In einem Pilotprojekt entwickelt Bosch ein neues Brennstoffzellensystem, das emissionsarm Energie erzeugen und dabei unabhängig vom Stromnetz sein soll. Das Besondere: Bosch will die Brennstoffzellenanlagen mit Hilfe eines Finanzierungspartners nutzungsbasiert anderen Unternehmen anbieten. Die Festoxid-Brennstoffzelle (Solid oxide fuel cell, SOFC) wird mit Erdgas, Biomethan und künftig auch mit Wasserstoff betrieben. Würde grüner Wasserstoff herangezogen, würde sie laut Bosch emissionsfrei Energie erzeugen. Unternehmen können damit Strom und Wärme produzieren. Potentielle Einsatzorte sind Industriebetriebe oder Rechenzentren.
Bei dem Projekt arbeitet Bosch mit der Deutschen Bank zusammen. Die Bank will Bosch die Brennstoffzellenanlagen abkaufen und an die Kunden über ein Pay-per-Use- (PPU) beziehungsweise Asset-as-a-Service-Modell weitervermieten. Der Endnutzer schließt dann mit der Bank einen Vertrag ab und muss der Bank monatlich eine Rate, die von der Nutzung der Anlage abhängt, zahlen. Die Deutsche Bank trägt das Risiko, zum Beispiel bei einem Ausfalle der Rate.
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Den Mitschnitt des Roundtables von der „Green FINANCE“ können Sie sich hier anschauen.
Deutschen Bank bietet Anlage über Pay per Use an
Sowohl Bosch als auch der Endnutzer hätten dann den Vorteil, dass die Assets nicht auf der Bilanz stehen, sagte Wayne-Daniel Kern, der als Vice President die kommerzielle Verantwortung für das Projekt bei Bosch trägt, in einem Workshop der 3. „Green FINANCE“-Digitalkonferenz im März. Für die Unternehmen sei das zudem ein großer Liquiditätsvorteil, weil sie nicht die ganze Anlage kaufen müssten. Außerdem biete das nutzungsbasierte Modell noch einen anderen Vorteil, erklärte Kern.
So gebe es für Unternehmen, die eine Energieanlage selber kaufen wollen, sehr viele regulatorische Anforderungen und erforderliche Lizenzen. Indem Bosch die Anlage produziere und sie über die Bank nur weitervermietet werde, würden die Anforderungen an die Endkunden entfallen.
Wie berechnet die Deutsche Bank die Rate? Eine Schlüsseltechnologie des SOFC-Systems ist der digitale Zwilling, ein virtuelles Abbild der SOFC-Anlage in der Cloud. Dorthin liefert die Brennstoffzelle technische sowie Verbrauchsdaten. Derzeit testet Bosch den Prozess mit rund einer Handvoll Anlagen, ab 2025 sollen die Anlagen in einer hohen Stückzahl angeboten werden.
Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.

