Finanzierung
24.02.14 11:55

Die gut finanzierten deutschen Konzerne können die Nachfrage der Investoren nach neuen Schuldscheinen bei weitem nicht bedienen. Das bringt CFOs potentieller Emittenten in eine gute Position: „Die Schuldscheininvestoren sind hungrig, zum Teil sogar desperate“, berichtet der Schuldscheinexperte Paul Kuhn von der Bayern LB. Für welche Unternehmen sich jetzt die Tür zum Schuldscheinmarkt weit öffnet und welche Hoffnungen es für potentielle Minibond-Emittenten gibt, auf den Schuldscheinzug aufzuspringen, sagt Kuhn hier bei FINANCE-TV.

Der Schuldscheinmarkt wächst

 

Auch 2013 war wieder ein ordentliches Jahr für den Schuldscheinmarkt. Nach Daten der Bayern LB ging das Neuemissionsvolumen gegenüber dem starken Jahr 2012 zwar von 12,5 auf 9,1 Milliarden Euro zurück. Aber der langfristige Wachstumstrend ist weiter intakt, im Vergleich zu den Jahren vor der Finanzkrise hat sich das Marktvolumen in etwa verdoppelt. Für das laufende Jahr rechnet die Bayern LB mit einem ähnlichen Neuemissionsvolumen wie 2013.

 

Jenseits der markanten Eckdaten verändert sich die Struktur des Marktes jedoch erheblich. 2013 habe der Anteil von Highyield-Emissionen mit einem Rating von BB+ und darunter mit 22 Prozent mehr als doppelt so hoch gelegen wie im Vorjahr (10 Prozent) – der Schuldscheinmarkt öffnet sich den schwächeren Bonitäten. „Die Dax-Emittenten fehlen zurzeit, kleine Unternehmen und solche mit einer schwächeren Bonität können dadurch jederzeit Schuldscheine am Markt platzieren“, sagt Paul Kuhn von der Bayern LB, Leiter des DCM-Origination-Geschäfts mit Firmenkunden.

Auch die Laufzeiten der Schuldscheine werden länger, der Anteil von neuen Papieren mit einer Laufzeit von mehr als sieben Jahren stieg 2013 von 11 auf 23 Prozent. Die größte Emission brachte der französische Flugzeugzulieferer Zodiac mit einem Schuldschein über 535 Millionen Euro.

2014 scheint sich der Trend zu langen Laufzeiten fortzusetzen. Bei zahlreichen Transaktionen wurden auch Tranchen mit sieben oder gar zehn Jahren Laufzeit angeboten. Der brasilianische Ölmulti Petrobras brachte sogar 15-jährige Schuldscheine auf den Markt. Größter Emittent aus Deutschland in den ersten Wochen des neuen Jahres war der Pharmakonzern Stada, der sein ursprünglich geplantes Emissionsvolumen von 100 Millionen Euro auf Grund der hohen Nachfrage auf 200 Millionen verdoppelte.  

 

 

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Die Pipeline am Schuldscheinmarkt ist so voll, dass Andreas Petrie, Leiter des Primärmarktgeschäfts der Helaba, den Markt auf Kurs zu den historischen Rekordhochs von 20 Milliarden Euro Emissionsvolumen im Jahr sieht: „Die Deals driften im Moment vom Bond- in den Schuldscheinmarkt“, sagt Petrie bei FINANCE-TV zur Begründung. Welche Deals und Emittenten den Boom antreiben und warum der Mega-Schuldschein von ZF Friedrichshafen schon bald getoppt werden könnte – der Schuldscheintalk hier bei FINANCE-TV.

Der Bondmarkt boomt: In den ersten zwei Wochen 2017 haben Unternehmen Euro-Anleihen über 17 Milliarden Euro platziert – so viel wie seit über vier Jahren nicht mehr. „2017 gilt: Je früher man an den Markt geht, desto besser“, sagt Christoph Paul, DCM-Banker bei der Crédit Agricole CIB im Interview mit FINANCE-TV. Denn die exzellenten Konditionen aus dem vergangenen Herbst sind wohl passé. Warum das so ist und wie die Zinswende konkret abläuft – Pauls Prognosen hier bei FINANCE-TV.

