCE-TV.