Trump-Zölle treiben Firmen in die Krise

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Es war nicht das Ergebnis, auf das viele gehofft hatten: Der zwischen der EU und den USA ausgehandelte Zoll-Deal hat eine erhebliche Unwucht. Schließlich ist es Donald Trump gelungen, für US-Industriegüter sämtliche Zollbarrieren in der Europäischen Union wegzuverhandeln, während der Großteil der EU-Exporte in die Vereinigten Staaten mit einem pauschalen Zollsatz von 15 Prozent belegt wird. Zwischenzeitlich standen noch viel höhere Sätze im Raum, wenn sich die Europäer auf den Deal nicht eingelassen hätten.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach denn auch etwas kleinlaut von einem „starken, wenn auch nicht perfekten Deal“, der den Europäern „Stabilität und Berechenbarkeit statt Eskalation und Konfrontation“ verschaffe. Wie belastbar diese Einschätzung ist, bleibt abzuwarten, sieht sich die Europäische Union doch bereits mit neuen Forderungen aus Washington konfrontiert.

Gefahr für die Exportnation

Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft ist diese Gemengelage Gift. Erste Konsequenzen zeigen sich bereits in den Konjunkturdaten. So sind die Exporte in die USA, dem wichtigsten Abnehmerland deutscher Waren, seit etlichen Monaten rückläufig. Wie sich die Auswirkungen des Zoll-Deals auf Unternehmensebene niederschlagen, war deshalb Thema des 27. Restrukturierungsbarometers, das unsere Schwesterpublikation FINANCE in Zusammenarbeit mit dem Beratungshaus Struktur Management Partner (SMP) regelmäßig durchführt.

Von den 56 Restrukturierungsexperten, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind rund vier Fünftel der Meinung, dass sich die aktuellen US-Zollentscheidungen belastend auf deutsche Unternehmen auswirken. Das gilt vor allem für mittelständische Exporteure, die ihre Wertschöpfung überwiegend in Deutschland haben und von hier aus den US-Markt bedienen. Eine Verlagerung der Produktion in die USA, um Zölle zu umgehen, ist wegen der hohen Investitionskosten in der Regel keine Option.

So verwundert es auch nicht, dass bei den Antworten auf die Frage nach den größten exogenen Gefahren eine als besonders groß angesehen wird: die Gefahr für den globalen Handel durch protektionistische Tendenzen (88 Prozent). Daneben nehmen die Wachstumsschwäche in der Eurozone und politische Konflikte die Plätze zwei und drei ein.

Maschinenbau im Fokus

Rund ein Drittel der Umfrageteilnehmer (32 Prozent) erwartet aufgrund der Zollmaßnahmen perspektivisch mehr Restrukturierungsfälle. Nicht überraschend stehen dabei die Branchen Maschinen- und Anlagenbau sowie Fahrzeugbau und -zubehör als besonders restrukturierungsgefährdet im Fokus. 59 Prozent gehen allerdings davon aus, dass die Zölle zu keinem wesentlichen Anstieg der Restrukturierungsfälle führen werden. Als bedeutender Treiber für das Insolvenzgeschehen hierzulande dürften die tarifären Handelshemmnisse damit vielleicht ausfallen.

Angesichts der aktuellen Lage wäre das zu wünschen. Denn die Insolvenzzahlen von Personen- und Kapitalgesellschaften der vergangenen Quartale liegen auf einem hohen Niveau. Im dritten Quartal dieses Jahres wurden nach aktuellen Informationen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle die Rekordwerte des zweiten Quartals fast erreicht und damit die zweithöchsten Insolvenzzahlen seit 20 Jahren gemessen.

Info

Die gesamten Ergebnisse des Restrukturierungsbarometers finden Sie hier.

Markus Dentz ist Chefredakteur von DerTreasurer und der Fachzeitschrift FINANCE. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury.