Leichte Entspannung am Markt für Kautionsversicherungen: Die Ratinganforderungen der Kautionsversicherer an ihre Kunden sind laut dem Gracher Kautionspreisindex (KPI) im vierten Quartal 2025 im Schnitt auf BB+ zurückgekehrt (Vorquartal BB). Auch die Ausfallwahrscheinlichkeit sei auf 1,3 Prozent gesunken (Q2/25: 1,35 Prozent).
Wichtiger dürfte für viele Avalnehmer jedoch die Preisentwicklung sein. Die Prämiensätze blieben nach Grachers Analyse „nahe an den Werten des dritten Quartals“: Im Vergleich zum Vorquartal gingen sie leicht zurück von 1,11 Prozent auf 1,08 Prozent im Mittelwert aller 92 vermittelten Neuverträge.Gracher schlussfolgert daraus, dass sich wegen der wieder leicht erhöhten Ratinganforderungen die Preise real etwas verteuert hätten, aber höchstens moderat. „Noch vor einem Jahr lag die Durchschnittsprämie bei 1,35 Prozent – bei gleichem Rating von BB+“, berichtet Alfons-Maria Gracher, Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Kautionsdienstleisters.
Stabilität bei Anzahl, Prämien und Ratings
Gracher beobachtet die Entwicklung der Kautionsversicherungen bereits seit mehr als 25 Jahren. Der Gracher Kautionspreisindex erfasst seit Anfang 2020 in jedem Quartal die vom eigenen Unternehmen bearbeiteten Neuverträge mit einem Volumen von 100.000 bis 10 Millionen Euro. Insgesamt lag 2025 die Anzahl der Neuverträge mit 333 fast exakt auf dem Vorjahresniveau mit 334 Abschlüssen. „Die Stabilität bei der Anzahl der Neuverträge, der Prämien und Ratinganforderungen ist angesichts von Insolvenzzahlen auf Rekordniveau wirklich bemerkenswert.“
Während sich Banken immer weiter aus dem Geschäft mit Avalen zurückzögen, blieben die Kautionsversicherer „verlässliche Finanzierungspartner“, argumentiert Gracher. Er glaubt, dass die Versicherer ihre Risiken trotz steigender Insolvenzen im Griff hätten. „Ein Grund für diese Stabilität liegt sicherlich in der genaueren Prüfung von Anträgen“, erklärt Gracher. „Das hatte zwischenzeitlich zu deutlich längeren Bearbeitungszeiten bei den Versicherern geführt.“
Club Deals lohnend?
Inzwischen seien diese Bearbeitungszeiten wieder rückläufig Bei aller Freude über die stabile Entwicklung und die anhaltend hohe Zeichnungsbereitschaft der Versicherer warnt Gracher jedoch davor, mögliche Risiken zu unterschätzen: „Wir sind zuversichtlich, dass sich die allgemeine Wirtschaftslage 2026 hierzulande erholen wird. Doch sollten sich Unternehmen nicht darauf verlassen, sondern sich entsprechend absichern.“
Dazu gehöre es, die eigene Liquiditätsversorgung kritisch zu prüfen. Ein Risiko: Kautionsversicherungen seien häufig nur „b. a. W.“, also „bis auf Weiteres“, vereinbart. Damit könnten sich Versicherer in schwierigen Situationen zurückziehen. Mehr Sicherheit gäben laut Gracher Club Deals, die Kautionsversicherer vertraglich stärker binden. Allerdings seien diese teurer und komplexer aufzusetzen. Man zahle eine Prämie für die höhere Stabilität, was sich in Krisenphasen aber durchaus lohnen könne. Gracher rät zudem, andere Finanzinstrumente wie Factoring oder Warenkreditversicherungen zu prüfen, um mehr Sicherheit zu erreichen.
Markus Dentz ist Chefredakteur von DerTreasurer und der Fachzeitschrift FINANCE. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury.
