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13.06.16 11:55

Die Russland-Sanktionen der EU laufen Ende Juli aus. Einige deutsche Unternehmen spekulieren bereits darauf, dass die Sanktionen nicht verlängert werden. „In Russland ist der Tenor klar: Die Sanktionen kippen auf jeden Fall“, sagt Thomas Heidemann, Partner bei der Wirtschaftskanzlei CMS, im Interview mit FINANCE-TV. Wie er die Chancen für ein Ende der Sanktionen einschätzt und warum selbst ein Ende der Sanktionen noch keine Trendwende für das Russland-Geschäft deutscher Unternehmen bedeuten würde – Heidemanns Antworten sehen Sie hier.

Russland-Sanktionen: Deutsche Unternehmen haben sich arrangiert

Das Russlandgeschäft deutscher Unternehmen liegt am Boden: Von 2012 bis 2015 sind die Ausfuhren nach Russland um fast die Hälfte auf zuletzt gut 21 Milliarden Euro eingebrochen, hunderte deutsche Unternehmen haben sich aus dem Land zurückgezogen. Schuld an der Misere ist ein Dreiklang aus Rubel-Abwertung, Ölpreisverfall und Sanktionen. Zumindest an der letztgenannten Front könnte es bald Erleichterung geben: Die Russland-Sanktionen der EU laufen Ende Juli aus. Die turnusgemäße Verlängerung um ein halbes Jahr müssen die 28 Mitgliedsstaaten einstimmig beschließen. Doch die Widerstände wachsen: „Es dürfte eng werden“, glaubt Thomas Heidemann, Partner bei der Wirtschaftskanzlei CMS im Interview mit FINANCE-TV. „Kein Land beschließt auf Dauer Maßnahmen, die seiner Wirtschaft schaden.“

Doch wie stark schränken die Sanktionen europäische Unternehmen überhaupt ein? Anders als das weitreichende Embargo gegen den Iran, das zu Beginn des Jahres kippte, ist nur der Export weniger Güter nach Russland verboten beziehungsweise genehmigungspflichtig. Die Finanzsanktionen richten sich ausschließlich gegen die Banken. „Die Unternehmen haben sich mit den Sanktionen arrangiert“, meint Heidemann denn auch. Die Compliance-Systeme seien aufgebaut, Verstöße habe er in seiner eigenen Praxis noch nicht erlebt, so der Rechtsanwalt. „Das größere Problem für Unternehmen ist die Rubel-Abwertung.“

Eher sind die Gegenmaßnahmen Russlands ein Hemmschuh: Als Reaktion auf die westlichen Sanktionen erschwert die Putin-Regierung ausländischen Unternehmen den Zugang zum russischen Markt, für Lebensmittel gilt gar ein Einfuhrverbot. „Hier gibt es allerdings viele Schlupflöcher, die Unternehmen nutzen können“, sagt Heidemann. Welche das sind und warum die Sanktionen der USA gegen Russland für deutsche Unternehmen ein Problem sind, verrät Heidemann bei FINANCE-TV.

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Die Großkonzerne Siemens, Daimler, Symrise, aber auch viele Mittelständler wollen im Iran durchstarten. Doch fünf Monate nachdem weite Teile der Iran-Sanktionen gefallen sind, herrscht Ernüchterung: Banken stellen keine Finanzierung, im Zahlungsverkehr hapert es nach wie vor, und auch Kreditversicherer sind zurückhaltend: „Wir machen keine Geschäfte im Iran“, sagt Mario Jung vom Kreditversicherer Coface. Warum sich das auf absehbare Zeit wohl nicht ändern wird, wie Coface derzeit mit Anfragen von Firmenkunden umgeht und wie der Coface-Manager die wirtschaftliche Lage im Iran einschätzt – das sehen Sie hier bei FINANCE-TV.

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Der Markt für Hybridanleihen boomt: Über 7 Milliarden Euro Hybridkapital haben deutsche Unternehmen in diesem Jahr schon aufgenommen, rechnet die Société Générale vor. „Dafür zahlen die Unternehmen Kupons, die vor zwei Jahren noch bei einer normalen Anleihe üblich gewesen wären“, sagt Martin Wagenknecht, der bei der Bank den Bereich Debt Capital Markets in der DACH-Region leitet. Worauf CFOs bei Hybridanleihen achten müssen, und ob aus der Nischenfinanzierungsform ein Trend werden kann – die Antworten von Martin Wagenknecht sehen Sie hier im Interview bei FINANCE-TV.

Die heftigen Währungsschwankungen, insbesondere der Rubel-Verfall, haben Metro, Adidas und Stada zuletzt einen nennenswerten Teil ihrer Gewinne gekostet. „Diese Verluste ergeben sich vor allem daraus, dass Unternehmen Translationsrisiken, also Umrechnungseffekte, nicht absichern“, sagt Sven Jürgensen, Leiter Devisenhandel Firmenkunden bei der HSBC in Deutschland, im Interview mit FINANCE-TV. Warum CFOs diese FX-Risiken nicht hedgen, welche Lehren sie aus den aktuellen Turbulenzen ziehen können und warum sich Flexibilität im Währungsmanagement auszahlt – das erfahren Sie hier im Talk bei FINANCE-TV.

Das Tabu ist gebrochen: Seit dem vergangenen Herbst reichen immer mehr Banken die Strafzinsen, die sie bei der EZB zahlen, an ihre Firmenkunden weiter. „Großen Firmenkunden müssen wir marktgerechte Zinsen in Rechnung stellen“, bestätigt Roland Weiß, Leiter Corporate Sales bei der DZ Bank im Interview mit FINANCE-TV. Wie CFOs im kurzfristigen Bereich noch eine positive Rendite erzielen können und welche Risiken sie dafür eingehen müssen, das erklärt Weiß im Talk bei FINANCE-TV.