Finanzierung
10.02.16 11:55

Die Zinswende in den USA trifft auch deutsche CFOs: Die Finanzierung in US-Dollar wird teurer, gleichzeitig drängen immer mehr amerikanische Unternehmen auf den vergleichsweise günstigen Euro-Anleihemarkt: „US-Unternehmen arrangieren sich schneller mit der neuen Situation, europäische Finanzchefs sind preissensibler“, sagt Jörg Sautter, Leiter des Debt Capital Markets Geschäfts der Citibank in der DACH-Region. Was er deutschen CFOs im Hinblick auf Euro-Emissionen rät, warum es sich lohnen kann, am US-Dollar-Bondmarkt schnell zu sein, und wie er die weiteren Schritte der US-Notenbank Fed einschätzt – Sautters Antworten hier bei FINANCE-TV.

Trotz Zinswende: US-Anleihemarkt mit Rekordvolumen, Flaute in Europa

Das Ende der Nullzinspolitik in den USA ist eingeleitet. Die amerikanische Zentralbank Fed hat Mitte Dezember erstmals seit fast zehn Jahren ihren Leitzins angehoben. Er liegt nun bei 0,25 bis 0,5 Prozent und soll – so die bisherige Kommunikation der Fed im Dezember – bis Ende dieses Jahres auf bis zu 1,5 Prozent steigen.

Dem Boom am US-Dollar-Bondmarkt tut diese Leitzinserhöhung bislang aber keinen Abbruch. Im Gegenteil: Der Brauereigigant AB Inbev sammelte im Januar 46 Milliarden US-Dollar für die geplante Übernahme von Konkurrent SAB Miller ein. Es war die zweitgrößte US-Anleiheemission aller Zeiten, und es wäre sogar noch mehr drin gewesen: „Das Orderbuch belief sich auf über 100 Millionen Dollar“, berichtet Jörg Sautter, Leiter des DCM-Geschäfts der Citibank in der DACH-Region, bei FINANCE-TV.

Die hohen Volumina könnten auch dem Trend geschuldet sein, dass sich Unternehmen jetzt noch schnell die guten Konditionen sichern wollen, bevor die Fed den Leitzins erneut erhöht. „Im langfristigen Bereich sind die Zinsen bislang allerdings stabil“, sagt Sautter. Mit einer starken Verschiebung rechnet er zunächst nicht und sieht deshalb auch keinen Grund zur Eile bei der Anleiheemission. Beim Zins-Hedging könnte sich Schnelligkeit allerdings auszahlen, um sich die guten Konditionen einzuloggen, rät der Bond-Experte.

Am Euro-Anleihemarkt kommen Angebot und Nachfrage derweil hingegen kaum zusammen: Der Januar war mit nur 7 Milliarden Euro platziertem Emissionsvolumen der schwächste Monat seit dem Krisenjahr 2008. „Einige US-Unternehmen werden aber in den nächsten Wochen an den Markt kommen“, ist sich Sautter sicher. Sie könnten das Preisgefüge weiter zu Lasten von deutschen Unternehmen verschieben. Wie sich preissensible deutsche CFOs im Wettbewerb um die Gunst der Investoren verhalten sollten und wie die Geldpolitik der EZB das Bild verändert, das sehen Sie hier bei FINANCE-TV.

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Das Niedrigzinsumfeld reißt bei vielen Industriekonzernen ein Loch in die Pensionskasse. Die CFOs reagieren und schichten bei der langfristigen Geldanlage um: „Die Emerging Markets und der Corporate-Bond-Markt in den USA gewinnen als Anlageziel an Beliebtheit“, berichtet Tobias Löschmann, Co-Head of Institutional Sales bei Pioneer Investments, im Interview bei FINANCE-TV. Welche Renditeerwartungen realistisch sind, wie es um die Anleihe als Assetklasse bestellt ist und warum sogenannte Absolute-Return-Strategien an Bedeutung gewinnen – Löschmanns Tipps und Antworten hier bei FINANCE-TV.

