Finanzierung
17.01.17 10:00

Der Bondmarkt boomt: In den ersten zwei Wochen 2017 haben Unternehmen Euro-Anleihen über 17 Milliarden Euro platziert – so viel wie seit über vier Jahren nicht mehr. „2017 gilt: Je früher man an den Markt geht, desto besser“, sagt Christoph Paul, DCM-Banker bei der Crédit Agricole CIB im Interview mit FINANCE-TV. Denn die exzellenten Konditionen aus dem vergangenen Herbst sind wohl passé. Warum das so ist und wie die Zinswende konkret abläuft – Pauls Prognosen hier bei FINANCE-TV.

Zinswende: CFOs ziehen Anleiheemissionen vor

2016 waren die Finanzierungsbedingungen an den Anleihemärkten so gut wie noch nie für CFOs. Mehr als ein Dutzend Unternehmen konnten Bonds mit Nullkupon platzieren – darunter auch fünf deutsche Konzerne. Die Anleihen der Deutschen Bahn und Henkel warfen bei der Emission sogar eine negative Rendite für Investoren ab: „Auch dieses Jahr sind wieder Nullzinsanleihen denkbar, negative Emissionsrenditen dagegen nicht“, meint Christoph Paul, Leiter Corporate DCM für Deutschland und Österreich bei der Crédit Agricole CIB im Interview mit FINANCE-TV.

Der Grund: Die langfristigen Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum steigen seit einigen Wochen – zur Überraschung vieler CFOs und Treasurer, denn die Geldpolitik der EZB ist weiterhin klar auf niedrige Zinsen ausgelegt: Erst im Dezember verlängerte sie ihr Ankaufprogramm für Unternehmensanleihen bis Ende 2017 – wenn auch bei gedrosseltem Tempo – und beließ den Leitzins bei 0 Prozent. Der Grund für die eingeläutete Zinswende liegt vielmehr in den USA, wo seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten die Zinsen steigen.

Dies schlägt in abgeschwächtem Maß auf den Euro-Raum durch. „Im Vergleich zum dritten Quartal 2016, als die Zinsen ihren Tiefpunkt erreicht hatten, liegen wir heute 10 bis 60 Basispunkte darüber“, sagt Paul. Bis Jahresende dürften diese Werte um weitere 20 bis 50 Basispunkte zulegen, so die Prognose der Crédit Agricole. Auch für 2018 erwartet die französische Bank steigende Zinsen. „Im ersten Quartal rechnen wir deshalb mit der stärksten Emissionstätigkeit in diesem Jahr“, so Paul.

Wie sich die Zinswende auf den High-Yield-Markt auswirkt und welche Rolle US-Emittenten 2017 im Euro-Bondmarkt spielen werden, das sehen Sie hier bei FINANCE-TV.

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Die Zinswende in den USA trifft auch deutsche CFOs: Die Finanzierung in US-Dollar wird teurer, gleichzeitig drängen immer mehr amerikanische Unternehmen auf den vergleichsweise günstigen Euro-Anleihemarkt: „US-Unternehmen arrangieren sich schneller mit der neuen Situation, europäische Finanzchefs sind preissensibler“, sagt Jörg Sautter, Leiter des Debt Capital Markets Geschäfts der Citibank in der DACH-Region. Was er deutschen CFOs im Hinblick auf Euro-Emissionen rät, warum es sich lohnen kann, am US-Dollar-Bondmarkt schnell zu sein, und wie er die weiteren Schritte der US-Notenbank Fed einschätzt – Sautters Antworten hier bei FINANCE-TV.

Die gut finanzierten deutschen Konzerne können die Nachfrage der Investoren nach neuen Schuldscheinen bei weitem nicht bedienen. Das bringt CFOs potentieller Emittenten in eine gute Position: „Die Schuldscheininvestoren sind hungrig, zum Teil sogar desperate“, berichtet der Schuldscheinexperte Paul Kuhn von der Bayern LB. Für welche Unternehmen sich jetzt die Tür zum Schuldscheinmarkt weit öffnet und welche Hoffnungen es für potentielle Minibond-Emittenten gibt, auf den Schuldscheinzug aufzuspringen, sagt Kuhn hier bei FINANCE-TV.

