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14.10.15 11:55

Die Venture-Investoren pumpen immer mehr Gelder in den Fintech-Sektor – jetzt auch in Deutschland. Rund 400 Millionen US-Dollar sind es jetzt schon, mehr als doppelt so viel wie im gesamten Vorjahr. Für Banken könnte das existenzbedrohend sein, glaubt der Fintech-Investor Christian Nagel vom Venture-Fonds Earlybird: „Alle Geschäftsbereiche der Banken werden von den Fintechs angegriffen – vielleicht mit Ausnahme des Investmentbankings und der Vermögensverwaltung für sehr reiche Kunden“, erklärte er gegenüber FINANCE-TV. Welche Grundfunktionen die Fintechs den Banken als erstes wegnehmen wollen und welche die heißesten Fintechs in Deutschland sind – die Antworten gibt Nagel hier im aktuellen FINANCE-TV-Talk.

Kreditech & Co.: Der Fintech-Boom erfasst Deutschland

Der Fintech-Boom schwappt von den USA nach Deutschland. Auch hierzulande schießeninnovative Finanzdienstleister aus dem Boden, die sich vor allem einfache, mobile Lösungen auf die Fahnen geschrieben haben. Banken sehen in ihnen künftige Rivalen und beginnen inzwischen schon, die Fintech-Start-ups zu umgarnen oder – wie zum Beispiel die Commerzbank – in eigenen Inkubatoren nah an der Bank wachsen zu lassen. Die Commerzbank finanziert beispielsweise den Zahlungsverkehrsanbieter Traxpay.

Es gibt auch schon einige relevante Deals in diesem Sektor. Vor wenigen Wochen erst erhielt die Hamburger Online-Kreditplattform Kreditech, die weite Teile des kleinteiligen Kredit- und Einlagengeschäfts in die Smartphonewelt holt, von bekannten Investoren wie Peter Thiel und JC Flowers eine Finanzspritze von über 80 Millionen Euro, die auf 100 Millionen Euro steigen kann. Das Unternehmen wurde mit rund einer halben Milliarde Euro bewertet. Inklusive der Kreditech-Finanzierung flossen deutschen Fintechs nach Angaben der Beratungsfirma Barkow in diesem Jahr schon 373 Millionen US-Dollar zu.  Das ist mehr als doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2014, als 151 Millionen US-Dollar verzeichnet wurden.

Die Anwendungsgebiete, in denen Fintechs neue Lösungen präsentieren, sind vielfältig. Wegen des Big-Data-Charakters bietet das Kreditgeschäft eine große Spielwiese. Dort ist neben Kreditech zum Beispiel auch der finnische Anbieter Ferratum aktiv, der sich durch eine Anleiheemission und einen Börsengang in Deutschland inzwischen schon weit mehr als 100 Millionen Euro besorgt hat.

„Kredite werden zukünftig nicht mehr von Banken, sondern über Plattformen abgewickelt werden“, ist sich Christian Nagel, Partner des Venture-Capital-Fonds Earlybird, sicher. Die Gründe: Bessere Technik, besserer Service – „und die Fintech-Portale haben viele Kostenblöcke nicht, die die Banken mit sich herumschleppen“, meint Nagel.

Auch im Zahlungsverkehr und im Working-Capital-Management bestehen Fintech-Lösungen. Experten erwarten, dass Fintech-Start-ups sich in Zukunft auch weiter auffächern werden und nicht mehr in so überwiegender Anzahl wie aktuell in das Privatkundengeschäft vorstoßen. Auch bei Back- und Middle-Office-Tätigkeiten von Banken und Finanzabteilungen großer Konzerne rechnen Experten mit einem Innovationsschub. Genannt werden in diesem Zusammenhang häufig das Collateral Management und die Handelsfinanzierung.

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Ein beinharter Wettbewerb und zu hohe Schulden haben die Werkstattkette A.T.U an den Rand der Pleite gebracht. Nach einem Haircut, für den insbesondere die Anleihezeichner, aber auch der Ex-Eigentümer KKR, Verzicht üben mussten, steht nun die Neuausrichtung an. Eine Finanzspritze des neuen Mehrheitseigners Centerbridge sollen nun den Neuanfang ermöglichen: „Wir können jetzt wieder investieren“, sagt CFO Christian Sailer. Bei FINANCE-TV berichtet Sailer vom Überlebenskampf von A.T.U und sagt, wie die Werkstattkette bei der operativen Neuaufstellung vorankommt.

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