Der Bondmarkt boomt: In den ersten zwei Wochen 2017 haben Unternehmen Euro-Anleihen über 17 Milliarden Euro platziert – so viel wie seit über vier Jahren nicht mehr. „2017 gilt: Je früher man an den Markt geht, desto besser“, sagt Christoph Paul, DCM-Banker bei der Crédit Agricole CIB im Interview mit FINANCE-TV. Denn die exzellenten Konditionen aus dem vergangenen Herbst sind wohl passé. Warum das so ist und wie die Zinswende konkret abläuft – Pauls Prognosen hier bei FINANCE-TV.

Seit dem Sommer geht es am Bondmarkt nicht mehr vorwärts, die Emissionsbedingungen für CFOs verschlechtern sich nach und nach. Das hat Folgen: „Der Jahresstart war deutlich schwächer als 2015“, berichtet Paula Weißhuber, Leiterin des deutschen Debt-Emissionsgeschäfts der Bank of America Merrill Lynch bei FINANCE-TV. Ihr Rat an CFOs: „Timing wird in den nächsten Monaten extrem wichtig sein.“ Was Finanzchefs für ihre Fundingstrategie jetzt wissen müssen und warum sie unbedingt darauf achten sollten, was die Blue-Chip-Konzerne aus den USA in den nächsten Wochen machen – Paula Weißhubers Antworten nur hier bei FINANCE-TV.

Der Finanzierungsspezialist Arno Fuchs warnt CFOs eindringlich davor, sich bei ihrer Finanzierung zu sehr auf den boomenden Bondmarkt zu stützen: „Viele CFOs laufen blind in den Bondmarkt hinein, nur weil dort gerade eine Bonanza herrscht“, sagt der Gründer des Beratungshauses FCF Fox Corporate Finance bei FINANCE-TV. Dies sei nicht nur gefährlich, sondern auch teuer: „Wenn CFOs die gleichen Ressourcen wie in eine Bondemission in Bankverhandlungen stecken würden, bekämen sie viel bessere Ergebnisse“, glaubt Fuchs. Wie groß der Zinsvorteil sein kann, welche Finanzierungsstrategie für ihn Bundesliga-Format hat und welche nur Regionalliga-Niveau– das alles verrät Fuchs hier bei FINANCE-TV.

Die niedrigen Kapitalmarktzinsen reißen gewaltige Löcher in die Bilanzen von Deutschlands Großkonzernen. Mehr als 300 Milliarden Euro haben die Dax-Konzerne bereits an Pensionsverpflichtungen angehäuft, und die Löcher werden immer größer, wie Jörg Ambrosius, Deutschlandchef des Finanzdienstleisters State Street, bei FINANCE-TV vorrechnet. Das hat Folgen: „Viele Konzerne müssen Milliarden in ihre Pensionspläne einschießen. Manche nehmen die Pensionsschulden aus ihren Bilanzen heraus, und viele Pensionseinrichtungen erhöhen bei ihrer Anlagestrategie das Risiko“, beobachtet er. Was genau dort gerade passiert und ob Deutschlands CFOs das Schlimmste erst noch bevorsteht – die Antworten hier bei FINANCE-TV.

Die drastischen Strafen gegen europäische Banken in den USA schrecken auch Industrie-CFOs auf. Denn sie zeigen: Die Teilnahme am US-Dollar-Finanzsystem bedeutet de facto, dass man sich US-Sanktionsrecht unterwirft. Wer kann, sollte daher darüber nachdenken, in kritischen Regionen auf den Dollar zu verzichten, rät Hans Bleuel, Professor für Internationale Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Düsseldorf: „Unternehmen mit ausreichend Marktmacht können das bei ihren Kunden durchsetzen.“ Für welche Unternehmen das eine Option ist und wie er den Feldzug der US-Justiz gegen europäische Banken einschätzt, erklärt Bleuel im Interview bei FINANCE-TV.