Mit über 28 Milliarden Euro Emissionsvolumen 2017 ist der Schuldscheinmarkt der aktuell wohl heißeste Finanzierungsmarkt in Deutschland. Doch jetzt scheint die Stimmung zu drehen: Schieflagen bei den Emittenten Carillion und Steinhoff, abgesagte Deals und eine überraschende Konditionenanpassung beim neuen Schuldschein von Telefónica Deutschland lassen aufhorchen. „Die Strukturen und Konditionen von Schuldscheinen sind tatsächlich an der Grenze“, bestätigt Bettina Streiter, Leiterin der Abteilung für Unternehmensemissionen bei der DZ Bank. „Aber der Markt als Ganzes ist trotz der aktuellen Börsenturbulenzen nach wie vor intakt“, sagte sie gegenüber FINANCE-TV. Was CFOs, die mit einer Schuldscheinausgabe in diesem Jahr liebäugeln, jetzt aber trotzdem beachten sollten – das Marktgespräch mit Bettina Streiter hier bei FINANCE-TV.

Der Schuldscheinmarkt boomt. In den ersten sechs Monaten hat der Markt mit einem Emissionsvolumen von über 13 Milliarden Euro erneut einen Rekord aufgestellt. Doch mit dem Hype wachsen auch die Zweifel: „Einige der Debütemittenten sind nicht kapitalmarktfähig“, warnt Gerald Christoph Dorsch, Leiter Credit Rating bei Feri EuroRating. Welche Entwicklungen dem Rating-Spezialisten besondere Sorgen bereiten, warum er den Trend zu Jumbo-Transaktionen kritisch sieht und wie Dorsch die Rolle der arrangierenden Banken einschätzt – das sehen Sie nur hier bei FINANCE-TV.

Ekosem, Stauder, MS Deutschland: Seit Wochen rollt eine gewaltige Emissionswelle über den Markt für Mittelstandsanleihen, am Jahresende werden noch mehr Mini-Bonds platziert worden sein als im bisherigen Rekordjahr 2011. Viele Beobachter argwöhnen jedoch, dass die Kreditqualität immer schlechter wird, sowohl bei den bestehenden als auch bei den neuen Emittenten – eine These, die Michael Munsch, Chef von Creditreform Rating, klar zurückweist: „Wir sehen keine geravierende Verschlechterung der Kreditqualität“, sagt er bei FINANCE-TV. Trotz erster Ausfälle hält der Chef des Ratingsmarktführers bei Mini-Bonds Vergleiche mit dem Neuen Markt für unangebracht: „Wir rechnen mit keiner unnormalen Entwicklung bei den Ausfallraten. Wenn in zwei, drei Jahren die ersten Refinanzierungen gelingen, gebe ich diesem Marktsegment eine große Chance.“

 

Wieso er die Kritik an den Creditreform-Ratings als überzogen zurückweist, wie die Ratingagentur zu ihren Einschätzungen kommt und was er von der Qualität der Ratings des Erzrivalen Scope hält – das ganze Interview nur hier bei FINANCE-TV.

Die Zinswende in den USA trifft auch deutsche CFOs: Die Finanzierung in US-Dollar wird teurer, gleichzeitig drängen immer mehr amerikanische Unternehmen auf den vergleichsweise günstigen Euro-Anleihemarkt: „US-Unternehmen arrangieren sich schneller mit der neuen Situation, europäische Finanzchefs sind preissensibler“, sagt Jörg Sautter, Leiter des Debt Capital Markets Geschäfts der Citibank in der DACH-Region. Was er deutschen CFOs im Hinblick auf Euro-Emissionen rät, warum es sich lohnen kann, am US-Dollar-Bondmarkt schnell zu sein, und wie er die weiteren Schritte der US-Notenbank Fed einschätzt – Sautters Antworten hier bei FINANCE-TV.