Finanzierung
14.05.12 11:55

Die Bilanzen des deutschen Mittelstands sind offenbar gegen die Eurokrise gewappnet. Banken wie die Commerzbank drängen den Finanzchefs zusätzliche Kredite geradezu auf. „Wir würden gerne mehr Kredit vergeben, erwarten bis zum Jahresende aber keine steigende Nachfrage unserer Firmenkunden“, klagt Jochen Ihler, Bereichsvorstand bei der Mittelstandsbank der Commerzbank, gegenüber FINANCE-TV. „Es gibt definitiv keine Finanzierungslücke im Mittelstand.“ Und die CFOs warten ab: Sie sitzen auf dem Cash und schauen vor allem auf die Risiken einer Kreditfinanzierung, wie eine großangelegte Umfrage von 4.000 deutschen Unternehmen ergeben hat. Wie hoch Ihler die Gefahr einschätzt, die von der Eurokrise für deutsche Unternehmen ausgeht – hier bei FINANCE-TV.

Eurokrise: Droht dem Mittelstand eine Kreditklemme?

Die Commerzbank hat in den vergangenen Monaten Finanzchefs von 4.000 deutschen Unternehmen zu ihrer Finanzierung und Finanzlage befragt. Aktuell scheinen die deutschen Mittelständler wenig Grund zur Klage zu haben, nur 17 Prozent gaben an, Schwierigkeiten bei der Kreditbeschaffung zu haben. Mehr als 80 Prozent sind mit ihrer Eigenkapitalausstattung zufrieden. Dank dieser konservativen Sichtweise fühlt sich der Mittelstand auf Finanzierungsseite auch weitgehend immun gegen die Auswirkungen der Eurokrise: Nicht einmal jeder fünfte Unternehmer fürchtet, dass die Kreditversorgung durch die Eurokrise schwieriger werden könnte. Offenbar zu Recht: „Selbst eine Eskalation der Eurokrise würde die Finanzierungssituation der deutschen Unternehmen nicht wesentlich verschlechtern“, glaubt Jochen Ihler, Bereichsvorstand in der Mittelstandsbank der Commerzbank.   

Unter den Ergebnissen sticht hervor, dass der Bankkredit offensichtlich weiter an Popularität einbüßt. Deutschlands CFOs finanzieren Investitionen hauptsächlich aus dem Cashflow und ihren Gewinnrücklagen. Zwar sind auch kurzfristige Kredite sind populär, aber diese dienen hauptsächlich der Abfederung von Schwankungen im Working Capital. „Wir würden gerne mehr Kredit vergeben, erwarten bis zum Jahresende aber keine steigende Nachfrage unserer Firmenkunden“, klagt Ihler. „Es gibt definitiv keine Finanzierungslücke im Mittelstand.“ Die Ursache für diese Zurückhaltung liefert die Studie gleich mit: 78 Prozent der Befragten denken beim Thema Finanzierung zuerst an die dadurch entstehenden Risiken.

Für die Wachstumsperspektiven der deutschen Industrie sind das keine guten Nachrichten. Die allgemeine Skepsis gegenüber Banken und Schulden hindert viele Unternehmen daran, stärker zu investieren und damit den Kapitalstock des Mittelstands zu modernisieren. „Dabei haben die deutschen Unternehmen heute viel mehr Spielraum als früher“, findet Ihler. „Vor zehn Jahren hatte nur jedes zehnte Unternehmen eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent, heute sind es viermal so viele.“

Ähnliche Sendungen

Ab dem 26. November will Ekosem Agrar, die deutsche Holding des russischen Agrarkonzerns Ekoniva, zum zweiten Mal in diesem Jahr den Bondmarkt anzapfen. Nach einer erfolgreichen Erstemission über 50 Millionen Euro im Segment Bond M im März an der Stuttgarter Börse, will CFO Wolfgang Bläsi nun weitere 60 Millionen Euro platzieren.

 

Ein Grund für das Ausweichen auf den deutschen Kapitalmarkt: Kreditzinsen in Russland sind angesichts von fast 7 Prozent Inflation deutlich teurer als die rund 7-Prozent-Kupons in Deutschland. Zudem ist der russische Bankensektor vergleichsweise zersplittert. Die Erlöse will er in die Herde von Milchkühen, Ställe und Fläche investieren und die Betriebsleistung in den kommenden Jahren von 80 Millionen Euro auf annähernd 200 Millionen Euro steigern. Die hohen Vorfinanzierungen führen dabei zu einem negativen Free Cashflow, solange das Unternehmen wächst, erklärt Bläsi. Das Geschäft sei profitabel genug, um die Investoren zu bedienen, versichert er. Ekosem profitiert von den auf Mangelversorgung beruhenden hohen russischen Milchpreisen.