Der Finanzierungsspezialist Arno Fuchs warnt CFOs eindringlich davor, sich bei ihrer Finanzierung zu sehr auf den boomenden Bondmarkt zu stützen: „Viele CFOs laufen blind in den Bondmarkt hinein, nur weil dort gerade eine Bonanza herrscht“, sagt der Gründer des Beratungshauses FCF Fox Corporate Finance bei FINANCE-TV. Dies sei nicht nur gefährlich, sondern auch teuer: „Wenn CFOs die gleichen Ressourcen wie in eine Bondemission in Bankverhandlungen stecken würden, bekämen sie viel bessere Ergebnisse“, glaubt Fuchs. Wie groß der Zinsvorteil sein kann, welche Finanzierungsstrategie für ihn Bundesliga-Format hat und welche nur Regionalliga-Niveau– das alles verrät Fuchs hier bei FINANCE-TV.

Seit dem Sommer geht es am Bondmarkt nicht mehr vorwärts, die Emissionsbedingungen für CFOs verschlechtern sich nach und nach. Das hat Folgen: „Der Jahresstart war deutlich schwächer als 2015“, berichtet Paula Weißhuber, Leiterin des deutschen Debt-Emissionsgeschäfts der Bank of America Merrill Lynch bei FINANCE-TV. Ihr Rat an CFOs: „Timing wird in den nächsten Monaten extrem wichtig sein.“ Was Finanzchefs für ihre Fundingstrategie jetzt wissen müssen und warum sie unbedingt darauf achten sollten, was die Blue-Chip-Konzerne aus den USA in den nächsten Wochen machen – Paula Weißhubers Antworten nur hier bei FINANCE-TV.

Ekosem, Stauder, MS Deutschland: Seit Wochen rollt eine gewaltige Emissionswelle über den Markt für Mittelstandsanleihen, am Jahresende werden noch mehr Mini-Bonds platziert worden sein als im bisherigen Rekordjahr 2011. Viele Beobachter argwöhnen jedoch, dass die Kreditqualität immer schlechter wird, sowohl bei den bestehenden als auch bei den neuen Emittenten – eine These, die Michael Munsch, Chef von Creditreform Rating, klar zurückweist: „Wir sehen keine geravierende Verschlechterung der Kreditqualität“, sagt er bei FINANCE-TV. Trotz erster Ausfälle hält der Chef des Ratingsmarktführers bei Mini-Bonds Vergleiche mit dem Neuen Markt für unangebracht: „Wir rechnen mit keiner unnormalen Entwicklung bei den Ausfallraten. Wenn in zwei, drei Jahren die ersten Refinanzierungen gelingen, gebe ich diesem Marktsegment eine große Chance.“

 

Wieso er die Kritik an den Creditreform-Ratings als überzogen zurückweist, wie die Ratingagentur zu ihren Einschätzungen kommt und was er von der Qualität der Ratings des Erzrivalen Scope hält – das ganze Interview nur hier bei FINANCE-TV.

Der Schuldscheinmarkt boomt. In den ersten sechs Monaten hat der Markt mit einem Emissionsvolumen von über 13 Milliarden Euro erneut einen Rekord aufgestellt. Doch mit dem Hype wachsen auch die Zweifel: „Einige der Debütemittenten sind nicht kapitalmarktfähig“, warnt Gerald Christoph Dorsch, Leiter Credit Rating bei Feri EuroRating. Welche Entwicklungen dem Rating-Spezialisten besondere Sorgen bereiten, warum er den Trend zu Jumbo-Transaktionen kritisch sieht und wie Dorsch die Rolle der arrangierenden Banken einschätzt – das sehen Sie nur hier bei FINANCE-TV.