Treasury
21.10.14 11:55

Die drastischen Strafen gegen europäische Banken in den USA schrecken auch Industrie-CFOs auf. Denn sie zeigen: Die Teilnahme am US-Dollar-Finanzsystem bedeutet de facto, dass man sich US-Sanktionsrecht unterwirft. Wer kann, sollte daher darüber nachdenken, in kritischen Regionen auf den Dollar zu verzichten, rät Hans Bleuel, Professor für Internationale Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Düsseldorf: „Unternehmen mit ausreichend Marktmacht können das bei ihren Kunden durchsetzen.“ Für welche Unternehmen das eine Option ist und wie er den Feldzug der US-Justiz gegen europäische Banken einschätzt, erklärt Bleuel im Interview bei FINANCE-TV.

Soft Power: Wie die USA die Macht über den US-Dollar einsetzen

Die USA setzen ihre Macht über die globale Leitwährung US-Dollar ein, um Banken aus anderen Jurisdiktionen ihr Sanktionsrecht aufzuzwingen. Zuletzt hat das die BNP Paribas erfahren: Die französische Großbank musste jüngst die Rekordsumme von fast 9 Milliarden Dollar Strafe zahlen, weil sie US-Sanktionen gegen Kuba, den Iran und den Sudan verletzt hat. Teile der Bank sind außerdem für ein Jahr vom US-Dollar-Clearing ausgeschlossen. Auch die Commerzbank wird verdächtigt, gegen US-Embargobestimmungen verstoßen zu haben. Besonders pikant: Nach europäischem Recht waren die Transaktionen offenbar erlaubt – nicht aber nach dem US-amerikanischen.

Das Ziel einer gezielten Schwächung europäischer Banken sieht Hans Bleuel, Professor für Internationale Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Düsseldorf, hinter den Strafen allerdings nicht: „Auch das Who-is-Who der amerikanischen Finanzbranche hat für diese Vergehen Strafen kassiert.“ Ob die US-Behörden ihre eigenen Institute bei der Höhe der Strafen bevorteilen, lasse sich jedoch nicht beurteilen, schränkt er ein: „In allen Fällen gab es außergerichtliche Einigungen.“

Nicht nur Banken, auch Unternehmen der Realwirtschaft sind angesichts der drakonischen Strafen verunsichert. Als Reaktion schmieden nicht nur die Türkei und Russland an einer Anti-Dollar-Allianz. Auch manche deutsche Rechtsexperten raten Unternehmen mittlerweile, von der Dollar-Fakturierung auf den Euro umzusteigen, um den US-Sanktionen zu entgehen. Bleuel hält das in einigen Fällen für sinnvoll. Er ist überzeugt: „Unternehmen werden den US-Dollar wegen der Sanktionen seltener nutzen.“ Insbesondere Konzerne mit Marktmacht könnten bei ihren lokalen Abnehmern ihre Heimatwährung – also den Euro – als Fakturierungswährung durchdrücken.

Welche Alternativen es zum US-Dollar gibt,  was CFOs aus den Bankstrafen lernen können und wie weit die CFOs einen Dollarverzicht treiben könnten – Bleuels Antworten dazu hier bei FINANCE-TV. 

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