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06.02.17 11:55

Mit ihrer Bargeldreform hat die indische Regierung das Land ins Chaos gestürzt, und die Krise ebbt nur langsam ab. Auch ausländische Konzerne sind betroffen, vor allem solche mit Endkundengeschäft in Indien, berichtet Wilbert Evers, Cash-Management-Experte der HSBC, bei FINANCE-TV: „Aber jetzt beruhigt sich die Lage. Und die Krise stellt sich als ein enormer Push für den elektronischen Zahlungsverkehr heraus.“ Wie sich dadurch jetzt die gesamte Cash-Management-Landschaft in Indien ändert, und wie widerstandsfähig die neue Struktur für politische Hauruckaktionen ist – die wichtigsten Antworten für Treasurer und CFOs, heute hier bei FINANCE-TV.

Bargeldreform in Indien: Die Folgen für westliche Unternehmen im Land

Es war eine große Überraschung, als die indische Regierung am 8. November vergangenen Jahres eine radikale Bargeldreform ankündigte, um damit der grassierenden Korruption den Boden zu entziehen: 86 Prozent des Papiergeldes zog die Regierung aus dem Verkehr, vor den Geldautomaten bildeten sich lange Schlangen. Binnen Tagen rutschte die gesamte indische Volkswirtschaft in einen harschen Bargeldmangel. Und obwohl die Regierung versprach, die Engpässe bis zum Jahreswechsel durch die Auslieferung neuer Geldscheine zu lösen, halten die Probleme nach wie vor an: Die indische Volkswirtschaft versinkt im Chaos, und fast 100 Menschen verloren im Gedränge vor den Bankschaltern ihr Leben. Viele Volkswirte haben ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr deutlich gesenkt – die HSBC zum Beispiel von 7,5 auf 6,3 Prozent.

Von der überraschenden Bargeldreform sind auch westliche Unternehmen betroffen, die in Indien Geschäfte betreiben, berichtet der Zahlungsverkehrsexperte Wilbert Evers bei FINANCE-TV: „Die Endkunden konnten nicht mehr einkaufen“, nannte der HSBC-Banker als Begründung. Doch inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt, auch weil immer mehr Unternehmen und Bürger auf handygestützte, elektronische Zahlungsarten umsteigen. Auch die HSBC ist Teil der sogenannten Unified Payment Interface (UPI), einer bankübergreifenden, app-basierten Plattform für bargeldlosen Zahlungsverkehr. Zahlreiche Banken in Indien sind bereits angeschlossen. „UPI hat durch die Bargeldreform einen großen Push bekommen“, berichtet Evers.  

Wie die aktuelle Lage in Indien ist, wie es weitergeht und wie sich deutsche Konzerne für einen möglichen neuerlichen Schlag gegen Schwarzgeld und Korruption wappnen können – die Antworten gibt HSBC-Banker Wilbert Evers in der aktuellen Ausgabe von FINANCE-TV.

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Als Wachstumstreiber sind die Emerging Markets für viele deutsche Unternehmen wichtig, Zahlungsverkehr in diese Länder bringt aber Schwierigkeiten mit sich. Das beginnt bei umfangreicher Dokumentation und endet bei Schriftzeichen, die deutsche Tastaturen nicht abbilden können. Dennoch kann es sich lohnen, in lokaler Währung zu zahlen, beobachtet Franz-Xaver Puy Michl, Head of Payments & Cash Management Germany bei der HSBC: „Man nimmt dem Geschäftspartner vor Ort das Währungsrisiko ab. Im Gegenzug räumt dieser oft Rabatte ein.“ Bis zu 5 Prozent seien häufig drin. Oberstes Gebot sei es, die Regularien einzuhalten, auch wenn sie strikt erscheinen. „Im Zweifelsfall sollte man sich mit dem Regulierer direkt zusammensetzen, damit kein Vertrauen verspielt wird“, rät Puy Michl. Welche Fortschritte er beim Zahlungsverkehr in den Emerging Markets sieht, welche Lockerungen er für den Renminbi erwartet und welche Probleme von Firmen oft unterschätzt werden, erklärt Puy Michl im Talk bei FINANCE-TV.

