Seit mehr als einem Monat steht eine Übernahme der Commerzbank durch Unicredit im Raum. Doch noch ist unklar, ob es dazu tatsächlich kommt – und wenn ja, in welcher Form. Finanzentscheider stellen sich aber jetzt schon die Frage, welche Auswirkungen eine Übernahme für sie haben könnte.
Wie CFOs und Treasurer die Übernahme bewerten

FINANCE, Schwesterpublikation von DerTreasurer, hat deshalb gemeinsam mit F.A.Z. Business Media im Oktober Finanzvorstände (CFOs), Leiter Finanzen und Treasurer von deutschen Unternehmen befragt. 172 haben geantwortet, sie stammen aus dem gehobenen Mittelstand und aus Konzernen. Rund 70 Prozent sind von einer Übernahme direkt betroffen, zählen doch entweder Commerzbank oder Unicredit – oder beide Institute – zu ihren Kernbanken.
Und wie stehen die Befragten zu den Übernahmevorhaben von Unicredit? Immerhin zwei Drittel, genauer 67 Prozent, bewerten eine mögliche Übernahme als eher negativ. 29 Prozent sehen eine Akquisition als eher positiv an. Die übrigen 4 Prozent trauen sich keine Entscheidung.
Kreditlinien und Marktbedingungen im Fokus
Genauer gefragt nach den kritischen Feldern, nennen sehr viele die Kreditlinien als wichtigen Punkt. Sie fürchten, dass bei einer Fusion das gemeinsame Kreditengagement kleiner würde. „1+1 ist nicht gleich 2“, schreibt ein Befragter. „Exposure wird sich reduzieren. In Krisenzeiten werden Entscheidungen in Mailand getroffen und nicht in Frankfurt.“ Die Nähe zu Entscheidungsträgern in Deutschland sei fraglich.
Ein anderer Punkt ist, dass durch eine Marktkonzentration – wenn zwei der wichtigsten deutschen Banken für Firmenkunden zusammengehen – die Finanzkonditionen schlechter würden. Zudem fürchten sie den Einfluss eines italienischen Shareholders auf Kreditentscheidungen für deutsche Unternehmen.
Positive Stimmen zur Übernahme
Als problematisch schätzen die Befragten zudem eine potenzielle Integration ein. Die Banken wären dadurch zu sehr mit sich und nicht mit den Kunden beschäftigt, der Service für Kunden würde zumindest zeitweise leiden. Dennoch sehen nicht alle der Befragten Eingriffe der Aufsichtsbehörden in die Übernahme ab: sowohl die betroffenen Unternehmen als auch nicht davon betroffene.
Nicht alle Finanzentscheider stehen einer Übernahme der Commerzbank skeptisch gegenüber. Einige Befragte sehen die Chance, dass eine größere europäische Bank entstehen könnte – ein Gegengewicht zu angelsächsischen Banken. Zudem sehen einige die Konsolidierung positiv und dass Synergien durch einen Zusammenschluss gehoben werden könnten.
Info
Übernahme-Krimi um die Commerzbank
Relativ überraschend hat sich Unicredit über 20 Prozent der Anteile an der Commerzbank gesichert. Während über die Art und Weise des Anteilskaufs diskutiert wird, müssen Finanzentscheider sich mit einer potentiellen Komplettübernahme der Commerzbank beschäftigen. Dadurch würden aus zwei der wichtigsten Firmenkundenbanken in Deutschland künftig nur noch eine werden. Wie bewerten sie diesen Umstand? Eine Umfrage unter CFOs, Finanzleitern und Treasurern gibt Aufschluss.
Hier geht es zur FINANCE-Studie.
Markus Dentz ist Chefredakteur von DerTreasurer und der Fachzeitschrift FINANCE. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury.
