Neuer Rekordmonat am Corporate-Bond-Markt

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Der September war ein Rekordmonat am Corporate-Bond-Markt. Das zeigt eine Auswertung der LBBW. Das Volumen der auf Euro lautenden Neuemissionen von Unternehmen belief sich im September auf rund 47 Milliarden Euro. Das ist das zweithöchste Monatsvolumen in diesem Jahr und eine Steigerung um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Insgesamt wurden im September 86 neue Anleihen begeben. Davon waren 24 Neuemissionen als ESG-Bonds konzipiert, darunter zwei Sustianability-linked Bonds, je ein Social- und ein Sustainability-Bond sowie 20 Green Bonds. Die Laufzeiten der Neuemissionen variierten dabei zwischen drei bis zwölf Jahren.

Viele Hybrid-Bond-Emissionen

Laut LBBW gab es nach einer Ruhepause im August mit einem Anteil von 23 Prozent im vergangenen Monat überdurchschnittlich viele neue Anleihen mit einem Rating im High-Yield-Bereich. Grund dafür sei, dass im September ungewöhnlich viele neue Hybrid Bonds begeben worden seien.

„10 Prozent des Monatsvolumens entfielen dabei auf diese nachrangigen Anleihen, die von Investmentgrade-Unternehmen begeben wurden und aufgrund des Nachrangs überwiegend mit High-Yield-Ratings eingestuft wurden“, heißt es in der Auswertung der LBBW. Ein deutsches Unternehmen, das im September am Markt für auf Euro lautende Hybrid Bonds unterwegs war, war Bayer. Die Leverkusener begaben Anfang September eine Hybridanleihe im Volumen von 750 Millionen Euro.

Deutsche Unternehmen weniger aktiv

Insgesamt waren die deutschen Unternehmen im Vergleich zu ihren Mitbewerbern jedoch deutlich weniger am Markt aktiv als noch im August. Mit einem Emissionsvolumen von 4,4 Milliarden Euro landeten sie nur auf Platz vier hinter Frankreich (8,3 Milliarden Euro), Großbritannien und den USA.

Im Branchenvergleich waren die Versorger mit einem Neuemissionsvolumen von fast 9 Milliarden Euro im September am aktivsten. Auch Immobilienkonzerne gehörten mit einem Volumen von 6,6 Milliarden Euro zu den Spitzenreitern.

Aber nicht nur für den September zeichnet sich ein positives Bild, auch insgesamt ist der Corporate-Bond-Markt in diesem Jahr sehr belebt. In den ersten neun Monaten platzierten Unternehmen ein Volumen von 363 Milliarden Euro. Das sind 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Wie erwartet wurde damit bereits das Volumen des gesamten Vorjahres 2023 übertroffen (332 Milliarden Euro). Wir gehen davon aus, dass die Unternehmen das gesunkene Zinsniveau weiterhin für eine rege Emissionstätigkeit ausnutzen“, bewertet die LBBW die Ergebnisse.

Die Landesbank erhöhte im gleichen Zug ihre Prognose für das Emissionsvolumen im Gesamtjahr auf 430 Milliarden Euro. Bisher ging die Bank von einem Volumen von 400 Milliarden Euro aus.

Rückzug der EZB

Die großen Neuemissionszahlen könnten auch den Rückzug der Europäischen Zentralbank (EZB) als Großinvestor aus dem Markt für Corporate Bonds auffangen. Wie die LBBW mitteilte, ist das seit 2016 aufgebaute Corporate-Sector-Purchase (CSPP)-Programm der EZB aufgrund von diversen Fälligkeiten im September unter die Marke von 300 Milliarden Euro gesunken. Seit Juli 2023 nimmt die EZB keine Zukäufe mehr vor, so dass sich der Anleihenbestand durch diverse Fälligkeiten sukzessive verringert. Aufgrund der steigenden Bondfälligkeiten geht die LBBW in den nächsten Jahren von einem zunehmenden Tempo beim Abbau des EZB-CSPP aus.

Lea Teckentrup ist Redakteurin bei DerTreasurer und FINANCE. Zuvor arbeitete sie als Wirtschaftsjuristin im Bereich Debt Capital Markets in einer internationalen Großkanzlei. Sie hat Wirtschaftsrecht im Bachelor und im Master an der Universität Osnabrück sowie an der Universität Siegen studiert.