Der Zahlungsverkehr befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Im Onlinehandel gehört Paypal längst zu den beliebtesten Bezahlmethoden. Der Zahlungsverkehr zwischen Unternehmen ist deutlich komplexer, doch auch hier drängen neue Anbieter auf den Markt: „Banken müssen aufpassen, dass sie nicht den Anschluss verlieren“, warnt Axel Goedecke, Cash-Management-Berater bei Horváth & Partners im Interview mit FINANCE-TV. Welche Chancen die neuen Player CFOs bieten und was das für die Kunde-Bank-Beziehung bedeutet – Goedeckes Antworten hier bei FINANCE-TV.

Zahlungsverkehr ist in den Finanzabteilungen ein Kernthema. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Prozessen läuft er seit Jahren nach demselben Schema. Innovationen setzen sich nur langsam durch – und das liegt auch an den Banken, sagt Markus Rupprecht, Vorstand von Traxpay, einem Anbieter von Software für den Zahlungsverkehr. „Die Banken haben keinen Anreiz, es besser zu machen. Teilweise verdienen sie mit den alten Prozessen“, kritisiert Rupprecht. Der Antrieb zu Veränderungen müsse daher aus den Unternehmen kommen. Rupprecht sieht besonders beim Thema Flexibilität noch Verbesserungsbedarf – sowohl, was die Datenmenge angeht, die mit einer Zahlung mitgeliefert werden kann, als auch mit Blick auf die Ausführung von Zahlungen. „Jeder wird nervös, wenn Facebook mal zehn Minuten ausfällt. Auf der anderen Seite ist es für einen Treasurer völlig normal, dass er Zahlungsverkehr nur zwischen 8 und 14 Uhr machen kann“, sagt Rupprecht.

 

Allerdings sieht er auch in den Unternehmen eine gewisse Skepsis gegenüber Neuerungen wie Cloud-Diensten. Wie man den Vorbehalten begegnen kann, welche Vorteile Innovationen aus dem Consumer-Bereich für Unternehmen mit sich bringen könnten und wie sich der Zahlungsverkehr in den nächsten Jahren verändern könnte, erklärt Rupprecht bei FINANCE-TV.

 

Von Februar 2014 an müssen Firmen ihren Zahlungsverkehr nach den Maßgaben der Single Euro Payments Area (Sepa) ausführen – doch bei der Vorbereitung gibt es Nachholbedarf, meint Norbert Müller, Leiter Cash Management Sales Deutschland bei der UniCredit. „Sepa ist eines der von den Unternehmen am meisten unterschätzten Themen.“ Wo es hakt, wie ein Unternehmen Engpässe vermeidet und welche Vorteile die Umstellung auf ein einheitliches Zahlungsverkehrsformat bringen kann, erklärt Müller bei FINANCE-TV.

Mit der Umstellung auf Sepa ist der Zahlungsverkehr schneller geworden. Jetzt kommt der nächste Schritt: Überweisungen in Echtzeit. „Noch in diesem Jahr werden 25 Banken mit Instant Payments starten“, glaubt Andreas Windmeier, Leiter Treasury Services Deutschland und Österreich bei JP Morgan. „Spätestens 2020 werden Echtzeitzahlungen die neue Normalität“, prognostiziert er bei FINANCE-TV. Wie die Instant Payments funktionieren, welche Hürden es beim Einsatz von Echtzeitzahlungen noch gibt und was sich dadurch für Treasury-Abteilungen ändert – Windmeiers Antworten hier bei FINANCE-TV.

Mit der Fake-President-Masche haben Betrüger Millionen erbeutet, prominente Opfer wie der Automobilzulieferer Leoni und der Flugzeugkomponentenhersteller FACC sind nur die Spitze des Eisbergs: „Etwa jeder zehnte Kunde hat schon einmal Geld an Betrüger überwiesen“, sagt Andreas Schulz, Berater bei dem Treasury-Softwarehaus Litreca im Interview mit FINANCE-TV. Warum die Fake-President-Masche immer noch funktioniert, welche neuen Tricks die Betrüger anwenden und wie vermeintliche Schutzmaßnahmen für Unternehmen sogar zur Gefahr werden können, das sehen Sie hier bei FINANCE-TV.