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21.06.17 11:55

Die Blockchain hat das Potential, die Finanzwelt zu revolutionieren. Bis 2025 wird auf Basis der Technologie eine Infrastruktur entstehen, über die Geschäfte mit sämtlichen handelbaren Assets – Wertpapiere, Derivate, Devisen, Grundstücke und Co. – abgewickelt werden können, prognostiziert Markus Krall, Managing Director bei der Unternehmensberatung Goetzpartners: „Es werden völlig neue Gebührenmodelle im Banking entstehen.“ In welchen Bereichen er die größten Anwendungsmöglichkeiten für die Blockchain sieht, ob die neue Technologie die Banken obsolet machen wird und warum die Behauptung, die Blockchain sei absolut sicher, nur in Teilen stimmt – die Antworten bekommen Sie hier bei FINANCE-TV.

Wie Blockchain die Handelsfinanzierung und das Wertpapiergeschäft verändert

Kaum eine Technologie wird derzeit so gehypt wie die Blockchain. Bei dem „verteilten Kontobuch“ handelt es sich um eine dezentrale Datenkette, deren Inhalte auf diversen Servern abgelegt sind. Alle Teilnehmer dieser Blockchain verfügen in Echtzeit über denselben Informationsstand, Aktualisierungen der Datensätze können nur im Konsens erfolgen. Datenintegrität, Sicherheit, Transparenz und verteiltes Wissen – diese Eigenschaften erklären, warum Experten der Technologie zutrauen, die Finanzbranche zu revolutionieren: „Die Blockchain automatisiert das Vertrauen und bedroht deshalb Intermediäre wie Banken“, sagt Markus Krall, Managing Director bei der Unternehmensberatung Goetzpartners im Interview mit FINANCE-TV.

Er sieht die wichtigsten Anwendungsfelder innerhalb des Bankings nicht im Zahlungsverkehr, wo es auf Masse und Geschwindigkeit ankommt. In diesem Bereich liegen die Anfänge der Blockchain – als Technologie hinter der Cryptowährung Bitcoin. Das viel größere Potential liegt Krall zufolge im Wertpapiergeschäft, in der Handelsfinanzierung oder im Lieferkettenmanagement von Unternehmen. „Wenn Transaktionen jederzeit für alle Parteien nachvollziehbar sind, erhöht das die Sicherheit und senkt die Kosten massiv.“ Beispiel Warentransport: „Wenn etwa ein Baumstamm mit einem RFID-Chip ausgestattet wird, und alle Parteien über Blockchain in Echtzeit wissen, wo sich die Ware befindet, hat das Einfluss auf Zölle, Steuern und Finanzierung“, erklärt Krall.

Die neue Technologie könne nicht nur Prozesse optimieren, es entstünden auch völlig neue Geschäftsmodelle – für die Banken, aber möglicherweise auch ohne sie, meint der Berater: „Wie sich die Rolle der Banken verändern wird, ist heute noch nicht absehbar.“ Diverse Finanzdienstleister, Zentralbanken, Börsenbetreiber und andere Intermediäre experimentieren deshalb gerade mit der Technologie. Man will sich an die Speerspitze der Entwicklung setzen, um nicht von ihr überrollt zu werden.

Wie Krall diese Initiativen bewertet, warum Standards wichtig sind und was eine private von einer öffentlichen Blockchain unterscheidet, das sehen Sie hier bei FINANCE-TV.

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Das Wettrennen geht auf die Zielgerade: Gleich drei Bankkonsortien sind aktuell dabei, blockchain-basierte Plattformen für die Handelsfinanzierung aufzubauen: „Die Technologie wird das Geschäft schneller, transparenter und sicherer machen“, verspricht Thomas Dusch, stellvertretender Chef des Global Transaction Banking bei der Unicredit. Welche Unternehmen davon besonders profitieren, wie die Großbank Unicredit bei dieser Technologie mitmischt und warum die Blockchain das Potential hat, große Teile des Bankgeschäfts obsolet zu machen, das sehen Sie hier bei FINANCE-TV.

Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum erleben als Spekulationsobjekt einen Hype, im realen Wirtschaftsleben und Zahlungsverkehr spielen sie dagegen kaum eine Rolle. Der Finanzkriminalist Seyfi Günay von der Unternehmensberatung Lexis Nexis Risk Solutions glaubt auch nicht, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird: „Verglichen etwa mit Kreditkarten ist das Transaktionsvolumen, das die Bitcoin-Technologie zur Verfügung stellen kann, viel zu gering.“ Weiteres Problem: Bitcoin & Co. sind die Währungen des Darknets und kaum zu kontrollieren: „Die Technologie verändert sich schneller, als die Regulatorik und die Behörden reagieren können“, so Günay. Wie Unternehmen, Banken und Börsen trotzdem einen Fuß in die Bitcoin-Welt setzen können, erklärt er bei FINANCE-TV.

Mit gewaltigen Kursausschlägen, einem straffen Aufwärtstrend und Warnungen durch Politiker sorgt die Internetwährung Bitcoin für immer mehr Aufsehen. Doch die Konstruktion des Bitcoinsystems hat Charme, gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Geldpolitik. „Bitcoins sind digitales Gold, die Hartwährung des 21. Jahrhunderts“, glaubt Oliver Flaskämper, der die Handelsplattform Bitcoin.de betreibt. Bei FINANCE-TV erklärt er die Vor- und Nachteile der Bitcoins, wie sie entstehen und warum sie schon bald für Profi-Anleger und Konzerne relevant sein werden.

Zahlungsverkehr ist in den Finanzabteilungen ein Kernthema. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Prozessen läuft er seit Jahren nach demselben Schema. Innovationen setzen sich nur langsam durch – und das liegt auch an den Banken, sagt Markus Rupprecht, Vorstand von Traxpay, einem Anbieter von Software für den Zahlungsverkehr. „Die Banken haben keinen Anreiz, es besser zu machen. Teilweise verdienen sie mit den alten Prozessen“, kritisiert Rupprecht. Der Antrieb zu Veränderungen müsse daher aus den Unternehmen kommen. Rupprecht sieht besonders beim Thema Flexibilität noch Verbesserungsbedarf – sowohl, was die Datenmenge angeht, die mit einer Zahlung mitgeliefert werden kann, als auch mit Blick auf die Ausführung von Zahlungen. „Jeder wird nervös, wenn Facebook mal zehn Minuten ausfällt. Auf der anderen Seite ist es für einen Treasurer völlig normal, dass er Zahlungsverkehr nur zwischen 8 und 14 Uhr machen kann“, sagt Rupprecht.

 

Allerdings sieht er auch in den Unternehmen eine gewisse Skepsis gegenüber Neuerungen wie Cloud-Diensten. Wie man den Vorbehalten begegnen kann, welche Vorteile Innovationen aus dem Consumer-Bereich für Unternehmen mit sich bringen könnten und wie sich der Zahlungsverkehr in den nächsten Jahren verändern könnte, erklärt Rupprecht bei FINANCE-TV.

 

Die Blockchain-Technologie wird die Platzierung von Schuldscheinen gravierend vereinfachen. Davon ist die Landesbank Baden-Württemberg nach ihrem Testlauf mit Daimler überzeugt. „Wir konnten Effizienzsteigerungen von 50 Prozent verzeichnen“, berichtet Joachim Erdle, Leiter Corporate Finance bei der LBBW, bei FINANCE-TV. Ob es mit Hilfe dieser Verbesserungen für Firmenkunden billiger wird, was die LBBW nach der Daimler-Transaktion als nächstes vor hat und wann der Blockchain-Schuldschein in Serie gehen soll, das sehen Sie nur hier bei FINANCE-TV.

In wenigen Monaten will der Softwareanbieter Finastra mit einer Blockchain-Plattform für syndizierte Kredite an den Markt gehen. Dank der neuen Technologie sollen Banker und Finanzchefs das Finanzierungsinstrument schneller, preiswerter und transparenter aufsetzen können. „Für die arrangierende Bank sind Effizienzgewinne von bis zu 70 Prozent möglich“, glaubt Jacqueline Morcombe, Lending-Expertin bei Finastra. Wie die Plattform funktioniert, welche Banken dabei sind und wie CFOs davon profitieren – Morcombes Antworten sehen Sie in unserem englischsprachigen TV-Talk.