Finanzierung
26.09.12 11:56

Das Treasury hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert, sagt Michael Spiegel, Global Head of Trade Finance and Corporate Cash Management bei der Deutschen Bank. Treasurer hätten sich in Zeiten vor der inzwischen fünf Jahre dauernden Finanzkrise stärker auf ihr Unternehmen selbst fokussiert und sich mit Zinsänderungen, Währungs- und Finanzierungsrisiken beschäftigt. Heute rücke auch die Nachhaltigkeit der Supply Chain mit in den Fokus.

 

Treasurer würden ihre Aufgabe im weiteren Sinne als ein umfassendes Unternehmensrisiko-management auffassen, das auch Zulieferfinanzierungen umfasst. „Die Frage ist doch: Wie gesund und solvent sind die Zulieferer und wie gesund die Kunden?“ Wie sich die Eurokrise auf die Wahl der Bankpartner auswirkt, erfahren Sie im Interview bei FINANCE-TV.

Treasury in der Eurokrise

Der Trend zum Hedging führe zu einer deutlich stärkeren Nutzung von Instrumenten zur Unterstützung des Handelsgeschäfts. Zunahme wieder bei klassischen Risikoabsicherungs-instrumenten wie Bankgarantien, ECA-Finanzierungen und Akkreditiven (Bankbürgschaften). Insbesondere Akkreditive seien über Jahre tot gesagt worden. Jetzt sei klar festzustellen: „Sie leben noch.“

Auch bei den Cashpoolingstrukturen geht der Trend weg von der Kostenoptimierung hin zur Sicherheit des Geldflusses und der Payment Factories. Treasurer widmen sich dem Thema Kontrahentenrisiko wesentlich intensiver als bisher. Dies laufe, wie Spiegel ausführt, zuerst auf die Frage  nach dem bankeninhärenten Kreditrisiko hinaus. Darüber hinaus fragen sich Treasurer, wer im Ernstfall noch als Transaktionspartner zur Verfügung stehe und das Geschäft nachhaltig durch fortlaufende Investitionen stützen könne.

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Die Bilanzen des deutschen Mittelstands sind offenbar gegen die Eurokrise gewappnet. Banken wie die Commerzbank drängen den Finanzchefs zusätzliche Kredite geradezu auf. „Wir würden gerne mehr Kredit vergeben, erwarten bis zum Jahresende aber keine steigende Nachfrage unserer Firmenkunden“, klagt Jochen Ihler, Bereichsvorstand bei der Mittelstandsbank der Commerzbank, gegenüber FINANCE-TV. „Es gibt definitiv keine Finanzierungslücke im Mittelstand.“ Und die CFOs warten ab: Sie sitzen auf dem Cash und schauen vor allem auf die Risiken einer Kreditfinanzierung, wie eine großangelegte Umfrage von 4.000 deutschen Unternehmen ergeben hat. Wie hoch Ihler die Gefahr einschätzt, die von der Eurokrise für deutsche Unternehmen ausgeht – hier bei FINANCE-TV.

Im Firmenkundengeschäft wächst der Druck auf die Banken: Die Erträge sind seit Mitte 2012 rückläufig, die Profitabilität ging im zweiten Halbjahr 2013 gegenüber dem ersten Halbjahr sogar um rund ein Drittel zurück. Das verändert auch das Verhältnis zwischen CFOs und ihren Banken: „Die CFOs sind selbstbewusst“, sagt Walter Sinn, Deutschlandchef der Strategieberatung Bain & Company. Wie sich die laufenden Stresstests auf die Lage der Banken auswirken und ob das Firmenkundengeschäft bei einzelnen Häusern zur Disposition steht, darüber spricht Sinn im Talk bei FINANCE-TV.

Nicht nur Großkonzerne, auch viele Mittelständler sind inzwischen international aufgestellt und arbeiten mit Tochterfirmen und Banken rund um den Globus zusammen. Bei der Einbindung der internationalen Töchter in das zentrale Treasury stehen viele Mittelständler aber noch am Anfang, meint Treasury-Softwareanbieter Martin Bellin. Er hält inzwischen auch das ursprünglich für die Interbankenkommunikation gestartete Netzwerk Swift für mittelstandsfähig: „Das ist noch als teuer und komplex belegt“, räumt er ein. Inzwischen könnten Mittelständler aber schon für „wenige Hunderte Euro im Monat“ daran teilnehmen. Welche Voraussetzungen ein Mittelständler für eine Vernetzung schaffen muss, welche Fortschritte die Automatisierungsbemühungen in papierlastigen Domänen wie Trade Finance machen und bis wann internationale Treasury-Prozesse nach Meinung von Martin Bellin sogar nahezu ganz ohne Papier auskommen werden, sehen Sie im Talk bei FINANCE-TV.

Die Venture-Investoren pumpen immer mehr Gelder in den Fintech-Sektor – jetzt auch in Deutschland. Rund 400 Millionen US-Dollar sind es jetzt schon, mehr als doppelt so viel wie im gesamten Vorjahr. Für Banken könnte das existenzbedrohend sein, glaubt der Fintech-Investor Christian Nagel vom Venture-Fonds Earlybird: „Alle Geschäftsbereiche der Banken werden von den Fintechs angegriffen – vielleicht mit Ausnahme des Investmentbankings und der Vermögensverwaltung für sehr reiche Kunden“, erklärte er gegenüber FINANCE-TV. Welche Grundfunktionen die Fintechs den Banken als erstes wegnehmen wollen und welche die heißesten Fintechs in Deutschland sind – die Antworten gibt Nagel hier im aktuellen FINANCE-TV-Talk.

Eine Akquisitionsfinanzierung für einen laufenden M&A-Prozess aufsetzen, eine bestehende Kreditlinie refinanzieren, ein innovatives Finanzprodukt zur Ablösung der M&A-Brückenfinanzierung etablieren: Das Treasury-Team von Nordex musste in diesem Jahr gleich eine ganze Serie an komplexen Transaktionen parallel bewältigen.

Für diese Leistung hat das Team um Torsten Hinsche, Head of Corporate Finance & Treasury, auf der diesjährigen Structured FINANCE von der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer den Preis für das Treasury des Jahres 2016 erhalten. Wie das Team die Komplexität bewältigt hat und wie die Idee für den ersten „Green Schuldschein“ entstand, verrät Torsten Hinsche im Talk bei FINANCE-TV.

Die Großkonzerne Siemens, Daimler, Symrise, aber auch viele Mittelständler wollen im Iran durchstarten. Doch fünf Monate nachdem weite Teile der Iran-Sanktionen gefallen sind, herrscht Ernüchterung: Banken stellen keine Finanzierung, im Zahlungsverkehr hapert es nach wie vor, und auch Kreditversicherer sind zurückhaltend: „Wir machen keine Geschäfte im Iran“, sagt Mario Jung vom Kreditversicherer Coface. Warum sich das auf absehbare Zeit wohl nicht ändern wird, wie Coface derzeit mit Anfragen von Firmenkunden umgeht und wie der Coface-Manager die wirtschaftliche Lage im Iran einschätzt – das sehen Sie hier bei FINANCE-TV.