 

Im Vorfeld der ersten Emission musste er mit der Börse und den Investoren „reden, reden, reden“, um die Russlandgeschichte deutlich zu machen. Wie er das politökonomische Risiko einschätzt, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.

Gleich für zwei Paukenschläge hat der Pay-TV-Sender Sky Deutschland kürzlich gesorgt: Die Münchener präsentierten im zweiten Quartal den ersten operativen Gewinn seit Jahren, und sie erwarben im Frühjahr die Bundesliga-Übertragungsrechte bis 2016 – für einen doppelt so hohen Preis wie zuvor. Sky-Deutschland-CFO Steven Tomsic betont im Interview mit FINANCE-TV, dass das alles solide finanziert sei: „Wir müssen keinen Deal machen und der Telekom oder einem anderen Internet-TV-Anbieter die Internetrechte weiterverkaufen – einen Deal machen wir nur, wenn er für uns attraktiv ist.“ Was diese aggressive Strategie für die Finanzen und den Cashflow des TV-Riesen bedeutet und wie es sich als CFO anfühlt, seit Jahren am finanziellen Tropf des Mutterkonzerns News Corp zu hängen – dies und mehr verrät Tomsic im Gespräch mit FINANCE-TV.

Finanzabteilungen verschlingen immer mehr Geld. Dies ist das Kernergebnis einer aktuellen Benchmarkstudie von PwC. Doch angesichts der immens steigenden Anforderungen an die CFOs und ihre Mitarbeiter sei der Kostenanstieg moderat, findet Thomas Weber, Partner im Finance-Consulting-Bereich bei PwC: „Die Finanzabteilungen werden effizienter.“ Doch auch die Schwächen, die die Untersuchung zu Tage gefördert hat, stechen ins Auge: Reporting, Forecasting, Risikomanagement – in all diesen Feldern schätzen viele Finanzabteilungen ihre Leistungen selbst als ungenügend ein. Wo genau die Probleme liegen und wie CFOs die Performance ihrer Teams verbessern können – die Antworten hier bei FINANCE-TV.

Totgesagte leben länger: Nur drei Jahre nach dem tiefen Einbruch des Automarktes und der hausgemachten Schuldenkrise steht der Autozulieferer Continental stärker da als je zuvor. Dank eines strammen Abbaus der Verschuldungsquote (Gearing) von 219 auf 85 Prozent hat Conti wieder Spielräume, die das Management aber vorerst nicht nutzen will: „Wir werden erst einmal weiter Schulden abbauen, bis wir unser Gearing unter 60 Prozent gedrückt haben“, kündigt Conti-CFO Wolfgang Schäfer im Interview bei FINANCE-TV an. Wie lange das noch dauern wird, was seine Pläne für die Zeit danach sind und wie er zu der Idee steht, Großinvestor Schaeffler herauszukaufen – Schäfers Antworten exklusiv hier bei FINANCE-TV.

Das Modelabel Tom Tailor expandiert mit neuen Retail-Stores und Produktlinien. Dafür muss der Konzern aber erst einmal Working Capital aufbauen und Anfangsinvestitionen stemmen – das geht an die Substanz. Doch das soll sich von diesem Jahr an ändern, verspricht Finanzchef Dr. Axel Rebien im Talk mit FINANCE-TV. Der operative Cashflow soll die Investitionen von voraussichtlich 23 bis 25 Millionen Euro übersteigen. In welchen Märkten die Modekette wachsen will und wie sie ihre Kontrollmechanismen aufbaut, sehen Sie im Talk bei FINANCE-TV.

Als Hans-Jürgen Wiecha im Februar 2013 zum Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach kam, waren die Covenants gerissen und das Unternehmen schrieb rote Zahlen. Ein Wechsel im Verwaltungsrat wenige Monate später hätten dem CFO eine Exit-Klausel eröffnet, doch er blieb: „Ich wollte es mir nicht zu einfach machen“, sagt Wiecha. Bis 2016 soll ein Programm zur Effizienzsteigerung auf Ebene des EBITDA eine Verbesserung von 230 Millionen Euro erzielen. Mit welchen Controlling-Methoden er die Fortschritte des Programms überwacht und welche Optionen er zur Ablösung des teuren High-Yield-Bonds in Betracht zieht, verrät CFO Wiecha im Gespräch bei FINANCE-TV.