Das Fintech Multitude hat Anfang 2024 eine eigene Wholesale-Banking-Einheit gegründet, über die es sowohl besicherte Finanzierungen für Unternehmen als auch Zahlungslösungen für institutionelle Kunden anbietet. Im ersten Jahr hat das Haus Kundenkredite und Schuldverschreibungen über rund 132,8 Millionen Euro ausgereicht. Die Zinserträge beliefen sich auf 13,1 Millionen Euro.
Multitude will vor allem die Unternehmen ansprechen, bei denen traditionelle Banken von einer Finanzierung absehen. So nimmt das Fintech verstärkt andere Fintechs ins Visier. „Wir wollen uns als „Lenders of the Lenders“ etablieren und so unsere eigenen Erfahrungen aus 20 Jahren am Markt weitergeben“, erklärt Alain Nydegger, CEO des Wholesale Bankings von Multitude.
Langjährige Fintech-Erfahrung
Das Fintech wurde 2005 gegründet und bot zunächst unter dem Namen Ferratum digital Verbraucherkredite an. Im Jahr 2012 erhielt Multitude eine Banklizenz, ging drei Jahre später an die Börse und gründete den Geschäftsbereich Capitalbox für die KMU-Kreditvergabe.
Bei der Deal-Auswahl geht das Team von Nydegger dennoch sehr selektiv vor. „Damit wir tätig werden, brauchen die Fintechs bereits ein solides Kreditbuch und müssen mehrere Finanzierungszyklen auf dem Markt überstanden haben“, erklärt der Banker. Der Pre-Seed- oder Seed-Bereich sei für die Einheit nicht interessant.
Mit ihrem Wholesale-Angebot ist Multitude bereits in sechs europäischen Ländern vertreten. In Estland unterstützte Multitude im März das Fintech Hoovi mit 8 Millionen Euro über eine strukturierte Bondemission, im vergangenen November sagte die Bank dem Fintech Heavyfinance aus Litauen 14 Millionen Euro im Rahmen einer Verbriefung zu, die in Darlehen für kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe fließen sollen.
Kundenkreis in Deutschland soll größer werden
Perspektivisch sollen auch hierzulande Fintechs zum Kundenkreis hinzukommen. In Deutschland beschränkt sich das Geschäft der Bank bislang jedoch vorwiegend auf Finanzierungen im Immobilienbereich im Volumen von 5 bis 30 Millionen Euro. „Dabei ist uns bewusst, dass Multitude vor allem als kurzfristiger Finanzierungspartner in Betracht kommt“, so Nydegger. Vor allem Brückenfinanzierungen mit Laufzeiten von bis zu zwei Jahren vergebe die Bank in Deutschland derzeit.
Darüber hinaus ist die Fintech-Bank teurer als ihre traditionelle Konkurrenz. Der Zinssatz für eine besicherte Finanzierung liege üblicherweise im höheren einstelligen Bereich. „Wir versuchen komplexe Finanzierungsstrukturen auf ein kleineres Kundensegment herunterbrechen. Dabei müssen wir gleichzeitig gewährleisten, dass die Deals für uns ökonomisch sinnvoll bleiben“, beschreibt der Banker die Herausforderung.
Punkten möchte die Bank daher vor allem mit Geschwindigkeit und setzt dafür auf einen hohen Grad an Automatisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Lea Teckentrup ist Redakteurin bei DerTreasurer und FINANCE. Zuvor arbeitete sie als Wirtschaftsjuristin im Bereich Debt Capital Markets in einer internationalen Großkanzlei. Sie hat Wirtschaftsrecht im Bachelor und im Master an der Universität Osnabrück sowie an der Universität Siegen studiert.

